HEIDELBERGER BÜRO FÜR FAMILIENFRAGEN UND SOZIALE SICHERHEIT (HBF)
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Tübingen, 30. Juni 2010
erstellt: 14:05 Uhr, Stand 18:04 Uhr
Deutschland auf dem Weg zu Krippen-Republik:
Der Durchbruch zum "Kinder-Land"?
- HBF-Analyse der Bertelsmann-Kinderbetreuungs-Studie
Deutschlands Eltern und Kinder können aufatmen: Die rasch steigende Nutzung des öffentlichen Krippenangebots verbessert die Bildungschancen der Kleinen und die Berufsperspektiven von Müttern und Vätern - auf diese Quintessenz läßt sich das polit-mediale-Echo (HPL) zur neuesten Bertelsmann-Studie über die Entwicklung der Kinderbetreuung in Deutschland bringen (HPL). Nach dieser Lesart dokumentiere dieser Trend einen erfreulichen elterlichen Mentalitätswandel dem endlich auch im Westen der Durchbruch gelungen sei (HPL). Jetzt müsse die Politik reagieren und das bislang geplante 35%-Krippen-Versorgungsziel bis 2012 nach oben korrigieren (HPL).
Ob das Land sich damit auf dem Weg zur "Kinder-Republik" befindet, ist allerdings höchst zweifelhaft.
Schon die polit-medial seit Jahren geschürte Hoffnung, durch einen forcierten Krippenausbau auf skandinavisch-französiches Niveau brächt einen Geburtenschub mit sich, bleibt beharrlich unerfüllt. Gerade Ostdeutschland mit seiner dem Westen stets als Vorbild empfohlenen Betreuungs-Infrastruktur steht dafür exemplarisch: Selbst mehr als 20 Jahre nach der Wiedervereinigung liegt die Geburtenrate nur knapp über dem niedrigen West-Niveau (HPL).
Entgegen der öffentlichen Wahrnehmung hat sich das Betreuungsverhalten der westdeutschen Eltern keineswegs so stark verändert, wie die Bertelsmann-Studie suggeriert. Wirtschafts- und Arbeitsmarktforscher ..... (HPL und vgl. WELT-Bericht über einschlägige HBF-Ergebnisse im Dezember 2009). Die steigenden Krippen-Nutzungszahlen signalisieren daher vor allem eine Verlagerung der Betreuungskosten.....(HPL).
Soweit es Verhaltenseffekte bei den Eltern zu beobachten gibt..... wie sogar die Autorin der Bertelsmann-Studie einräumt (HPL)...... Die restliche "Überzeugungsarbeit" .....(HPL).
Trotz der mittlerweile gängigen Terminologie von Kinderkrippen als "frühkindlichen Bildungseinrichtungen" sind erhebliche Zweifel an dieser Gleichsetzung angebracht. Selbst die Bertelsmann-Stiftung hat offenkundig ihre weitgehenden Behauptungen zum Zusammenhang von Krippen-Besuch und Bildungserfolg (vgl. HBF 2008) mittlerweile zurückgenommen.....(HPL).
Fachleute aus dem In- und Ausland sind sich zudem darin einig, daß in Krippen nicht die "frühkindliche Bildung" im Vordergrund stehe, sondern ganz andere Bedürfnisse der Kleinkinder....(HBF 2010)
Bei aller frühkindlichen Bildungsrhetorik von Politik und dienstbaren Experten/innen darf man die deutliche Diskrepanz zwischen proklamiertem Anspruch und alltäglicher Praxis nicht übersehen (siehe z.B. unten). Gerade für Ostdeutschland sehen auch krippenaffine Fachleute nicht einmal die Minimalstandards einer unschädlichen Betreuung gewährleistet....(HPL).
Kurz: Die öffentliche Freude über die wachsende Nutzung und Nachfrage von Krippenplätzen ist irreführend. Sie täuscht darüber hinweg, daß Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zentrale Bedürfnisse junger Familien, wie sie selbst in Regierungsstudien unmißveständlich formuliert sind (vgl. HBF 2009), weiterhin übergehen.
Hörfunk-Interview mit dem Heidelberger Familienbüro zur Bewertung der Bertelsmann-Kinderbetreuungs-Studie (HPL)
BESSERE BILDUNG OHNE KRIPPEN. familienNetzwerk 29. Juni 2010
Kitas als "Bildungsinstanz": Träger kapitulieren - frühkindliche Bildungsblase platzt (HBF 14.12.09)
Früher Elternkampf um Krippenplätze - Eine Reportage (HBF-Premium-PLUS)
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