HEIDELBERGER BÜRO FÜR FAMILIENFRAGEN UND SOZIALE SICHERHEIT (HBF)
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Tübingen, 29. März 2010
erstellt: 12:15 Uhr, Stand 30.03.10, 10:20 Uhr
Mehr Altenrepublik wagen:
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„Kinderland Deutschland“ – eine journalistische Ernüchterung
Nach Ansicht unserer Polit- und Experten-Elite bietet die ungebremste Alterung unserer Gesellschaft "neue Chancen" (vgl. z.B. HBF 23.04.08 und HBF 20.05.09). Für die erwartungsfrohe Gesundheits-, Pflege-, Versicherungs- und Seniorenwirtschaft mag dies (kurzfristig) zutreffen. Allerdings scheint sich in der Bevölkerung die Freude auf diese Aussichten in Grenzen zu halten. Stattdessen greift ein bohrender "Pessimismus" um sich, der auch von den Medien Besitz ergriffen hat. Plötzlich hat das Thema "Alter" und seine absehbaren Lasten Konjunktur. So wendete sich z.B. der gestrige ARD-Presseclub der Pflegemisere und ihrer absehbaren Verschärfung zu (HPL). Die dabei vorgeführte Ratlosigkeit - abgesehen von der immerfrohen Hoffnung auf den hilfreichen Markt dank künftigem Pflege-Pflicht-Riester (vgl. auch HBF 06.11.09) - war freilich kaum zur Beruhigung des Publikums geeignet. Das gleiche ist heute vom ZDF-Spielfilm "Wohin mit Vater" zu erwarten. Das Pflege-Drama findet eine erstaunliche mediale Beachtung (HPL) - was auf eine gewisse persönlicher Vertrautheit mit dem Thema schließen läßt.
Diese wachsende Sorge um das Altern der Eltern und der eigenen Person steht allerdings in bemerkenswertem Kontrast zum medialen Desinteresse am fortschreitenden Nachwuchsschwund. Der ist ja bekanntlich eine zentrale Ursache für das Entstehen dieses Problems. Dennoch ist er aus dem medialen Focus verschwunden.
Bei der Einführung des Elterngeldes etwa fanden die regelmäßigen "Erfolgsmeldungen" aus dem Hause der Familienministerin Ursula von Leyen große öffentliche Aufmerksamkeit. Das gilt jedoch nicht für die Ernüchterung, die viele junge Eltern jetzt erleben. Erstaunt stellen sie fest, daß die neue Familienleistung mehr versprochen als eingehalten hat (HPL).
Ähnliches gilt in Sachen Kinderarmut. Medial schon seit Jahren wort- und bilderreich beklagt, ist kaum der Meldung oder Kommentierung wert, wenn Ursula von Leyen in ihrer neuen Funktion als Bundessozialministerin das spektakuläre Hartz-IV-Urteil des Bundesverfassungsgerichtes (vgl. HBF 10.02.09) kleinrechnet (HPL). Selbst das krasse Beispiel der staatlichen Mißachtung der Bedürfnisse von Kindern (vgl. z.B. HBF 24.03.10) lassen die Ministerin unbeirrt an ihrem Kurs des "Sparens an den Kleinsten" eisern festhalten.
Immerhin gibt es wenigstens bei einer großen Medienredaktion familienpolitische Erkenntnisfortschritte zu vermelden. Während sie bis vor kurzem nicht mit Beifall für die Politik seit rot-grünen Regierungszeiten sparte (z.B. HBF 2007), fällt ihre aktuelle Leistungsbilanz plötzlich komplett ernüchtert aus (HPL).
Diese Ernüchterung steht bei den Propagandisten der "Chancen des Alterns" freilich noch aus. Der dann fällige neue Pragmatismus könnte indes erschreckende Folgen zeitigen, wie die Debatten in anderen europäischen Staaten bereits jetzt, im Anfangsstadium der "demographischen Revolution", vorführen (HPL).
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