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 Tübingen, 5. November 2010

erstellt: 19:30 Uhr

 

Wenn nur die Arbeit zählt und 

Kinder in der Welt der Erwachsenen ganz einfach funktionieren müssen

In aller Stille“. TV-Drama. (3sat, 13.11.2010)

In der ARD lief am 3.11.2010 das TV-Drama "In aller Stille". Der Film greift das Thema Kindesmißhandlung auf - ohne die in der polit-medialen Debatte üblichen Klischees, wie Kommentatoren richtig bemerkt haben (s.u.). Geliefert wird reichlich Stoff zum grundsätzlichen Umgang mit unseren Kindern. Die Wiederholungen des Films - 3sat, 13.11.2010, 22:25 Uhr, Eins Festival, 20.11.2010, 20:15 Uhr - können wir daher nur empfehlen.

 

BERLINER ZEITUNG 03.11.2010

 

Die Sache mit dem Marzipanschwein

"In aller Stille" ist ein großartiger Film über die alltägliche Gewalt an Kindern

Björn Wirth

 

(...) Es geht um die ganz alltägliche Gewalt an Kindern, und um die Frage, wie so etwas anfängt. Die Antwort nach neunzig Minuten Film ist ernüchternd. Es braucht nicht viel. (...) Nur ein paar Minuten, sagt der Vater. Er ist eben ein bisschen streng, sagt seine Frau. Na und? Wenig später ist der Dreijährige verschwunden.

In diesem Film von Rainer Kaufmann sind alle Beteiligten nicht gerade in bester seelischer Verfassung, die Familie mit dem verschwundenen Kind schon gar nicht. Im Kindergarten sind sie überfordert, weil unterbesetzt, auch die Kommissarin beherrscht ihre Aggressivität nur mühsam. Auf der Arbeit zu viel Arbeit, zu Hause läuft die Scheidung, die Tochter pubertiert, der Sohn nervt beim Bäcker und anderswo. Da rutscht einer schon mal die Hand aus.

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Verstörende Atmosphäre

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Außerdem schleppt diese Anja ein ähnliches Schicksal mit sich herum. Ihre Eltern waren streng und mit den Erziehungsmethoden nicht eben zimperlich, noch heute ist das Verhältnis zwischen Mutter und Tochter alles andere als herzlich. Diese emotionalen Defizite versucht die Kommissarin mit Härte gegen sich und andere zu kompensieren und macht dabei auch vor der eigenen Familie nicht Halt. Dabei ist es vor allem die Angst vor der Angst, die sie verfolgt.(...)

 

tittelbach.tv

 

Interview Nina Kunzendorf: "In aller Stille"

Nina Kunzendorfs Feuerprobe für den „Tatort“? Nicht der klassische Sympathietrager

 

(...)

Dramaturgisch hat der Film aber doch auch einiges zu bieten?

Nina Kunzendorf: Am Buch gefällt mir, dass man dieser Problemfamilie nicht eine gut situierte Familie bzw. Kommissarin gegenüberstellt, die perfekt ist, sondern dass hier eine spröde, vielleicht sogar unsympathische Identifikationsfigur entwickelt wird, die einem aber gerade durch das Unperfekte näher gebracht wird. So bekommt man einen anderen Zugang zur Geschichte. Kindesmisshandlung wird nicht als sozial verankert abgetan, so unter dem Motto: „Es sind doch eh nur die Asozialen, bei denen so etwas passiert.“

 

 

Zum Thema siehe auch:

 

 

 

 

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