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Tübingen, 01. Juni 2011
erstellt 15:50 Uhr
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Mütter als Opfer familienpolitischen Versagens
– von der Regierung weiterhin im Stich gelassen
Zwischen 1970 und 2009 ist die Erwerbsquote von Frauen um fast 45% gestiegen, während sie bei Männer im gleichen Zeitraum um 17% gesunken ist (HPL). Selbst Mütter liegen mit ihrer Erwerbsquote inzwischen sogar über dem Niveau im familienpolitischen Vorzeigeland Frankreich (vgl. OECD 2011). Von Seiten der Politik wird diese Entwicklung begrüßt und gefördert - wenn auch der hohe Teilzeit-Anteil von Frauen und Müttern als korrekturbedürftig gilt.
Weitaus problematischer ist jedoch ein weiterer Trend: Parallel zur steigenden weiblichen Erwerbsbeteiligung berichten die Krankenkassen von einer rasanten Zunahme der Krankschreibungen wegen psychischer Erkrankungen. Frauen sind dabei doppelt so oft davon betroffen wie Männer (vgl. HBF 2010). Trotz aller familienpolitischen Kinder-und-Beruf-Vereinbarkeitsbemühungen gehören gerade Mütter überproportional oft zu den Erkrankten. So berichtete gestern das Müttergenesungswerk in seiner Jahrespressekonferenz, daß 77% der Frauen, denen überhaupt noch eine sogenannte Mütter/Mutter-Kind-Kur im letzten Jahr gewährt worden ist, erwerbstätig sind (HPL). Häufigste Gründe ihrer krankmachenden, psychosozialen Belastungen: Ständiger Zeitdruck und hohe berufliche Beanspruchung (HPL).
Trotz dieser Fakten und der seit 2007 geltenden Festreibung der Mutter/Vater-Kind-Kuren als gesetzlicher Pflichtleistung zur gesundheitlichen Erholung von Eltern und ihren Kindern sind die Kassen seit 2009 dabei, diese Hilfsmaßnahmen kräftig zu beschneiden. Zwischen 2008 und 2010 ging die Zahl der jährlich therapierten Müttern von 47.000 (2008) auf 39.000 (2010) zurück. Das ist ein Minus von 17%. Bei den behandelten Kindern lag die Zahl 17,7% unter 2008 (von 68.000 auf 56.000 - HPL).
Und obwohl sich diese Entwicklung im laufenden Jahr ungebrochen fortsetzt, erklärte das Bundesgesundheitsministerium soeben, daß eine vermehrte Ablehnung von Mutter-Vater-Kind-Kuren nicht erkennbar sei (HPL). Ganz deutlich ist für den neuen FDP-Gesundheitsminister Daniel Bahr hingegen schon jetzt, daß der Ärzteüberschuß in den Ballungszentren und der Ärztemangel auf dem Land nur durch neue, millionen- bzw. milliardenschwere Subventionen zu bekämpfen ist (HPL).
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