"Social Freezing" auf Firmenkosten:
KINDER AUF EIS legen, STATT WEGORGANISIEREN?
– Brutale US-Ehrlichkeit über die EFFIZIENZGESELLSCHAFT empört deutsche Öffentlichkeit
 
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HBF-Aktuell, Tübingen 17. Oktober 2014, erstellt 14:35 Uhr, Stand 20:30 Uhr, *Korrektur 24.10.14, 15:19 Uhr
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Die US-amerikanischen Internetkonzerne Apple* und Facebook bieten neuerdings Frauen die Möglichkeit an, in jungen Jahren ihre Eizellen einzufrieren ("Social" bzw. Egg Freezing), um ohne Sorgen vor dem Ticken der "biologischen Uhr" erst Karriere zu machen und danach Mütter werden zu können (HPL). Das ist in der deutschen Öffentlichkeit auf fast einhellig scharfe Kritik gestoßen (HPL). Tatsächlich seien Karriere und Kind(er) vereinbar, wenn die Rahmenbedingungen stimmen würden, intonieren Politik und Verbände – vor allem wenn eine ausreichende und gute öffentliche Betreuungsinfrastruktur zur Verfügung stünde (HPL).
Allerdings bestätigt weder der Blick auf die Fakten (HPL) noch auf den Alltag der polit-medialen Vorzeigefrauen (und ihre Partner) diese Vorstellung (HPL und HBF 2013, 2014). Erfolg in der heutigen Arbeitswelt hat einen hohen persönlichen Preis – übrigens auch bei Männern (HPL). Das Angebot der Internetfirmen zieht daraus nur in gewohnt pragmatischer US-Manier die Konsequenz. Was diese Prioritätensetzung jedoch für weitreichende gesellschaftliche Rückwirkungen hat, dämmert der Bundesregierung (HPL) und dem Bundestag erst in Ansätzen (HPL). Einzelne Experten sind da weiter und hoffen auf Alternativen (HPL).
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HBF-VOLLTEXT
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Die US-amerikanischen Internetkonzerne Apple* und Facebook bieten neuerdings Frauen die Möglichkeit an, in jungen Jahren ihre Eizellen einzufrieren ("Social" bzw. Egg Freezing), um ohne Sorgen vor dem Ticken der "biologischen Uhr" erst Karriere zu machen und danach Mütter werden zu können:
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Kinder und Karriere
Facebook und Apple zahlen Frauen das Einfrieren ihrer Eizellen
Wie bringt man mehr Frauen in die IT-Industrie? Wer bei Facebook oder Apple arbeitet, kann nun auf Firmenkosten die eigenen Eizellen einfrieren lassen. Die Hoffnung: Frauen können so später Mutter werden und haben Zeit für die Karriere.
Facebook und Apple zahlen ihren Mitarbeiterinnen auf Wunsch das Einfrieren ihrer Eizellen, um das Kinderkriegen hinausschieben und so ungehindert Karriere machen zu können. Das meldet der US-Fernsehsender NBC.
Die beiden IT-Unternehmen übernähmen bis zu 20.000 Dollar (15.800 Euro) der Kosten für die Entnahme der Eier und die jährlichen Kosten für die Aufbewahrung. Die Technik ist in den Vereinigten Staaten unter dem Stichwort "Social Freezing" bekannt, weil für die Maßnahme weniger medizinische als soziale Gründe eine Rolle spielen.
(….) Andererseits gelten die Altersjahre ab Ende 20 bis Mitte 30 als entscheidend für die weitere Karriereentwicklung. Viele Frauen stehen in dieser Zeit vor der Entscheidung: Kind oder Karriere? Dass Frauen selten in Führungsgremien der Wirtschaft anzutreffen sind und deutlich weniger Gehalt als Männer bekommen, wird stark auf diesen Konflikt zurückgeführt.
In den USA warten 20 Prozent der Frauen mit dem Kinderkriegen, bis sie 35 Jahre alt sind, heißt es im Internetforum eggsurance.com unter Berufung auf Daten der US-Regierung. Ein Drittel der Frauen im Alter von 35 bis 39 Jahren habe aber Probleme, schwanger zu werden. In der Altersgruppe der 40- bis 44-Jährigen steige dieser Anteil auf 64 Prozent.

 

 

 

 

 

 

Das ist in der deutschen Öffentlichkeit auf fast einhellig scharfe Kritik gestoßen:
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Deutsche Kritik an „Social Freezing“
„Wir mischen uns nicht in die Familienplanung ein“
Facebook und Apple wollen Mitarbeiterinnen in Amerika das Einfrieren von Eizellen bezahlen. In Deutschland reagieren Arbeitgeber und Gewerkschaften mit Skepsis.
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Social Freezing
Apple, Facebook und der neue Weg für Karriere-Frauen
Das Angebot von Apple und Facebook, Eizellen einfrieren zu lassen, empört Politik und Kirche. Was bezwecken die Unternehmen damit?
von Simon Frost, Sascha Karberg, Hans Monath und Claudia Keller
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Kommentar –
"Egg-freezing": Perverse Familienpolitik
Die Unternehmen Apple und Facebook wollen ihren Mitarbeiterinnen auf Wunsch das Einfrieren ihrer Eizellen bezahlen, um das Kinderkriegen hinauszuschieben und erstmal ungehindert Karriere machen zu können. Ein Kommentar von Randi Crott.
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Frauen
Ökonomisch optimiert leben
Mit dem Einfrieren von Eizellen folgen Firmen ihren Interessen, nicht denen von Frauen.
Katja Bauer
 

Nur ganz vereinzelt gibt es Stimmen, die dem Vorstoß der Internetgiganten auch positive Seiten abgewinnen können – sogar jenseits feministischer Kreise:

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KOMMENTAR VON INES POHL ZUM "SOCIAL FREEZING"-ANGEBOT AUS DEM SILICON VALLEY
Ein Akt der Selbstbestimmung
(…) In Deutschland schwingt beim Thema künstliche Befruchtung immer auch die Sorge mit, dass die Technik irgendwann zur Auslese genutzt wird; dass die Eizellen und Spermien also sortiert werden in gesund und krank, schwarz und weiß – und was alles noch so entdeckt wird an Kodierungen auf der Doppelhelix der DNA. Entsprechend nachvollziehbar ist das moralische Unwohlsein. Es taugt dennoch nicht dafür, das Angebot das Apple und Facebook, das die Unternehmen ihren Mitarbeiterinnen machen, grundsätzlich zu verdammen.  (…) 
Möglichkeiten können missbraucht werden. Das ist bei der Sterbehilfe genauso wie beim "Social Freezing". Grundsätzlich aber ist dieses Angebot ein Akt der Selbstbestimmung, den es zu begrüßen gilt. Der Hauptgrund für Kinderlosigkeit sind aber nicht die Karrierewünsche der Frauen – sondern ist die Tatsache, dass der richtige Mann fehlt. Dieses Problem kann man durch "Social Freezing" vertagen. Gelöst wird es dadurch nicht.
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Pro und Contra: "Social Freezing"
Emanzipation oder Ökonomisierung des Lebens?
Apple und Facebook bezahlen ihren Mitarbeiterinnen das Einfrieren von Eizellen, damit sie erst Karriere machen und dann Kinder kriegen können. Unsere Autorinnen streiten darüber, ob das sinnvoll ist. Ein Pro und Contra. Diskutieren Sie mit!
von Katharina Langbehn und Claudia Keller
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Social Freezing
Sicher kein Massenphänomen
Von Birgid Becker, Deutschlandfunk
 
(…) Eizellen einfrieren zu lassen kann einzelnen Frauen eine Perspektive geben. Und wenn nun Konzerne erkennen, dass ihre Mitarbeiterinnen in einer bestimmten Lebensphase in einem existentiellen Dilemma stecken, dann ist das begrüßenswert, kommentiert Birgid Becker.
Jetzt wird gekübelt auf die böse Big-Data-Welt, auf Facebook und Apple, denen man ja eh alles Schlechte in der ohnedies schlechten Konzern-Welt zutraut. Eingefrorene Eizellen auf Kosten der Firma – geht's noch? So wird eine Gewerkschafterin zitiert. Unmoralisches Angebot, zürnt ein Familienpolitiker der Union. Und dann ist da noch der Augsburger Weihbischof Losinger, der von den naturgegebenen Zeiten für die Mutterschaft spricht. (….)
Lügt euch doch nicht in die Tasche
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Also: Social Freezing wird sicher kein Massenphänomen, aber es kann einzelnen Frauen eine Perspektive geben. (….)
Ach, über Eizellen spricht man nicht? Ach, Eizellen sind so ganz und gar privat, dass sie in den Personalabteilungen nie und nimmer eine Rolle spielen dürfen?
Ach, lügt euch doch nicht in die Tasche, ihr Kritiker am Eizell-Projekt in der Internet-Welt. Was Apple und Facebook offen zum Thema machen – ja, in aller Übergriffigkeit und ja, nicht frei von Zynismus und natürlich höchst egoistisch -, das wird eben in den Personalabteilungen und Chefetagen vieler deutscher Unternehmen gedacht und weg geschwiegen und zur Privatsache erklärt. Und das soll besser sein?
Tatsächlich seien Karriere und Kind(er) vereinbar, wenn die Rahmenbedingungen stimmen würden, intonieren Politik und Verbände – vor allem wenn eine ausreichende und gute öffentliche Betreuungsinfrastruktur zur Verfügung stünde:
F.A.Z., Freitag den 17.10.2014 Unternehmen 19
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Familienpolitik von Facebook stößt auf Kritik
Kno. FRANKFURT, 16. Oktober. Das neue Angebot der beiden amerikanischen Unternehmen Facebook und Apple, die für ihre Mitarbeiterinnen die Kosten für das Einfrieren ihrer Eizellen übernehmen wollen, wird in Deutschland kritisiert. (….) Unisono hieß es, dass es auch andere Möglichkeiten gebe, Karriere zu machen, eine Mutterschaft in jüngeren Berufsjahren verhindere das nicht.  Für den Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) sieht Familienpolitik ebenfalls anders aus. Notwendig sei statt Angeboten wie denen von Apple und Facebook, dass Arbeitgeber flexible Arbeitszeitmodelle einführten.
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"Völlig irre und abwegig"
Breite und einmütige Ablehnung
(…) In der Politik überwiegt ebenfalls Ablehnung: Sönke Rix, frauenpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, sieht einen Rückschritt: "Damit entlässt man die Männer aus der Verantwortung für die Familienplanung. Der Ausbau der Kinderbetreuung und das Einbeziehen der Männer in die Familienarbeit, das ist der Weg, den wir nehmen wollen."

 

 

 

 

 

 

Diese vermeintlichen Rezepte zur Vereinbarkeit von Karriere (= arbeiten in beruflichen Top-Positionen) und Kind(ern) werden allerdings weder durch die Fakten betätigt….
Übelmeinende könnten den Konzernen unterstellen, sie würden ihren Mitarbeiterinnen einen Pakt mit dem Teufel aufquatschen: Wir zahlen deine Eizellen, dafür schiebst du deinen Kinderwunsch nach hinten und stellst deine Arbeitskraft voll und ganz uns zur Verfügung. Damit tut man den Unternehmen aber vermutlich unrecht, schließlich gelten sie unter amerikanischen Konzernen als besonders progressiv, was die Vereinbarkeit von Familie und Beruf angeht.
Beide Firmen haben Betriebskindergärten. Facebook gewährt Müttern und Vätern vier Monate bezahlte Elternzeit und schenkt ihnen 4000 Dollar Kindergeld. Bei Apple bekommen Mütter 18 Wochen bezahlte Elternzeit, Väter erhalten immerhin sechs Wochen. Gesetzlich gibt es in den USA keinen Anspruch auf bezahlten Mutterschutz oder Elternzeit.
(aus: Kind und Karriere: Apple zahlt Mitarbeiterinnen Einfrieren von Eizellen. Welt Online 15.10.14)

 

 

 

 

 

…selbst Frauen in Führungspositionen bleiben deutlich häufiger als Männer kinderlos, obwohl sie sich mühelos eine privat organisierte Kinderbetreuung leisten könnten, um beruflich immer am Ball zu bleiben:
Auch das Alter der Mütter spielt eine Rolle, wie eine neue Untersuchung des Instituts zur Zukunft der Arbeit bei Ökonominnen zeigt, die Kinder bekamen. Späte Mütter fallen demnach weniger weit zurück.
Umgekehrt ist auch erwiesen, dass Frauen mit Führungsverantwortung seltener Kinder haben als Männer in vergleichbaren Positionen — und auch öfter kinderlos sind als andere Frauen. Nach einer Untersuchung des Bevölkerungssoziologen Martin Bujard hat keine Berufsgruppe eine so niedrige Geburtenrate wie Geschäftsführerinnen von Unternehmen. Die Quote lag bei 1,0 Kindern pro Frau, die durchschnittliche Geburtenrate aller Frauen in Deutschland beträgt 1,34 Kinder.
(aus:  AUTOMATISCH NACH OBEN – aus: Titel: Die Wut der Männer.  DIE ZEIT 9. OKTOBER 2014, N° 42)
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Single-Studie
Ein Mann ohne Familie in diesem Job? Undenkbar!
 Eine Studie über Alleinlebende in Deutschland belegt, dass MÄNNER MIT UND FRAUEN OHNE FAMILIE ERFOLGREICHER sind. Sie erklärt uns so manchen Karriereknick im Berufsleben bei beiden Geschlechtern.
Von Judith Luig
Alleinlebende Frauen haben häufiger Chefpositionen inne als Frauen mit Familie. Das belegen die Zahlen der aktuellen Studie "Alleinlebende in Deutschland" des Statistischen Bundesamts.

 

 

 

 

 
….. noch zeigt der Blick auf den Alltag der polit-medialen Vorzeigefrauen (und ihre Partner) die umstandslos gelingende Vereinbarkeit von Karriere und Kind(ern):
 
DIE ZEIT, 16. OKTOBER 2014  N° 43, S. 71f
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»Zu Hause war ich diese Woche nicht
Gleichzeitig Chefin und gute Mutter sein — geht das? Klar, sagen vier Frauen aus dem Netzwerk »Working Moms«. Ein Gespräch über Selbstverwirklichung, geschmuggelte Muttermilch und unzuverlässige Au-pair-Mädchen
 
DIE ZEIT: Es ist Freitagnachmittag, einige von Ihnen sind mit dem Rollkoffer direkt vom Flughafen aus zu diesem Gespräch gekommen. Wie viel Zeit haben Sie in dieser Woche mit Ihren Kindern verbracht?
Birgit Härle: Viel weniger als mit Arbeit. Ich bringe meine Tochter morgens um acht Uhr in den Kindergarten, und abends sehe ich sie selten vor sieben, halb acht.
Nicole Voigt: Also, in Gedanken war ich zu 100 Prozent bei meinen Kindern. Aber zu Hause war ich diese Woche gar nicht. Ich bin seit Montagfrüh unterwegs. Das ist aber die Ausnahme. Normalerweise bin ich nur an drei Tagen in der Woche nicht zu Hause. (….)
Phoebe Kebbel: Ich arbeite Vollzeit, genau wie mein Mann. Wir sehen zu, dass einer von uns um 19 Uhr zu Hause ist. (…)
ZEIT: Sie haben Ihre Tochter mit Anfang 40 bekommen und früh in die Krippe gegeben.
Härle: Ja, sie kam mit zehn Wochen in die Krippe. Und was wurde ich angefeindet dafür! Das ging bis zu dem Vorwurf: Dein Kind wächst ohne Eltern auf! Aber ich wollte zu dieser Zeit unbedingt wieder ran. (….)
Härle: Unter der Woche übernimmt auch unser Au-pair-Mädchen viel. Nur ist das auch nicht immer stressfrei. Wir haben derzeit das achte Au-pair für meine fünfeinhalb Jahre alte Tochter. Länger als ein Jahr dürfen sie ja nicht bleiben, und wenn eine plötzlich und unerwartet abreist, dann ist der Stressfaktor natürlich entsprechend hoch.
Voigt: Dann bricht kurzzeitig alles zusammen.
Kebbel: Wenn es zum dritten Mal passiert, hat man allerdings schon eine gewisse Routine.
Härle: Aber es ist für mich toll, zu sehen, wie sich mein Kind ganz offen auf neue Leute einstellt. Wenn wir ein neues Au-pair vom Flughafen abholen, sitzt das Mädchen noch nicht im Auto, da sagt meine Tochter schon: Meine Freundin! Und will, dass sie neben ihr sitzt. Für mich ist das auch eine Erziehungssache, zu sagen: Sei offen für neue Leute. Gerade weil meine Tochter ohne Geschwister aufwächst, ist das ein schönes Modell für sie. (…)
ZEIT: Beschweren sich die Kinder denn nie, dass Sie so wenig zu Hause sind?
Kebbel: Wir haben eine Vereinbarung, dass ich nicht mehr als zwei Abendtermine pro Woche habe. Wenn es mehr sind, beschweren sie sich. Dann gleiche ich das in der nächsten Woche wieder aus. (….)
ZEIT: Kennen Sie das Gefühl, dass sich vor lauter Arbeit und Geschäftsreisen eine Art emotionale Distanz zwischen Ihnen und Ihren Kindern einschleicht? Dieses Gefühl, nicht mehr an die Kinder heranzukommen? (längeres Schweigen)
Voigt: Ich glaube, es kommt nicht auf die Anzahl der Stunden an, sondern darauf, dann auch wirklich anwesend zu sein.
ZEIT: Das beantwortet die Frage noch nicht. Außerdem zweifeln Erziehungswissenschaftler längst am Konzept der quality time. Also, haben Sie das schon erlebt? (wieder Schweigen)
Kebbel: Wenn es solche Situationen gibt, muss man sich zusammensetzen und sehen, wie man da gegensteuert. Ich habe zum Beispiel vor einigen Jahren einen »Mama-Nachmittag« unter der Woche eingeführt. Weil ich damals gemerkt habe, ich kannte den Trompetenlehrer oder die Cellolehrerin meiner Kinder gar nicht. Da hatte ich den Eindruck, ich verpasse wirklich zu viel von ihrem Alltag. Den kriegt man ja tatsächlich nur mit, wenn man auch mal mit hingeht. Dann kann man das alles auch wieder besser einordnen. (…)
ZEIT: Ohne einen Preis dafür bezahlen zu müssen?
Härle: Für mich gibt es keinen Preis.

 

 

 

 

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Die »Working Moms«
Phoebe Kebbel, 41, Partner bei Hering Schuppener, Kommunikationsberatung in Frankfurt am Main, zwei Söhne, 9 und 11 Jahre
Nicole Voigt, 39, Principal bei der Boston Consulting Group in Düsseldorf, drei Kinder, 3, 12 und 16 Jahre
Julia Fitzner, 36, Referentin bei einer Bundesbehörde in München, zwei Kinder, 2 und 6 Jahre
Birgit Härle, 46, Leitung des Bereichs Sponsoring, Events und Kultur bei einer Münchner Bank, eine Tochter, 5 Jahre
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siehe dazu auch:
Erfolg in der heutigen Arbeitswelt hat einen hohen persönlichen Preis – übrigens auch bei Männern. Das Angebot der Internetfirmen zieht daraus nur in gewohnt pragmatischer US-Manier die Konsequenz. Betriebswirtschaftliche Nützlichkeit und Effizienz des/der Einzelnen als zentraler Ordnungsmaßstab einer Gesellschaft hat jedoch weitreichende Rückwirkungen. Deshalb erscheint selbst wirtschaftsliberalen Redaktionen die Frauenquote der Bundesregierung plötzlich in ganz neuem Licht:
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KALTE NEUE WELT
Amerikanische Internet-Giganten bieten ihren Mitarbeiterinnen an, das Einfrieren von Eizellen zu bezahlen. Im Kampf um Talente erwecken sie die Illusion, Herr über das Leben zu sein. Dagegen wirkt die „Familienpolitik“ der DDR geradezu human. Ein Kommentar.
Von Reinhard Müller
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Arbeit ist das ganze Leben. (….)  Spaß ja, aber bitte keine Fortpflanzung! Denn dann stünden weibliche Arbeitskräfte für ein paar Wochen nicht zur Verfügung. Deshalb jetzt das großzügige Angebot von Konzernen aus der schönen neuen Welt, ihren Mitarbeiterinnen das Einfrieren ihrer Eizellen zu bezahlen – auf dass sie möglichst lange voll arbeitseinsatzfähig bleiben und möglichst spät gebären. (…)
Es ist kein Zufall, dass sich gerade Frauen, aber auch immer mehr Männer dem Rattenrennen in der „freien“ Wirtschaft verweigern. Das soll künftig in Deutschland die QUOTE verhindern. Auch hierzulande werden mehr Arbeitsbienen gebraucht. Es wird kalt.

 

 

 

 

 
Die drohende Vereisung des gesellschaftlichen Klimas durch ein allein von ökonomischer Nützlichkeit geprägtes Menschenbild erreicht mit der Debatte um die Zulässigkeit der Sterbehilfe auch den Bundestag:
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Sterbehilfe-Debatte
Entscheidung über Leben und Tod
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Eine Politikergruppe um Karl Lauterbach und Peter Hintze will ärztlich assistierten Suizid erlauben. Doch um die Sterbehilfe wird weiter höchst kontrovers diskutiert.
Pro Selbstbestimmung. Mit einer Aktion für die aktive Sterbehilfe versucht die Giordano-Bruno-Stiftung in Großstädten wie Berlin oder Frankfurt am Main Aufmerksamkeit zu erregen. – Foto: imago
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 Dürfen Ärzte oder Organisationen unheilbar kranken Menschen beim Sterben helfen? Das ist eine ethisch und moralisch hochbrisante Frage, die die schwarz-rote Koalition nun klären will. Eine neue Gesetzesregelung zur Sterbehilfe will sie auf den Weg bringen. Worüber Abgeordnete und Ärzte seit langem gestritten haben, wird nun konkreter: Am Donnerstag legte eine Gruppe von Bundestagsabgeordneten um Peter Hintze (CDU) und SPD-Fraktionsvize Carola Reimann ein fraktionsübergreifendes Positionspapier vor. Einen ersten Meinungsaustausch soll es am 13. November geben. (…)

 

 

 

 

Einzelne Experten sind da schon weiter und hoffen auf grundlegende Alternativen:
Frühpädagogik
ELTERN, SCHÜTZT EURE KINDER!
Mehr früher lernen: Kinder werden mehr und mehr als Humankapital betrachtet
Stadt, Land, Flucht: „Die Kindheit ist unantastbar“, schreibt Kinderarzt HERBERT RENZ-POLSTER in seinem neuen Buch. Er formuliert eine eindringliche Mahnung an uns Eltern
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Ihr Lebenstempo zieht langsam an: Krippenplatz vom 11. Monat an, Kindergarten bis in die späten Nachmittagsstunden, nachmittags zum Reiten, seit kurzem noch Ballett, nun rät die Schulleiterin zur Einschulung mit fünf Jahren. Und ist es nicht schon längst Zeit für ein Instrument?
Kinder müssen träumen, frei spielen, nicht zu viel vor dem Computer hocken, auf Bäume klettern und im Dreck wühlen. Ich weiß das schon. Theoretisch. Praktisch beobachte ich auch an mir eine Tendenz, mein Kind gemäß heutiger Gesellschaftsstrukturen zu überfordern.
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Kinder als Investitionsmaterial
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Der Kinderarzt Herbert Renz-Polster hat in der vergangenen Woche sein Buch „Die Kindheit ist unantastbar“ in die Buchläden gebracht. Sein Verlag preist ihn als Querdenker an, er selbst wehrt sich in einer Passage gegen den Duktus des „Verschwörungstheoretikers“. Wer aber sein Buch liest, findet eine klare Analyse unserer Zeit – aus geschichtlicher, wirtschaftswissenschaftlicher, psychologischer und soziologischer Perspektive. Und er findet eine Warnung: Die Kindheit ist in Gefahr.
Mit zahlreichen Beispielen macht Renz-Polster deutlich, wie sehr wirtschaftliche Interessen die frühkindliche Bildung beeinflussen; und damit den Jüngsten Schaden zufügen. Er entlarvt die Forderungen nach Bildungsreformen als das Streben einer Bundesregierung, die Frauen als das „am schnellsten aktivierbare ungenutzte Potential für den Arbeitsmarkt“ definiert. In deren Kindern wiederum, so das Institut der Deutschen Wirtschaft Köln, stecke „ausreichend Humankapital“, um die dringend notwendige „technologische Wettbewerbsfähigkeit und Attraktivität für ausländische Investoren“ zu sichern. In Anbetracht der Kinder als Investitionsmaterial wird die Kita zum „heiligen Gral“ eines ganzen Wirtschaftsmodells, schreibt Renz-Polster. Alles in der Hoffnung, dass diese heute noch kleckernden, nervenden, randalierenden Wesen eines Tages endlich zu etwas Nutze sind. Dafür aber müsse die Schule nicht länger als „soziale Einrichtung“ gelten sondern zur „Dienstleistungsgesellschaft im Bereich Bildung“ umgebaut werden, so sieht es der Hessische Unternehmerverband. (….)
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Konjunktur
"Wir haben sowieso zu viel Zeugs"
Der Sozialpsychologe Harald Welzer will weg vom Wachstumszwang in der Wirtschaft
Moderation: Katrin Heise und Christian Rabhansl
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Dar's ein bisschen mehr sein? Der Soziologe Harald Welzer ist gegen Konsumwahn und Wachstumszwang (dpa / Frank Leonhardt)
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Aufschwung ade? Überall herrscht derzeit Katzenjammer angesichts von Exporteinbrüchen und nach unten korrigierten Konjunkturprognosen. Der Sozialpsychologe Harald Welzer hingegen begrüßt die gesunkene Wachstumserwartung.
Im Hinblick auf künftiges Überleben sei das "eher eine gute Nachricht", sagte Welzer anlässlich der der am Dienstag präsentierten – und deutlich gesenkten – Konjunkturprognose der Bundesregierung. "Wir verbrauchen ja viel zu viel Material und viel zu viel Energie, und das ist nicht zukunftsfähig." Überhaupt sei sei die Wachstumseuphorie nur begrenzt tragfähig.  (…)
Es gebe durchaus Unternehmen, die nicht wüchsen und gut damit fahren würden, sagte Welzer und forderte, alte Kathederweisheiten auf den Prüfstand zu stellen. Derzeit täte man immer so, als sei ein Zustand, in dem der der eine Teil bis zum Burnout arbeite und der andere permanent vom Verlust seines Arbeitsplatzes bedroht sei, "eine rationale Form gesellschaftlicher Einrichtung".
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Zum Thema siehe auch:
 
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