SOZIALSTAAT statt FAMILIENSOLIDARITÄT:
Immer weniger Ehepaare – immer höhere Risiken für die öffentlichen Haushalte
/ Arbeitsmarktexperten fordern MODERNEn Takt für KINDER
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HBF-Aktuell, Tübingen 20. Oktober 2014, erstellt 15:45 Uhr
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Die Zahl der verheirateten Eltern ist seit 1996 kräftig gesunken (HPL). Von den Regierungsparteien wird diese Entwicklung tendenziell gefördert (HBF 2007), während die Opposition die vorhandenen Gestaltungsmöglichkeiten der Politik noch weitgehender ausschöpfen möchte (HPL). Damit steigen allerdings auch die Risiken für die öffentlichen Haushalte, wie eine aktuelle Statistik betätigt (HPL). Um diese zu verringern, fordern Arbeitsmarktexperten daher heute eine konsequentere "Modernisierung der Kindheit" (HPL).
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HBF-VOLLTEXT
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Die Zahl der verheirateten Eltern ist seit 1996 kräftig gesunken:
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Familien 2013: EHEPAARE noch dominierend, aber RÜCKLÄUFIG
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WIESBADEN – Im Jahr 2013 waren in Deutschland 70 % der insgesamt knapp 8,1 Millionen Familien mit mindestens einem minderjährigen Kind Ehepaare. Der Anteil der alleinerziehenden Mütter und Väter an allen Familien betrug 20 %. Die restlichen 10 % entfielen auf nichteheliche oder gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) weiter mitteilt, zeigt sich ein Wandel der Familienformen: Im Jahr 1996 lag der Anteil der Ehepaare mit 81 % noch deutlich höher. Dagegen gab es damals wesentlich weniger Familien mit Alleinerziehenden (14 %) oder Lebensgemeinschaften (5 %). (….)
Im Ländervergleich gibt es bei der Verteilung der Familienformen im Jahr 2013 erhebliche Unterschiede: In Baden-Württemberg war der Anteil der Ehepaare an allen Familien mit minderjährigen Kindern mit 78 % am höchsten; in Berlin, Sachsen-Anhalt und Sachsen lag der Anteil der Ehepaare am niedrigsten (jeweils 51 %). (siehe dazu auch unten)  / auch: HBF-Premium) Lebensgemeinschaften traten am häufigsten in Sachsen-Anhalt und Sachsen auf (jeweils 23 % aller Familien), in Rheinland-Pfalz dagegen am seltensten (6 % aller Familien). Die meisten Ein-Eltern-Familien lebten in Berlin: Dort waren knapp ein Drittel (32 %) der Familien Alleinerziehende mit minderjährigen Kindern. In Baden-Württemberg traf dies nur auf rund jede sechste Familie (16 %) zu.

 

Von den Regierungsparteien wird diese Entwicklung tendenziell gefördert, indem sie die privatrechtliche Honorierung der ehelichen Solidargemeinschaft systematisch verringert – am deutlichsten mit der einschneiden Kürzung des nachehelichen Unterhalts für Mütter im Scheidungsfall seit 2008 (vgl. z.B. HBF 08.02.07). Die Oppositionsparteien drängen allerdings weiter darauf, die vorhandenen Gestaltungsmöglichkeiten der Politik noch weitgehender auzuschöpfen – vor allem durch die Abschaffung des Ehegattensplittings:

 

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Die Grünen und die Steuerpolitik
Parteilinke will Ehegattensplitting weiterhin abschaffen
Bei den Grünen gilt die Steuerpolitik als ein Grund für den fehlgeschlagenen Wahlkampf 2013. Die Parteilinke drängt dennoch auf Einschnitte beim Ehegattensplitting.
von Albert Funk
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(…) Zugleich wird die Argumentation mit der aktuellen Freiheits-Debatte in der Partei verknüpft: „Es geht darum, dass der Staat nicht länger in die privaten Entscheidungen über Partnerschaft, Ehe und Beschäftigung reinregiert und längst überholte Leitbilder des Zusammenlebens noch finanziell subventioniert.“

 

Mit dem Rückgang der Ehen steigen jedoch auch die Risiken für die öffentlichen Haushalte, wie eine aktuelle Statistik betätigt:

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Report
 SINGLES geraten schneller in die Schuldenspirale
 Schluss mit Männer-Klagen, dass Frau und Kind arm machen. Das Gegenteil ist richtig: 57 Prozent aller Menschen, die eine Schuldnerberatungsstelle aufsuchen, leben allein. Nie war die Zahl höher.
 Von  Karsten Seibel
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(…) Vor allem für Männer gilt, dass Überschuldung zunehmend ein einsames Schicksal ist. Der Anteil ratsuchender Männer ohne Partner oder Nachwuchs stieg von 34 Prozent auf gut 36 Prozent. Der Anteil alleinlebender Frauen, die sich in einer finanziellen Krise befinden, blieb dagegen mit nicht ganz 21 Prozent weitgehend stabil. Das geht aus dem "Überschuldungsreport 2014" des Instituts für Finanzdienstleistungen (IFF) hervor, der der "Welt" exklusiv vorliegt.
(…) Die durchschnittlichen Forderungen fielen dagegen mit 31.431 Euro auf den niedrigsten Stand seit 2008. Das sei zwar positiv, heißt es in der Studie. Für Entwarnung gebe es allerdings keinen Grund. Denn die absolute Höhe sage wenig über die finanzielle Situation der Menschen aus. "Wo das Einkommen unbeständig und gering ist, reichen auch geringe Schulden aus, um eine finanzielle Krise auszulösen", so die Autoren. (…)
Gaben 2010 nur 4,3 Prozent in den Schuldnerberatungsstellen "Einkommensarmut" als Hauptauslöser der Überschuldung an, waren es 2013 schon 6,8 Prozent, im ersten Quartal 2014 sogar 9,2 Prozent. Damit rangiert Einkommensarmut erstmals vor Konsumverhalten (9,0 Prozent), Scheidung/Trennung (8,8 Prozent) und Krankheit (7,1 Prozent). Häufiger genannt wurden im ersten Quartal nur noch Arbeitslosigkeit (28,1 Prozent) und gescheiterte Selbstständigkeit (9,4 Prozent). (…)
Als Hauptbetroffene der Einkommensarmut haben die Studienautoren ALLEINERZIEHENDE Eltern und Familien mit drei und mehr Kindern ausgemacht. "Außerplanmäßige Ausgaben oder ein unerwarteter Einkommensrückgang werfen solche Haushalte bereits bei verhältnismäßig geringen Schulden aus der Bahn", heißt es.
Demnach lagen die Schulden alleinerziehender Mütter, die sich in einer Beratungsstelle meldeten, im vergangenen Jahr lediglich beim 1,1-Fachen ihres ohnehin geringen Jahresnettoeinkommens. Kinderlose können dagegen höhere Schulden verkraften. Bei kinderlosen Paaren musste der Schuldenberg zuletzt auf das 2,5-Fache des Nettoeinkommens steigen, bevor sie in eine finanzielle Krise gerieten. (…)

 

Das Fehlen eines Ehepartners erhöht nicht nur das Risiko der Sozialhilfebedürftigkeit; das gilt genauso für die kostenträchtige stationäre Versorgung im Fall der Pflegebedürftigkeit, für die die öffentliche Hand einstehen muß, wenn das persönlichen Vermögen aufgebraucht oder von Anfang an gar nicht vorhanden war.

Um die Kosten der öffentlichen Haushalte für Menschen ohne Ehepartner zu verringern, fordern Arbeitsmarktexperten daher heute mehr politische Anstrengungen für arme Alleinerziehende. Durch verbesserte Kinderbetreuungsangebote sollten sie dem Arbeitsmarkt schneller wieder zugeführt werden. Dazu bedürfe es jedoch einer größeren Flexibilität – gerade auch bei den Kindern!

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Kita-Betreuungszeiten an die Lebenswirklichkeit anpassen
Die Bundesagentur für Arbeit (BA) hat heute aktuelle Zahlen zu Fachkräften in der Kinderbetreuung und -erziehung veröffentlicht. Aus dem Bericht wird deutlich, dass der Ausbau der Kindereinrichtungen in den letzten Jahren deutlich vorangekommen ist, die Beschäftigung steigt, dennoch Handlungsbedarfe bestehen bleiben.
„Die oft starren Betreuungszeiten in Kitas passen nicht zur heutigen Lebens- und Arbeitswelt. Wir brauchen mehr Absicherung der Betreuung in Randzeiten und an Wochenenden. Nur so können wir Arbeitskräftepotenziale insbesondere unter den Alleinerziehenden aktivieren“, appelliert Heinrich Alt, Vorstandsmitglied der BA. (…)
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Kindergarten mit 24-Stunden-Betrieb – Die Immer-offen-Kita in Teltow
Wohin mit den Kindern, wenn beide Eltern in wechselnden Schichten arbeiten? In Teltow hat jetzt eine Kita eröffnet, die rund um die Uhr geöffnet ist – sieben Tage in der Woche, rund um die Uhr.
Von Christina Knop
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In einem ehemaligen Seniorenheim der Stadt Teltow hat am Montag die 24 Stunden-Kita "Traumreich" eröffnet. Fünf Kinder nehmen dieses in der Region einmalige Rund-um-die-Uhr-Angebot aktuell in Anspruch, für bis zu 20 Kinder wäre in den neuen Räumlichkeiten Platz.
Die erweiterten Öffnungszeiten, auch nachts oder am Wochenende, sollen zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf dienen. Besonders alleinerziehenden Eltern oder Paaren im Schichtdienst will die Trägerschaft Kindertagesstätten Teltow damit entgegenkommen. (…)
 

 

siehe dazu auch:
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Stress wie Erwachsene?
Kita-Kinder haben eine 38-Stunden-Woche
Eine neue Statistik zeigt: Unter-Dreijährige in Deutschland, die eine Kindertagesstätte besuchen, verbringen dort durchschnittlich 38 Stunden pro Woche. Doch es gibt große Unterschiede zwischen Ost und West.
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Düsseldorf. Kleinkinder verbringen immer mehr Zeit in Kindertagesstätten. Das geht aus einer aktuellen Statistik zur Betreuungszeit des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden hervor. Demnach haben Kinder unter drei Jahren, die Kitas besuchen, im März 2014 durchschnittlich 37,6 Stunden pro Woche in Betreuungseinrichtungen verbracht. 2012, zum Zeitpunkt der ersten Erhebung, betrug die wöchentliche Betreuungszeit noch durchschnittlich 37,1 Stunden.
Dabei variieren die Zahlen von Bundesland zu Bundesland: Während Kinder in Bayern nur 31,5 Stunden pro Woche in Kitas verbringen (Tiefstwert), sind es im Saarland 45,3 Stunden pro Woche (Höchstwert). Insgesamt ist ein Ost-West-Gefälle zu beobachten: In den neuen Bundesländern verbringen die Kinder durchschnittlich mehr Zeit in Kitas als Kinder in den alten Bundesländern.
Berlin, Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt überschreiten alle die 40-Stunden-Grenze, während Bayern (31,5 Stunden), Baden-Württemberg (33,8 Stunden) oder Niedersachsen (32,8 Stunden) deutlich unter dem Bundesdurchschnitt liegen. Allerdings zeigt auch hier die Kurve nach oben: Im Vergleich zu 2012 verbringen bayerische Kleinkinder inzwischen eine ganze Stunde länger in Kitas.
 
Kita-Betreuungszeit pro Woche nach Bundesländern (Übersicht)….

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NACHT- UND WOCHENENDARBEIT DER ELTERN IST FÜR KINDER NACHTEILIG
Besonders ärmere und Ein-Eltern-Familien sind betroffen
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Elterliche Arbeitszeiten am Abend, in der Nacht und an Wochenenden haben vielfältige negative Auswirkungen auf Kinder. Das zeigt eine systematische Auswertung von Studien über die letzten drei Jahrzehnte durch ein internationales Forscherteam, das von Jianghong Li, Forscherin am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung, geleitet wird.
 

 

 

 

 
 

 

 

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