Schrumpf-Alterung_und_Fluechtlingswelle_011214pl

Hochkarätige Experten warnen vor dramatischen
FOLGEN DER SCHRUMPF-ALTERUNG
Politik sieht EINWANDERUNGS- UND FLÜCHTLINGSWELLE als „DEMOGRAPHISCHE CHANCE“
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HBF-AKTUELL/VERANSTALTUNGS-Tips, Tübingen 01.12.2014, erstellt 18:10 Uhr, Stand 21:07 Uhr
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Die bundesdeutsche Schrumpf-Alterung der Bevölkerung ist sowohl für Ökonomen im In- und Ausland (HPL) als auch für die Bundesbank (HPL) der maßgebliche Faktor, der (nicht nur) die Volkswirtschaft in den nächsten Jahren und Jahrzehnten grundlegend verändern wird (HPL). Nachdem sich die politisch geschürte Hoffnung auf eine rasche Korrektur dieser Entwicklung zerschlagen hat (vgl. z.B. HBF 2009) setzt die Regierung nun auf das Motto der „demographischen Chance“ (vgl. z.B. HBF 2013). Zwei renommierte Experten werden daher im Dezember auf zwei Veranstaltungen an die für Politik und Gesellschaft verdrängten Fakten errinnern:

10. Dezember:
Vorstellung des neuen Buches von Herwig Birg: Die alternde Republik und das Versagen der Politik – Eine demographische Prognose (November 2014) und anschließende Diskussion des Autors mit Kurt Biedenkopf (sächsischer Ministerpräsident a.D.) – weitere Einzelheiten zur Veranstaltung HIER
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15. Dezember 2014:
ifo-Präsident Hans-Werner Sinn: Generationen(un-)gerechtigkeit, Ursachen, Folgen und Politikimplikationen des demographischen Defizits – weitere Einzelheiten zur Veranstaltung HIER
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siehe dazu auch:
6. Dezember 2014: Anhaltender Geburtenschwund: Zukunftsbremse für Deutschland!Konrad Adenauer Stiftung Rheinland-Pfalz – weitere Einzelheiten zur Veranstaltung HIER
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Dennoch sieht die schwarz-rote Bundesregierung keinen Anlaß zu „demographischem Pessismismus“. Hoffnungen machen ihr die aktuellen Einwanderungs- und Flüchtlingswellen (HPL), die sie mit neuen Maßnahmen (HPL) für das Land zu nutzen gedenkt. Auch von Alterungsdefiziten geplagte Kommunen glauben, so an Zukunftsfähigkeit zurückgewinnen zu können (HPL). Vor Illusionen warnt hier allerdings nicht nur der Bevölkerungsexperte Herwig Birg in seinem Buch (HPL), sondern genauso ein renommierter und international erfahrener Migrationsforscher in seiner kürzlich bei uns erschienen Veröffentlichung (HPL).
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HBF-VOLLTEXT

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Die bundesdeutsche Schrumpf-Alterung der Bevölkerung ist sowohl für Ökonomen im In- und Ausland als auch für die Bundesbank der maßgebliche Faktor, der (nicht nur) die Volkswirtschaft in den nächsten Jahren und Jahrzehnten grundlegend verändern wird:
Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung
JAHRESGUTACHTEN 2014/15
Mehr Vertrauen in Marktprozesse
(November 2014)
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S. 7
Die Suche nach den richtigen Weichenstellungen sollte sich dabei an den zentralen langfristigen Herausforderungen für die deutsche Volkswirtschaft orientieren:
− Der demografische Wandel wird spätestens ab den 2020er-Jahren die Volkswirtschaft, insbesondere die sozialen Sicherungssysteme, immer mehr belasten und mindert die Wachstumsaussichten. (….)
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S. 30
Die Belastungen des demografischen Wandels werden hingegen erst in einigen Jahren, etwa ab dem Jahr 2020, deutlich hervortreten. Bis dahin entlastet die demografische Atempause die öffentlichen Haushalte: Die Anzahl der Rentenbezieher ist weitgehend stabil, bei zugleich nennenswerten Rückgängen der Schülerzahlen. (…)
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S. 255
Beginnend mit den 2020er-Jahren wird sich der Bevölkerungsaufbau dramatisch verändern. Die Baby-Boomer werden den Arbeitsmarkt verlassen und weit weniger Junge in den Arbeitsmarkt eintreten. (….)
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OECD-Studie
 DEUTSCHLAND WIRD ZUM GLOBALISIERUNGSVERLIERER
 Nach einer Studie der OECD büßt die deutsche Wirtschaft wegen der Alterung der Bevölkerung bis 2060 mehr an Bedeutung ein als alle anderen Industrieländer. Die deutsche Wirtschaft werde bis 2060 durchschnittlich nur um 1,1 Prozent jährlich wachsen.
Von Christian Schubert, Paris
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F.A.Z., Freitag den 28.11.2014 Wirtschaft 20
Bundesbankchef warnt vor Abstieg Deutschlands
 
ppl. FRANKFURT, 27. November. Bundesbankpräsident Jens Weidmann hat vor einem langfristigen wirtschaftlichen Abstieg Deutschlands durch Geburtenmangel und Überalterung gewarnt. Der Blick in die Zukunft falle „nicht gerade rosig aus“, sagte Weidmann in einer Rede am Donnerstag in Frankfurt. Laut einer OECD-Studie werde die deutsche Volkswirtschaft bis zum Jahr 2030 von allen 42 untersuchten Ländern am zweitlangsamsten und bis 2060 am langsamsten wachsen. Beim Pro-Kopf-Wachstum sei allenfalls ein Platz im europäischen Mittelfeld zu erwarten. Durch den Geburtenmangel sinke die Zahl der künftigen Arbeitskräfte, zugleich nimmt die Zahl der zu versorgenden Rentner zu. Eine steigende Belastung durch Steuern und Sozialabgaben sowie eine möglicherweise geringere Innovationsfreude in einer alternden Gesellschaft bremsten die Wirtschaftsentwicklung, sagte Weidmann. (….)

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F.A.Z., Samstag den 29.11.2014 Die Lounge 22
Bescherung
Gefährdet Deutschland seine Zukunft?
Zu wenig Investitionen und die Alterung bremsen das Wachstum. Es gibt Anlass zu Besorgnis.
Von Johannes Pennekamp und Philip Plickert
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(….)  In den kommenden Jahren wird der demographische Wandel mit voller Wucht die deutsche Volkswirtschaft treffen. Die Zahl der Menschen, die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, wird mit rasantem Tempo sinken. Derzeit gibt es knapp 50 Millionen Menschen im entsprechenden Alter in Deutschland. Bis 2030 wird die Zahl auf 39 bis 41 Millionen schrumpfen – fast ein Viertel weniger als bislang, hat das Statistische Bundesamt errechnet. Kurzfristig kann die Entwicklung von der Prognose abweichen, weil derzeit mehr Zuwanderer als erwartet kommen. Doch langfristig ist der Abwärtstrend unausweichlich: Die geburtenstarken Jahrgänge der fünfziger und sechziger Jahre gehen in Rente, nur noch schmale Jahrgänge – halb so stark wie im Spitzenjahr 1964 – wachsen nach. Zusammen mit Japan ist Deutschland das am schnellsten alternde Industrieland der Welt.
Das hat gewaltige Auswirkungen auf die Wachstumsaussichten. Die Staatsfinanzen, Sozialsysteme und Steuerzahler werden unter den demographischen Lasten ächzen. „Unser Land gleicht einem Ruderboot. Die Zahl der Ruderer schrumpft, die der älteren Passagiere nimmt noch Jahrzehnte zu“, hat Bundesbankchef Jens Weidmann jüngst den Demographen Herwig Birg zitiert. Und er hat an die für Deutschland unerfreulichen Ergebnisse der OECD-Studie „Looking to 2060“ erinnert. (…)

Nachdem sich die politisch geschürte Hoffnung auf eine rasche Korrektur dieser Entwicklung zerschlagen hat (vgl. z.B. HBF 02.08.09) setzt die Regierung nun auf das Motto der „demographischen Chance“ (vgl. z.B. HBF 07.03.13). Zwei renommierte Experten werden daher im Dezember auf zwei Veranstaltungen an die für Politik und Gesellschaft verdrängten Fakten errinnern:

10. Dezember:
Vorstellung des neuen Buches von Herwig Birg: Die alternde Republik und das Versagen der Politik – Eine demographische Prognose (November 2014) und anschließende Diskussion des Autors mit Kurt Biedenkopf (sächsischer Ministerpräsident a.D.) – weitere Einzelheiten zur Veranstaltung HIER
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15. Dezember 2014:
ifo-Präsident Hans-Werner Sinn: Generationen(un-)gerechtigkeit, Ursachen, Folgen und Politikimplikationen des demographischen Defizits – weitere Einzelheiten zur Veranstaltung HIER
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siehe dazu auch:
6. Dezember 2014: Anhaltender Geburtenschwund: Zukunftsbremse für Deutschland!Konrad Adenauer Stiftung Rheinland-Pfalz  – weitere Einzelheiten zur Veranstaltung HIER

 

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Dennoch sieht die schwarz-rote Bundesregierung keinen Anlaß zu „demographischem Pessismismus“. Hoffnungen machen ihr die aktuellen Einwanderungs- und Flüchtlingswellen…

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Flucht aus Krisengebieten
DE MAIZIÈRE STELLT DEUTSCHE AUF HOHE FLÜCHTLINGSZAHLEN EIN
Deutschland muss sich "auf Jahre hinaus" auf hohe Asylbewerber- und Flüchtlingszahlen einstellen, sagt Innenminister Thomas de Maizière im Interview mit dem Tagesspiegel.
von Antje Sirleschtov und Robert Birnbaum
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Zuwanderung nach Deutschland weiter auf Rekordkurs
– Deutliche Fortschritte in der Arbeitsmarktintegration
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Die dauerhafte Zuwanderung nach Deutschland ist im vergangenen Jahr so stark angestiegen wie in keinem anderen OECD-Land. Nach vorläufigen Zahlen kamen 2013 etwa 465.000 Menschen dauerhaft in das Land – mehr als doppelt so viele wie 2007. Wie der jüngste “Internationale Migrationsausblick” der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung zeigt, ist Deutschland in der OECD 2013 erneut das zweitbeliebteste Zielland hinter den USA (989.900). Vorläufige Zahlen für 2014 deuten auf einen weiteren Anstieg. (…)
Auch bei den Asylbewerberzahlen verzeichnet Deutschland einen kräftigen Anstieg. Jeder fünfte der insgesamt 555.000 Asylbewerber in den OECD-Staaten stellte den Antrag 2013 in Deutschland (…)
Seit 2007 ist die Beschäftigungsquote von Migranten in Deutschland um fünf Prozentpunkte gestiegen – das ist der stärkste Anstieg innerhalb der OECD.  (…)
Niedrigqualifizierte Migranten haben in Deutschland sogar eine höhere Beschäftigungsquote als in Deutschland geborene Personen mit gleichem Bildungsstand. Nachholbedarf gibt es jedoch bei den hochqualifizierten Migranten. Nur etwas mehr als die Hälfte gehen einem Beruf nach, der ihrem Ausbildungsniveau entspricht – der Rest ist entweder nicht in Beschäftigung oder in einem niedriger qualifizierten Beruf.(…)

…, die die Bundesregierung mit neuen Maßnahmen für den Arbeitsmarkt zu nutzen gedenkt:

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Roma-Flüchtlinge
Innenminister de Maizière: Schlechte Behandlung ist keine politische Verfolgung
Innenminister Thomas de Maizière verteidigt den jüngsten Asylkompromiss, den einige Grüne kritisch sehen. "Eine schlechte Behandlung der Roma in manchen Balkanstaaten ist eben keine politische Verfolgung", sagt der CDU-Politiker im Interview mit dem Tagesspiegel.
Tsp: Wovor haben Sie mehr Sorgen – vor immer mehr Flüchtlingen oder einer Jetzt-reicht’s- Stimmung in Deutschland?
TdM: Beides hängt ja zusammen. Die Aufnahmebereitschaft der Bevölkerung in Deutschland ist sehr hoch, viel höher als Anfang der 90er Jahre. Dafür bin ich dankbar. Sie ist aber nur dann aufrechtzuerhalten, wenn die Bürger den Eindruck haben, dass es gerecht zugeht. (…)
(…) Natürlich ist es ein Problem, wenn in einer Gemeinde mit ein paar tausend Einwohnern plötzlich tausend Asylbewerber leben. Wer da kritische Fragen stellt, ist nicht gleich ein Rechtsextremist.
Tsp: Was sagen Sie denn den Menschen in solchen Gemeinden?
TdM: Ich sage den Bürgern: Diesen Verfolgten Zuflucht zu geben ist Teil unserer weltweiten Verantwortung und unserer Pflicht als Menschen. Wer aus dem Bürgerkrieg in Syrien oder dem Irak kommt, hat oft furchtbare Dinge erlebt. Das ist wirklich ein geschundenes Volk. Übrigens sind viele der Flüchtlinge gerade aus Syrien hoch qualifiziert in Berufen, für die wir sehr gute Verwendung haben. (…)
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Umfrage zu Einwanderung
Deutsch ist, wer deutsch spricht
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(…)
Förderung für Menschen mit ausländischem Bildungsabschluss
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Die Bundesregierung will Ausländern, deren Bildungsabschlüsse in Deutschland nicht anerkannt sind, den Zuzug erleichtern. Sie sollen nach SPIEGEL-Informationen künftig für bis zu 18 Monate einreisen dürfen, um die Abschlüsse anzupassen. Anschließend sollen sie ein weiteres Jahr im Land bleiben können, um sich eine Stelle zu suchen. Das geht aus dem Gesetzentwurf hervor, mit dem die Koalition das Aufenthaltsrecht reformieren will. Zu den Änderungen zählen ein Bleiberecht für Geduldete, aber auch die Erleichterung von Abschiebungen.
Der Entwurf aus dem Bundesinnenministerium befindet sich zurzeit in der Endabstimmung. Er sieht unter anderem ein Bleiberecht vor für:
  • junge Menschen, die vier Jahre in Deutschland erfolgreich die Schule besucht haben,
  • außerdem für Erwachsene, die gut Deutsch sprechen, ihren Lebensunterhalt weitgehend selbst verdienen können und seit sechs Jahren (mit Kind) oder acht Jahren (ohne Kind) in Deutschland leben.
Für Streit sorgte Ende vergangener Woche noch die Forderung der Union, dass Ausländer schon beim Antrag auf das neue Bleiberecht – und dann absehbar auch in Zukunft – ohne staatliche Unterstützung auskommen müssen.
Der SPD reicht es dagegen, wenn die Kandidaten erst später in der Lage sind, sich selbst zu versorgen. (…)
Diese Strategie der arbeitsmarktorientierten Einwanderung- und Flüchtlingspoltik könnte laut einer neuen Umfrage in der Bevölkerung auf weit mehr Akzeptanz stoßen als in der Vergangenheit:
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Umfrage zu Einwanderung
DEUTSCH IST, WER DEUTSCH SPRICHT
Wann ist man Deutscher? Laut einer Umfrage halten die meisten die Abstammung für irrelevant – wichtiger sind Sprachkenntnisse und ein deutscher Pass. Nach SPIEGEL-Informationen will die Regierung das Aufenthaltsrecht reformieren.
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Hamburg – Die Definition nationaler Identität hat sich grundlegend verändert. Zu diesem Schluss kommt nach SPIEGEL-Informationen eine Studie des Berliner Instituts für empirische Integrations- und Migrationsforschung. Demnach definiert die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung das Deutschsein nicht mehr ausschließlich über Abstammung, sondern über andere Kriterien. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)
An erster Stelle steht die deutsche Sprache: 96,8 Prozent der Befragten waren der Meinung, deutsch sei, wer deutsch sprechen könne. Am zweithäufigsten nannten 78,9 Prozent zusätzlich das Vorhandensein eines deutschen Passes als Bedingung. Lediglich 37 Prozent meinten, ein Deutscher müsse auch deutsche Vorfahren haben. Gleichzeitig förderte die Untersuchung zahlreiche Ressentiments zutage – speziell gegenüber Muslimen. So gaben 37,8 Prozent an, dass nicht deutsch sein könne, wer ein Kopftuch trage.
Die Studie "Deutschland postmigrantisch" gehört zu den bislang größten Erhebungen auf dem Gebiet der Integrations- und Migrationsforschung in der Bundesrepublik. Rund zwei Jahre lang hatte ein Wissenschaftlerteam um die Berliner Forscherin Naika Foroutan an der Untersuchung gearbeitet; insgesamt wurden 8270 Personen jeweils 80 bis 100 Fragen gestellt. Die ausführlichen Ergebnisse der Studie werden am Mittwoch in der Berliner Humboldt-Universität vorgestellt.

Auch von Alterungsdefiziten geplagte Kommunen glauben jetzt, von den einst ungeliebten Kriegsflüchtlingen an Zukunftsfähigkeit zurückgewinnen zu können:

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Demografie
Warum Goslar auf noch viel mehr Flüchtlinge hofft
Während viele Städte sich außerstande sehen, mehr Flüchtlinge aufzunehmen, setzt Goslars Oberbürgermeister das gegenteilige Signal. Seine Stadt sei auf deren Zuteilung angewiesen.
Von Ulrich Exner Korrespondent
 
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Der Oberbürgermeister der Stadt Goslar, Oliver Junk (CDU), hofft, mit den Flüchtlingen dem demografischen Wandel begegnen zu können Foto: dpa

(….) Den lautesten Paukenschlag im Museum des Goslarer Weltkulturerbes Rammelsberg aber landet der Gastgeber. Während viele andere deutsche Oberbürgermeister derzeit davor warnen, ihre Gemeinwesen durch die Zuteilung weiterer Flüchtlingskontingente zu überfordern, wünscht sich Oliver Junk, dass in den kommenden Wochen und Monaten deutlich mehr Flüchtlinge in seine Stadt kommen als bisher vorgesehen.

In Goslar, aber auch in anderen Regionen des Harzes stünden aufgrund der demografischen Entwicklung viele Wohnungen, kleine Hotels und Pensionen leer, auch Arbeitskräfte würden vielerorts gesucht. Man könne deshalb künftig deutlich mehr Flüchtlinge aufnehmen als jene 286, die nach jetzigem Stand 2014 hier erwartet würden. Im Gegenzug sollte Großstädten, in denen Wohnraum ohnehin knapp sei, die Aufnahme weiterer Flüchtlingskontingente erspart bleiben. Massenunterkünfte wie in Hamburg, Hannover oder München stünden einer menschenwürdigen Integration der Zuwanderer entgegen. (….)

(….) Laut Junk hat Goslar in den vergangenen zehn Jahren unterm Strich mehr als 4000 Einwohner verloren, Tendenz weiter sinkend. Auch die Versuche, den Landkreis Goslar durch Fusion mit anderen Kreisen größer und damit überlebensfähiger zu machen, gestalten sich schwierig. Bemühungen, zum Beispiel die auf drei Bundesländer verteilten Landkreise des Harzes zusammenzuführen, erweisen sich als überaus schwierig.

Eine Entwicklung, die die Region auch als Wirtschaftsstandort zunehmend unattraktiver mache. Kein vernünftiger Unternehmer investiere in alternde und aussterbende Städte, weshalb das einfachste Wachstumsprogramm für Goslar Einwanderung heiße. Das Schlussplädoyer des Oberbürgermeisters: Die aktuelle Einwanderungswelle biete eine "Riesenchance für unsere Region, den Trend der Entvölkerung zu stoppen". Ein groß angelegtes Integrationsprogramm für Goslar sei im eigenen Interesse der Stadt. "Wir überleben nur durch Zuwanderung – Migration tut gut!"

Hier sieht allerdings nicht nur der Bevölkerungsexperte Herwig Birg Illusionen bei Politik und Medien:

III Migrationsinduzierte Verjüngung
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Durch die Einwanderungsüberschüsse vieler Industrieländer, insbesondere Deutschlands, ändert sich die Altersstruktur zunächst in Richtung auf eine Verjüngung, weil die überwiegende Zahl der Zugewanderten auf die Altersgruppe der 25- bis 35-Jährigen entfällt, während das durchschnittliche Alter der Fortgezogenen etwa 10 Jahre höher ist. Die im Alter von z.B. 30 Jahren Zugewanderten gehören jedoch nach drei Jahrzehnten zur Gruppe der 60-Jährigen und Älteren, deshalb hat die Einwanderung nach Deutschland einen doppelten Effekt: Sie bewirkt kurz und mittelfristig eine Verjüngung der Bevölkerung, langfristig schwächt sich der Verjüngungseffekt jedoch wieder ab und verkehrt sich in sein Gegenteil. Aus den komplizierten, meist gegenläufigen Entwicklungen ergibt sich unter dem Strich nur ein sehr schwacher Netto-Verjüngungseffekt. Wollte man den Anstieg des Altenquotienten in Deutschland durch die Einwanderung Jüngerer stoppen, müssten nach den Vorausberechnungen der UN bis 2050 netto 188 Mio. Menschen mehr nach Deutschland ein- als auswandern.14
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(aus: Herwig Birg: Die alternde Republik und das Versagen der Politik – Eine demographische Prognose. November 2014. S. 89)

Auch der britische Ökonom, ehemalige Forschungsdirektor der Weltbank und Afrika-Experte Paul Collier warnt in seinem kürzlich auf Deutsch erschienen Buch vor einer kritiklosen Einwanderungseuphorie:

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Sachbuch
Neuer Umgang mit Migration
Paul Collier: "Exodus. Warum wir Einwanderung neu regeln müssen"
Von Winfried Dolderer
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(…)  Collier polemisiert in zwei Richtungen. Gegen konservative Migrations-Skeptiker ebenso wie gegen Multikulti-Enthusiasten und ultraliberale Ökonomen, die den schrankenlosen Verkehr von Menschen nicht anders als von Waren und Kapital predigen. Seine Kritik gilt einer Debattenkultur, die er als "giftige Mischung aus aufgestachelten Gefühlen und verbreitetem Unwissen" charakterisiert.
(…) Collier zählt zu den führenden Experten für die Wirtschaft der ärmsten Länder. Er war fünf Jahre lang Direktor der Forschungsabteilung der Weltbank, leitet an der Universität Oxford ein Zentrum für afrikanische Wirtschaftsforschung. Das Studium der Ökonomie ärmerer Regionen lieferte auch den Anstoß zum vorliegenden Buch.
(…)
Gesellschaftliche Vielfalt sei kein positiver Wert
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Die Vorstellung, Europas Nationen könnten sich in einer multikulturellen Zukunft auflösen wie Würfelzucker im heißen Kaffee, ist dem Briten Collier ein Graus. Sein Buch ist auch ein Plädoyer für die Rückbesinnung auf den Wert des Nationalbewusstseins als Fundament des gesellschaftlichen Zusammenhalts. Das Gefühl einer gemeinsamen Identität stärke die Fähigkeit zur Kooperation. Es sei der einzig überzeugende Beweggrund für Vermögende, die Umverteilung von Einkommen durch das Steuersystem zu akzeptieren. Es sei die Basis für Vertrauen und gegenseitige Rücksichtnahme in einer Gesellschaft.
"Nationen sind wichtige, legitime moralische Einheiten. Tatsächlich sind es die Früchte erfolgreicher Nationalstaatlichkeit, die auf Migranten anziehend wirken."
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Keine empirischen Daten
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Collier widerspricht der These, dass gesellschaftliche Vielfalt stets ein positiver Wert sei. Gewiss, Vielfalt wirke bereichernd. Doch sie schwäche auch den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Der Autor zitiert Studien, die belegen sollen, dass mit wachsender kultureller Diversität der Vorrat an Vertrauen und gegenseitiger Rücksichtnahme abnimmt. Hauptaufgabe der Migrationspolitik ist somit für Collier, das Maß an Zuwanderung zu ermitteln, das mit der Stabilität der Aufnahmegesellschaften, aber auch der Herkunftsländer noch vereinbar ist.
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siehe dazu auch:
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Zuwanderung
WIE LÄSST SICH DIE ARMUT IN DER WELT ABBAUEN?
Viele Menschen könnten der bitteren Armut entkommen, in der sie leben, wenn sie überall auf der Welt ihre Arbeit anbieten dürften. Wer staatliche Zuwanderungsschranken verteidigt, argumentiert gegen die Freizügigkeit. Kann man das verantworten?
von Erich Weede*
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Die Ungleichheit zwischen armen und reichen Menschen in der Welt ergibt sich teils aus der Ungleichheit der Einkommensverteilungen innerhalb von Volkswirtschaften, teils aus der Ungleichheit zwischen armen und reichen Ländern. Zwar nimmt die Ungleichheit der Einkommensverteilungen in vielen Ländern zu, aber die Ungleichheit zwischen armen und reichen Ländern nimmt eher ab, weil gerade einige der volkreichsten Länder (wie China, immer noch auch Indien) viel schneller als der reiche Westen wachsen. Auch heute noch dürfte die Ungleichheit zwischen den Volkswirtschaften die wichtigere Determinante der Ungleichheit zwischen den Menschen in der Welt sein als die Ungleichheit innerhalb der Volkswirtschaften. (…)
Es gibt noch eine denkbare andere Verteidigungslinie, zu der mich der britische Ökonom Paul Collier mit seinem Buch „Exodus“ inspiriert hat. Collier stammt selbst von einem deutschen Einwanderer nach England ab. Er ist vor allem durch seine Studien zum Schicksal der ärmsten Milliarde bekannt geworden, also einer der führenden Experten für das Armutsproblem in globaler Perspektive. (….)
Unter dem Gesichtspunkt der Wohlstandsmaximierung – nur darum geht es hier – sind verschiedene Institutionen und Kulturen nun mal nicht gleichwertig. In dieser Hinsicht ist der Westen anderen Zivilisationen überlegen, weshalb Millionen Menschen aus fremden Ländern und Kulturen am liebsten in den Westen kommen möchten. Das impliziert bei den Zuwanderern nicht unbedingt die Bereitschaft zur Übernahme oder auch nur Respektierung westlicher Werte, zur Integration oder Assimilation, aber die Hoffnung auf Teilhabe am westlichen Wohlstand. Weil kulturell dem Westen besonders fernstehende Gesellschaften besonders arm sind, sind die Migrationsanreize gerade für die Menschen am stärksten, denen die Assimilation oder Integration in westlichen Gesellschaften am schwersten fällt. (….)
Zum Schluss soll noch vor einem weitverbreiteten Fehlschluss gewarnt werden: Eine alternde und schrumpfende einheimische Bevölkerung macht ein Land nicht etwa aufnahmefähiger für wirklich fremde Zuwanderer aus armen Ländern, weil man Arbeitskräfte braucht. Mit einer schrumpfenden einheimischen Jugend und Arbeitsbevölkerung sinkt die Assimilations- und Integrationskraft von Aufnahmeländern, wie man an Schulen und Stadtvierteln mancher europäischer Großstädte schon jetzt beobachten kann. Wer das nicht bedenkt, gefährdet zuerst die institutionelle Stabilität, dann den Wohlstand der künftig im Lande lebenden Menschen einheimischer und fremder Abstammung und am Ende auch die Vorteile der Rückständigkeit für die armen Menschen, die man nicht hereinlässt.
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*Erich Weede ist diplomierter Psychologe, promovierter und habilitierter Politikwissenschaftler und emeritierter Professor für Soziologie (Universität Bonn).

 

 

 

 
 
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Zum Thema siehe auch:
 

Veranstaltungs-Tips (Einzelheiten)

Vorstellung des neuen Buches von
Unter der Moderation von Jürgen Liminski, Redakteur beim Deutschlandfunk,
diskutieren über die Thesen des Buches:
Prof. Dr. Kurt Biedenkopf und Prof. Dr. Herwig Birg
10. Dezember 2014 von 18 Uhr c.t. bis 20 Uhr.
Haus des Familienunternehmens, 10117 Berlin, Pariser Platz 6a (unmittelbar neben dem Brandenburger Tor).
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Vortrag von ifo-Präsident Hans-Werner Sinn:
Generationen(un-)gerechtigkeit, Ursachen, Folgen und Politikimplikationen des demographischen Defizits
Montag, 15. Dezember 2014, 18:00 Uhr
Große Aula der Ludwig-Maximilians-Universität, Geschwister-Scholl-Platz 1, 80539 München
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Deutschland altert schneller als fast alle Länder dieser Welt und hat weniger Neugeborene in Relation zu seiner Bevölkerung als fast jedes andere entwickelte Land dieser Erde. Die Folgen werden dramatisch sein. Die Babyboomer, jetzt Ende vierzig, werden in fünfzehn bis zwanzig Jahren in Rente gehen und Geld von Kindern verlangen, die sie nicht haben. Zugleich werden sie an ihre Banken und Lebensversicherer herantreten, um das dort angelegte Geld zurück zu bekommen, die selbst das gleiche mit ihren Schuldnern machen werden, die aber vielleicht gar nicht mehr solvent sind. Wohin das alles führt und was man dagegen machen kann, diskutiert Professor Hans-Werner Sinn öffentlich. (…)
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Handlungsauftrag Demographie
Anhaltender Geburtenschwund: Zukunftsbremse für Deutschland!
Konrad Adenauer Stiftung Rheinland-Pfalz
mit
Roland Tichy, Freier Journalist, Dr. Mario Voigt, MdL, Generalsekretär der CDU Thüringen, Steffen Bilger, MdB, Michael Kretschmer, MdB, Generalsekretär der CDU Sachsen (angefragt), Moderation: Dr. Hildegard Stausberg
6. Dezember 2014, 10.00 – 14.00
Erbacher Hof, Ketteler-Saal, Grebenstr. 24-26, Mainz, Deutschland
http://www.kas.de/rp/de/events/61694/

Veröffentlicht von admin

Leiter des Heidelberger Büros für Familienfragen und soziale Sicherheit