Geburtenrate 2013_081214p

GEBURTENRATE 2013:
Stagnation auf niedrigem Niveau hält an
– Weitere ABSENKUNG programmiert

°

HBF-Aktuell, Tübingen 08.12.2014, erstellt 16:11 Uhr, Stand 20:25 Uhr, weitere Einzelheiten ab 20:15 Uhr
°
Die Geburtenrate (Kinder/Frau) im Jahr 2013 lag bei 1,41 und ist damit gegenüber dem Vorjahr (1,40) nur minimal gestiegen, wie das Statistische Bundesamt heute meldet (HPL). Trotz des sogenannten „Tempoeffekts“ (vgl. HBF 2012) ist langfristig sogar mit einem weiteren Absinken der endgütigen Geburtenrate zu rechnen (HPL – siehe dazu heute auch: HPL). Da selbst zentrale, verfassungsrechtliche Vorgaben für Familien auf Grund der „haushaltspolitischen Zwänge“ von der schwarz-roten Bundesregierung nicht eingehalten werden „können“ (HPL), ist die konditionierte Einwanderung zur demographischen Stabilisierung (HPL) nur „folgerichtig“. Derzeit stellt dies mit Blick auf die Bevölkerung allerdings noch eine besondere politische „Herausforderung“ dar (HPL).
°
HBF-VOLLTEXT
°
Die Geburtenrate (Kinder/Frau) im Jahr 2013 lag bei 1,41 und ist damit gegenüber dem Vorjahr (1,40) nur minimal gestiegen, wie das Statistische Bundesamt heute meldet:
°
 682 000 Kinder kamen im Jahr 2013 zur Welt
°
WIESBADEN – Im Jahr 2013 wurden in Deutschland 682 069 Kinder geboren. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) weiter mitteilt, waren das rund 8 500 Neugeborene mehr als im Vorjahr. Die zusammengefasste Geburtenziffer betrug – nach vorläufiger Schätzung – 1,41 Kinder je Frau. Sie hat sich damit im Vergleich zum Jahr 2012 (1,40 Kinder je Frau) nur geringfügig verändert. Bei 49 % der Neugeborenen handelte es sich um das erste Kind im Leben der Mutter, bei 34 % um das Zweitgeborene, bei 11 % um das Drittgeborene und bei lediglich 5 % um das vierte oder weitere Kind. (…)
Trotz des sogenannten „Tempoeffekts“, also dem Nachholen aufgeschobener Geburten im späteren Lebensalter Mütter (vgl. HBF 06.07.12), ist langfristig sogar mit einem weiteren Absinken der endgütigen Geburtenrate zu rechnen: Einerseits ist das Alter Mütter bei der Erstgeburt weiter deutlich gestiegen, andererseits ist die Geburtenfolge (= zeitliche Abstand zwischen der Geburt der einzelnen Kinder einer Frau) schon seit mindestens 40 Jahrzehnten konstant:
Bei 49 % der Neugeborenen handelte es sich um das erste Kind im Leben der Mutter, bei 34 % um das Zweitgeborene, bei 11 % um das Drittgeborene und bei lediglich 5 % um das vierte oder weitere Kind. Die seit 2009 verfügbaren Angaben zur Geburtenfolge aller Kinder der Mutter zeigen, dass insbesondere die Entwicklung bei den Zweitgeborenen die gesamte Geburtenzahl positiv beeinflusst hat.
Das durchschnittliche Alter der Mutter beim ersten Kind betrug im Jahr 2013 rund 29 Jahre. 55 % aller Frauen, die ihr erstes Kind 2013 bekommen haben, gehörten den Jahrgängen 1980 bis 1987 an und waren damit zwischen 26 und 33 Jahren alt. Lediglich 3 % der ersten Geburten entfielen auf Frauen im Alter ab 40 Jahren. Im Zeitraum von 2009 bis 2013 stieg das durchschnittliche Alter der Mutter beim ersten Kind um gut 6 Monate.
Trotz des sich fortsetzenden Aufschubs der Familiengründung auf ein höheres Alter blieben von 2009 bis 2013 die mittleren Abstände zwischen den Geburten einer Mutter unverändert.
In 50 % der Fälle kommt ein zweites Kind innerhalb von 3,3 Jahren nach dem Erstgeborenen zur Welt. Die anderen 50 % der zweitgeborenen Kinder haben einen größeren Abstand zum älteren Geschwisterkind. Die dritten Kinder folgen in der Regel mit einem noch größeren zeitlichen Intervall nach der Geburt des zweiten Kindes. Die Hälfte aller dritten Geburten ereignet sich innerhalb von 3,9 Jahren, die andere Hälfte erfolgt noch später. Da diese Intervalle seit (mindestens) vier Jahren konstant sind, beträgt die geschätzte mittlere Zeitspanne zwischen dem ersten und dem dritten Kind einer Mutter 7,2 Jahre.
Tabelle:  Geburtenfolge, Alter der Mutter bei Geburt und Geburtenabstand – siehe Destatis
°
(aus: ebda)

Unter dem Strich senkt die Kombination aus steigendem Gebäralter bei gleichzeitig unveränderter Geburtenfolge die Wahrscheinlichkeit für Dritt- und Viertkinder. Damit ist langfristig ein weiterer Rückgang der endgültigen Geburtenrate zu erwarten:

 

Es ist noch unbekannt, ob eine tendenziell frühere Familiengründung und relativ große Geburtenabstände nicht nur charakteristische, sondern auch nachhaltige Merkmale für die Familien mit mehr als zwei Kindern sind. Wenn sich dieses Verhaltensmuster verfestigt, könnte ein beständig wachsender Anteil der Frauen, die erst im Alter von Anfang bis Mitte 30 ihr erstes Kind bekommen, dazu führen, dass Mütter künftig immer seltener drei oder mehr Kinder bekommen werden.
°
°
weitere Einzelheiten aus dem Aufsatz bei HP-PLUS
°
siehe dazu heute auch:
°
Demograf Birg sieht „Trend zur Null-Kind Familie“
– Statt Frauenquote sollte es Mütterquote geben
°
München. Der Demograf Herwig Birg hat den Umgang der Bundesregierung mit dem Geburtenschwund kritisiert. „Statt einer Frauenquote sollte es eine Mütterquote geben“, verlangte Birg im Nachrichtenmagazin FOCUS.  „Die Frauenquote ist ein Karriereprogramm für Kinderlose.“ Politiker bezeichneten den Geburtenrückgang „gern als Chance. Das ist bewusste Desinformation.“ Birg wies darauf hin, dass nicht wie oft behauptet die steigende Lebenserwartung das Durchschnittsalter der Deutschen steigen lasse, sondern der Geburtenschwund. Er registriere einen „Trend zur Null-Kind-Familie“.
Der Bevölkerungsforscher stellte fest, dass Niedrigqualifizierte nach wie vor deutlich seltener kinderlos bleiben als hochqualifizierte Frauen. Er empfahl der Wirtschaft, bei gleicher Eignung offene Stellen mit Eltern zu besetzen, weil diese qualifizierter seien. Bislang würden Eltern systematisch benachteiligt.

Selbst bei dieser geringen Geburtenrate sieht sich die schwarz-rote Bundesregierung auf Grund der „haushaltspolitischen Zwänge“ (Stichwort „Schwarze Null“) außer Stande, zentrale, verfassungsrechtliche Vorgaben für Familien einzuhalten. So hat sie zwar den steuerlichen Grundfreibetrag für Erwachsene angehoben, den entsprechenden Kinderfreibetrag jedoch nicht. Damit wird nicht nur der lebensnotwendige Mindestbedarf bei den Kindern mit Steuern belastet…

°
Schöne Bescherung:
JAHRESSTEUERGESETZ lässt Familien auch 2015 leer ausgehen!
°
„Familien müssen 2015 finanziell endlich deutlich entlastet werden!“ Mit Blick auf das morgen im Bundestag verhandelte Jahressteuergesetz 2015 kritisiert der Präsident des Deutschen Familienverbandes, Dr. Klaus Zeh, vor allem den stagnierenden Familienleistungsausgleich. Der Gesetzentwurf sieht keine Anhebung von Kinderfreibetrag und Kindergeld vor. Damit bleibt der Kinderfreibetrag seit 2010 unverändert bei 7008 Euro stecken – obwohl der 9. Existenzminimumbericht 2012 bescheinigt hat, dass der sächliche Kinderfreibetrag schon 2014 unter dem Existenzminimum für Kinder liegen wird. Auch das mit dem Kinderfreibetrag verrechnete Kindergeld wurde seit vier Jahren um keinen Cent erhöht.
Die CDU hatte im Bundestagswahlkampf eine Erhöhung des Kinderfreibetrags auf das Niveau von Erwachsenen versprochen. „Auf eine Umsetzung im Koalitionsvertrag haben wir vergeblich gewartet“, so Zeh. „Offenbar werden Familien 2015 der viel beschworenen ’schwarzen Null‘ im Haushalt geopfert. Das Bundesverfassungsgericht aber hat 1990 klar formuliert, dass eine schwierige Haushaltslage eine verfassungswidrige Besteuerung von Familien nicht rechtfertigen kann“, unterstreicht der DFV-Präsident. (…)
…tatsächlich führt die ausbleibende Erhöhung des Kinderfreibetrages und des „Kindergelds“ bei einer erheblichen Anzahl von Kindern und Jugendlichen zum Abgleiten in die Armut und damit in das rigige Hartz-IV-System:

 Handelsblatt online vom 04.12.2014

°
‚Düsseldorfer Tabelle‘
MEHR FÜR ZAHLER, NULLRUNDE FÜR KINDER
Unterhaltspflichtige dürfen ab kommendem Jahr mehr Geld für sich behalten, wie aus der „Düsseldorfer Tabelle“ hervorgeht. Das Nachsehen haben Millionen Trennungskinder – und die öffentlichen Kassen.
°
Wer nach einer Trennung Unterhalt zahlen muss, darf ab kommendem Jahr mehr Geld für sich behalten – die Trennungskinder gehen leer aus oder müssen sogar Einbußen hinnehmen. Mit der neuen ‚Düsseldorfer Tabelle‘ steigt ab Jahresbeginn 2015 der sogenannte Selbstbehalt für Erwerbstätige von 1000 auf 1080 Euro im Monat, teilte das Düsseldorfer Oberlandesgericht am Donnerstag mit.
‚Viele Kinder bekommen dadurch weniger Unterhalt‘, sagte der Vorsitzende Richter Jürgen Soyka. Obwohl die Sätze der Kinder unverändert bleiben, rutschen viele in eine niedrigere Unterhaltsgruppe. Wenn die Summe der Unterhaltsansprüche den Selbstbehalt des zahlenden Elternteils übersteigen würde, fällt für die Trennungskinder weniger Unterhalt ab.
Für Nicht-Erwerbstätige steigt der Selbstbehalt von 800 auf 880 Euro. Im Einzelfall ist der Selbstbehalt weiter nach oben steigerbar, etwa beim Nachweis, dass für den vorgesehenen Mietsatz keine Wohnung zu finden ist.
Die öffentlichen Kassen werden durch die Anhebung stärker belastet: Wenn das Existenzminimum der Kinder berührt ist, muss die Lücke von Jobcentern, Sozialämtern oder Unterhalts-Vorschusskasse ausgeglichen werden.
Die Anhebung des Selbstbehalts sei erforderlich, weil der Hartz IV-Regelsatz zum Jahreswechsel angehoben wird, so das Gericht. Damit soll vermieden werden, dass Unterhaltspflichtige in den unteren Einkommensklassen zu Hartz-IV-Empfängern werden. Außerdem soll ihnen ein Arbeitsanreiz erhalten bleiben.
Die Unterhaltssätze der Kinder bleiben zunächst unverändert, weil sie sich am steuerlichen Kinderfreibetrag orientieren, der von der Bundesregierung im Gegensatz zum Hart-IV-Regelsatz nicht angepasst wurde. Das sei zweifellos ‚unschön‘, befanden die Familienrichter. Die Justiz habe aber keinen Spielraum, dies anders zu handhaben. Immerhin zeichne sich eine Anhebung des Kinderfreibetrages im Laufe des kommenden Jahres ab. In dem Fall werde auch die ‚Düsseldorfer Tabelle‘ erneut angepasst.
Nicht nur Trennungskinder sind von der neuen Tabelle betroffen, auch Ex-Partner und die Eltern eines Unterhaltspflichtigen, wenn etwa deren Pflegeheimkosten die Rente übersteigen: Bei den Unterhaltspflichten für die eigenen Eltern erhöht sich der Selbstbehalt zum Jahreswechsel von 1600 Euro auf 1800 Euro im Monat. (…)

°

Vor diesem Hintergrund erscheint die (zunächst) haushaltsschonendere, konditionierte Einwanderung zur demographischen Stabilisierung nur „folgerichtig“:
°
„ZUWANDERUNG IST DAS MEGATHEMA“
Jens Spahn gefällt sich in der Rolle des rebellischen Christdemokraten. „Ich bin mir nicht sicher, ob alle in Wirtschaft und Gesellschaft schon verstanden haben, was die Digitalisierung in den nächsten zehn Jahren verändert“, sagt er im FR-Interview.
°
Er macht den Parteitag spannend: Entgegen der Planung der Parteiführung bewirbt Jens Spahn sich als unerwarteter Achter um einen der sieben Plätze im Präsidium der CDU.
(…)
Was ändert sich denn, wenn Sie es ins Präsidium schaffen?
Die Welt wird eine bessere (lacht). Im Ernst: Man darf die Entscheidung nicht überhöhen. Aber ich möchte die Themen einbringen, die nicht nur die Jungen in der Partei bewegen. Die CDU muss vom Klein-Klein des Alltagsgeschäfts der großen Koalition wegkommen.
Zum Beispiel?
Ein Punkt wie die Frauenquote wird wochenlang zum Superthema. Daran entscheidet sich doch nicht die Zukunft Deutschlands.
Aber an der Beteiligung von Frauen in Führungspositionen der Wirtschaft vielleicht doch.
Ob nun in 108 Aufsichtsräten ein paar Frauen mehr sitzen oder nicht …
Das ist doch auch eine symbolische Frage.
Wir machen ja die Quote. Aber wir sind nach Japan das zweitälteste Land der Welt. Wir brauchen Fachkräfte. Zuwanderung ist das Megathema dieser Wochen. Ich bin mir nicht sicher, ob alle in Wirtschaft und Gesellschaft schon verstanden haben, was die Digitalisierung in den nächsten zehn Jahren verändert – nicht nur in der Industrie, auch im Gesundheitswesen. Diese Zukunftsthemen sind im Vergleich doch völlig unterrepräsentiert. (…)

°

°
WIRTSCHAFT SETZT AUF FLÜCHTLINGE ALS FACHKRÄFTE
°
Berlin – Spitzenvertreter der deutschen Wirtschaft fordern einen schnelleren Arbeitsmarktzugang für Asylbewerber. «Den Flüchtlingen, die in unserem Land Zuflucht suchen, sollten wir eine Perspektive geben», sagte der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Eric Schweitzer, der «Welt am Sonntag». Für die Wirtschaft seien Menschen mit Migrationshintergrund eine große Chance.
Seit kurzem dürfen Asylbewerber und Geduldete nach drei Monaten arbeiten, falls es für die entsprechende Stelle keinen geeigneten EU- oder deutschen Bewerber gibt. Bisher betrug diese Frist neun Monate. In Zukunft soll die sogenannte Vorrangprüfung nach 15 Monaten wegfallen. Für Fachkräfte wird sie komplett gestrichen.
Der Wirtschaft geht das nicht weit genug. Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer sagte der «Welt am Sonntag», es sei sinnvoll, Asylsuchenden spätestens ab dem sechsten Monat eine Beschäftigung ohne Vorrangprüfung zu erlauben. Geduldete sollten sofort ohne Einschränkung arbeiten dürfen. (…)

Der gemeinsame Wunsch von Regierung und Wirtschaft nach einer forcierten Einwanderung stellt allerdings mit Blick auf die Bevölkerung noch eine besondere politische „Herausforderung“ dar:

°
DIE NEUE WUT AUS DEM OSTEN
Die Bewegung nennt sich Pegida. Sie wehrt sich gegen die „Islamisierung des Abendlandes“. Jede Woche demonstrieren Tausende. Und es werden jedes Mal mehr.
Von Stefan Locke
°

Seit sieben Wochen ist es immer das gleiche Ritual, montags, halb sieben in Dresden. Ein weißer Verkaufswagen wird seitlich aufgeklappt, darin steht ein Rednerpult, und auf dem Dach werden zwei Lautsprecher plaziert. Helfer verteilen weiße Armbinden mit der Aufschrift „Ordner“, Deutschland-Fahnen und Transparente. Dann tritt ein großer, kräftiger Mann mit kurzen Haaren und im dunklen Parka ans Mikrofon und ruft: „Guten Abend, Dresden!“ Die Menge johlt. Am vergangenen Montag wehte ein eiskalter Wind, der Atem dampfte, und dennoch waren 7500 Menschen gekommen. (….)

Die Kunde, dass in Dresden „was losgeht“, hat sich vor allem im Internet rasend schnell verbreitet. Die meisten Demonstranten erfahren über „Facebook“ vom Bündnis. Seit die Seite Mitte Oktober online ging, haben dort mehr als 30 000 Leute auf „Gefällt mir“ gedrückt. Zum Vergleich: Sachsens CDU, schon ein paar Jahre länger im Netz, kommt auf kaum 2000, Sachsens Linke gerade mal auf 7600 „Likes“. Inzwischen haben sich Pegida-Ableger in ganz Deutschland gegründet, darunter in Kassel, Düsseldorf, Bochum, München, Würzburg, Rostock, Bonn und Ostfriesland; auch sie wollen demonstrieren. (…)

Zu hören sind vor allem Themen wie: „kriminelle Asylanten“, „die etablierten Parteien“, „die gleichgeschalteten Medien“, „der Euro“, „die USA“, „die Frühsexualisierung von Kindern“. Kleinster gemeinsamer Nenner war bisher die Ablehnung von Islamisten, wobei nicht wenige darunter den Islam als Ganzes verstehen, der für sie nicht zu Deutschland gehört. Spätestens seit vergangenem Montag geht es auch offen gegen die zunehmende Zahl an Asylbewerbern. (….)

In Umfragen bekunden inzwischen mehr als 40 Prozent der Deutschen, sie hätten Sorge, dass sich der Islam in Deutschland zu stark ausbreite, obwohl die Mehrzahl der Einwanderer keine Muslime sind. Diesen Ängsten und dem angestauten Frust bietet Pegida ein Forum. (….)
°
Dieser aufkeimende Protest gegen die laufende Einwanderungswelle alarmiert nicht nur die Wirtschaft….
Scharfe Kritik äußerte Kramer an den Protesten gegen Flüchtlinge. «Wenn Menschen auf die Straße gehen und gegen Zuwanderung protestieren und Ressentiments schüren, schaden sie unserem Land. Das ist menschlich unsensibel und ökonomisch schädlich», sagte er der «Passauer Neuen Presse» (Samstag). «Dem müssen wir öffentlich entgegentreten.» Deutschland sei dringend auf Zuwanderer angewiesen. (…)
°
(aus:  Wirtschaft setzt auf Flüchtlinge als Fachkräfte. Welt Online 07.12.14)
…..und hat jetzt die CSU auf einen Idee gebracht, die zwar verfassungswidrig ist, allerdings als emotionaler Blitzableiter die prinzipiell begrüßte Einwanderung offenkundig absichern soll:
°
Integrationspolitik
Die Sprache der CSU
Ausländern vorzuschreiben, wie sie zu Hause zu sprechen haben, kann kein ernsthafter Vorschlag sein. Denn gutes Deutsch lernen sie nur in der Schule.
°
Man kann den Vorschlag der CSU, dass in Deutschland zu Hause Deutsch zu sprechen sei, mit schwarzem Humor nehmen, so wie es übers Wochenende viele getan haben. In der Tat mutet es an wie gelebtes Kabarett, wenn Politiker, deren Idiom schon mal untertitelt werden muss, damit man sie außerhalb ihres mundartlichen Wirkungskreises versteht, anderen den Gebrauch der Schriftsprache vorschreiben wollen. Dass Deutsch des Bayern erste Fremdsprache sei, war stets nur ein halber Witz, denn er beschreibt den Alltag auf vielen Ämtern und in vielen Familien des Freistaats.

Trotzdem sollte man sich genau ansehen, was eine Regierungspartei auf dem schwierigen Feld der Integrationspolitik zu sagen hat. Es ist unbestritten, dass die Beherrschung der deutschen Sprache eine wichtige Voraussetzung für die erfolgreiche Eingliederung in unsere Gesellschaft ist (obwohl auch viele Dschihadisten akzentfrei Deutsch sprechen, wie ein Blick ins Internet lehrt). Die Frage ist, wie man das bewerkstelligt. Es gibt hierzulande tatsächlich fremdsprachliche Familien, die zu Hause auf Deutsch radebrechen. Jeder, der so etwas einmal gehört hat, weiß, dass gerade die Kinder auf diese Weise nur viel Falsches lernen. Deshalb muss der Spracherwerb von der Schule geleistet werden und im Fall der Eltern von darauf spezialisierten Einrichtungen. Das entspricht auch der freiheitlichen Grundordnung dieses Landes: Bildung ist eine öffentliche Aufgabe, darum muss sich die Politik kümmern. Den Staat geht dagegen nichts an, was einer in seinen vier Wänden macht, sofern er nicht straffällig wird. Und schon gar nicht sollte ein soziales Klima geschaffen werden, in dem Leute „angehalten“ werden, Deutsch zu sprechen. Von der Polizei etwa?

Der CSU werden solche Feinheiten egal sein, denn der Vorschlag ist erkennbar nicht als ernsthafter Beitrag zur Integrationsförderung gedacht. Es geht der Partei wieder einmal darum, die rechte Flanke abzusichern, denn da regt sich seit der Eurokrise neue Konkurrenz.
Die Erfahrung aus anderen europäischen Ländern zeigt allerdings, dass das heute nicht mehr ganz so einfach ist wie zu Straußens Zeiten. Wem zu viele Ausländer in Deutschland sind, der dürfte am Ende sein Kreuz eher bei denen machen, die das unverblümt sagen.
°

°

 

 

Zum Thema siehe auch:
°
nano spezial: Multikulturelle Gesellschaft
WIE VIEL VIELFALT VERTRÄGT DER MENSCH?
Mit dem Gast Hans-Rudolf Wicker (Professor der Ethnologie der Universität Bern (em.)
Moderation: Yve Fehring
Erstausstrahlung
°
Der Ansatz für „Multikulti“ sei „absolut gescheitert“. 2010 hat diese Aussage der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel für Aufsehen gesorgt – nicht nur in Deutschland. Doch stimmt das wirklich? Offene Grenzen in Europa, Personenfreizügigkeit und die zunehmende Suche nach qualifizierten Arbeitskräften prägen die kulturelle Vielfalt eines Landes ebenso wie Armutszuwanderung und Flüchtlingsströme. Die Folge ist das Aufeinandertreffen von Menschen verschiedener Kulturen. Für viele bedeutet das eine Bereicherung der Gesellschaft, aber es schürt auch Ängste: die Angst vor dem Fremden, dem nicht Einschätzbaren. Für den Kulturwissenschaftler Hartmut Böhme ist klar, wo der Ursprung liegt: Er meint, dass die radikalen Freund-Feind-Schemata, die Massivität von exklusiven Prozessen – wen lassen wir rein, wen weisen wir ab, wer wird ausgeschlossen – auf Prozessen beruhen, die in der Tat auch evolutionsbiologisch vorgeprägt sind. Ist der Mensch also machtlos gegen solche Tendenzen? Muss die multikulturelle Gesellschaft quasi per Naturgesetz scheitern? Der Blick auf die momentane Politik in Europa legt nahe, dass Abschottungstendenzen im Trend liegen – ob Schottland-Referendum, Rechtsdrift bei Wahlen und die Masseneinwanderungsinitiative der Schweiz. Doch es gibt auch immer wieder erfolgreiche Integrationsprojekte.
Das Wissenschaftsmagazin „nano“ verfolgt seit 15 Jahren gesellschaftspolitische Entwicklungen in Deutschland. In dieser „spezial“-Ausgabe geht es um die „Multikulturelle Gesellschaft“ – Wieviel Vielfalt erträgt der Mensch und welche Rolle spielen die Medien? Sie sind diejenigen, die publizieren, verbreiten, bekannt machen. Ihr Blick prägt den Blick der Massen.
°
Zuwanderung auf Rekordkurs
Gespräch mit Hans-Rudolf Wicker, Teil 1, Teil 2
Bildung als Schlüssel zu Integration
°
* Die Multikulti-Gesellschaft von heute
Was bedeutet Multikulti heutzutage? Wie Multikulti ist unsere Gesellschaft bereits? Stellt man sich diese Fragen, fallen vor allem zwei Bereiche auf, in denen Multikulturalität besonders häufig anzutreffen ist. Zum einen gibt es die Armutsmigration. Flüchtende Menschen, die außer ihrer Hoffnung auf ein besseres Leben nicht viel mehr im Gepäck haben. Demgegenüber stehen die multikulturellen „Eliten“. Gut ausgebildete Fachkräfte, für die der Ausflug ins Ausland meist nur eine weitere Stufe auf der Karriereleiter ist. Zwei sehr unterschiedliche Welten, die beide die Multikulturalität einer bestehenden Gesellschaft stark prägen. nano stellt zwei Menschen vor, die jeweils in einer dieser Welten zuhause sind und spricht mit der Ethnologin Regina Römhild. Am Beispiel Frankfurt erforscht die Wissenschaftlerin die multikulturelle Gesellschaft. Frankfurt, sagt sie, ist dabei eine Art Zukunftslabor.
°
* Fremdenangst
Inmitten multikultureller Zuwanderer befindet sich die einheimische Bevölkerung. Konfrontiert mit neuen, unbekannten Kulturen und sicher teils auch eigenartig anmutenden Traditionen. Statt mit Neugierde begegnen sie dem Neuen daher oft mit Skepsis und Abneigung. Und auch die Zuwanderer selbst sind häufig überfordert. Nicht umsonst gibt es den Begriff: Kulturschock. Doch warum ist das so? „nano“ ergründet die Hintergründe.
°
* Abschottung Schweiz
Doch was, wenn die Angst vor dem Fremden überhand nimmt? Bereits die Europa-wahlen im Mai dieses Jahres haben gezeigt: Rechtspopulistische Kräfte sind im Aufwind. Schlagworte wie Überfremdung und Zuwanderung treffen den Nerv der Zeit. Ein Thema, das auch die Schweiz beschäftigt. Im Februar diesen Jahres ging der Entscheid die Zuwanderung zu begrenzen um die Welt. Am vergangenen Sonntag stimmten die Schweizer über eine Vorlage ab, die die Zuwanderung noch restriktiver geregelt hätte. Diesmal lehnten sie allerdings ab. Abschottung – ein Trend für ganz Europa?
°
* Integrationsprojekt Quims
Ob wir wollen oder nicht, unsere Welt wird immer globaler. Mobilität und Migration prägen schon jetzt unseren Alltag. Damit das Zusammenleben funktioniert, ist eines der wichtigsten Voraussetzungen Integration. In der Schweiz fängt das bereits bei den ganz Kleinen an. Mit Erfolg.
°

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Veröffentlicht von admin

Leiter des Heidelberger Büros für Familienfragen und soziale Sicherheit