Migrationsbericht 2013:
MEHR EINWANDERER = MEHR GEBURTEN
– aber dennoch keine Lösung für Deutschlands Demographieproblem
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HBF-Aktuell, Tübingen 22.01.15, erstellt 14:53 Uhr, Stand 17:07 Uhr
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2013 erreichte Deutschland den höchsten Einwanderungsstand seit 1993 (HPL). Für 2014 rechnen die Statistiker mit einer nochmaligen Erhöhung (HPL). In den letzten Jahren sind damit weit mehr als 1 Millionen Menschen aus dem Ausland nach Deutschland gekommen (HPL). Blickt man auf ihre Zusammensetzung (HPL) dann wird ein maßgeblicher Grund dafür erkennbar, warum die Geburtenzahlen hierzulande wieder steigen (HPL). Allerdings zeigt die genaue Analyse der Daten, daß sich am grundsätzlichen Demographieproblem Deutschlands trotzdem nichts ändert (HPL).

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PS:

Die mit medialer Erleichterung registrierte Tatsache, daß die Einwanderung zum Großteil aus Europa stammt (HPL) und deshalb mögliche Ängste vor einer neuen sozio-kulturellen „Herausforderung“ vollkommen unbegründet seien, trifft nach Auskunft des Bundesinnenministers in dieser Form nicht zu (HPL).

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HBF-VOLLTEXT
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2013 erreichte Deutschland den höchsten Einwanderungsstand seit 1993:
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MIGRATIONSBERICHT 2013
Mehr Zuwanderer
Deutschland ist für Zuwanderer attraktiv. Ihre Zahl ist von 1,08 Millionen im Jahr 2012 auf 1,23 Millionen im Jahr 2013 gestiegen. So hohe Zahlen gab es zuletzt 1993. Das zeigt der Migrationsbericht 2013, den das Bundeskabinett beschlossen hat.
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Von den 80,6 Millionen Menschen in der Bundesrepublik haben dem Bericht zufolge inzwischen knapp 16 Millionen ausländische Wurzeln. Mehr als drei Viertel der Zuwanderer kommen aus einem anderen europäischen Staat. Auch bei den Fortzügen war das europäische Ausland zu 77 Prozent das Ziel. Rund 60 Prozent dieser Menschen zogen in EU-Länder.
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Die meisten Zuwanderer kommen aus Europa
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Die meisten Zuwanderer kamen aus Polen (190 000), gefolgt von Rumänen (139 000), und deutschen Staatsangehörigen. (118 000). Aus Bulgarien kamen rund 61 000 Menschen. Die meisten Fortziehenden waren ebenfalls Deutsche (140 000), Polen (119 000), Rumänen (87 000) und Bulgaren (39 000). Die Zahl der Fortzüge aus Deutschland ist laut Migrationsbericht von 2012 bis 2013 um zwölf Prozent auf 800 000 gestiegen (Vorjahr: 712 000). Das ergibt einen „Wanderungsgewinn“ von rund 430 000 Menschen (Vorjahr 370 000) – der höchste seit 1993. (….)

 

Für 2014 rechnen die Statistiker mit einer nochmaligen Erhöhung:
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BEVÖLKERUNG DEUTSCHLANDS IM JAHR 2014 ERNEUT ANGESTIEGEN
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WIESBADEN – Zum vierten Mal in Folge dürfte im Jahr 2014 die Bevölkerung Deutschlands zugenommen haben. Nach einer Schätzung des Statistischen Bundesamtes (Destatis) hat sich die Einwohnerzahl von knapp 80,8 Millionen am Jahresanfang auf knapp 81,1 Millionen Menschen am Jahresende deutlich erhöht.
(…)
Ausschlaggebend für die erwartete starke Bevölkerungszunahme im Jahr 2014 ist der Wanderungssaldo, der das Geburtendefizit deutlich übersteigt. Der Saldo aus Zuzügen aus dem Ausland und Fortzügen ins Ausland hatte schon 2013 mit 429 000 so hoch wie seit 1993 nicht mehr gelegen. Für 2014 wird eine erneute Steigerung auf mindestens 470 000 Personen erwartet. (….)

 

In den letzten Jahren sind damit seit 2009 (Wanderungssaldo: (!) 12.782) netto 1,676 Millionen Menschen aus dem Ausland nach Deutschland gekommen (HBF-Premium)…
Sie sind nicht nur deutlich jünger als die einheimische Bevölkerung:
Einwanderung Alter der Einwanderer im Vergleich zur einheimischen Bevölkerung 2013 - HBF-DatenDie Altersstruktur der Zuzugsbevölkerung unterscheidet sich deutlich von derjenigen der Gesamtbevölkerung (Deutsche und Ausländer) (vgl. Abbildung 1-12 und Tabelle 1-17 im Anhang). Die Zugezogenen sind durch einen hohen Anteil von Personen jüngeren und mittleren Alters (18 bis unter 40 Jahre) gekennzeichnet: Im Jahr 2013 waren drei Viertel (75,0%) der Zuziehenden unter 40 Jahre; bei der Gesamtbevölkerung lag dieser Anteil dagegen bei nur 42,1%.
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Dabei liegt der Anteil der (jungen) Frauen an den Einwanderern bei rund 40% (HBF-Premium)…
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Damit wird ein maßgeblicher Grund dafür erkennbar, warum die Geburtenzahlen nach Rückgang im Jahr 2009 (Beginn der Weltfinanz- und Wirtschaftskrise, „Lehmann-Pleite“ 2008) seither wieder steigen
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2010
677 947
2011
662 685
2012
673 544
2013
682.000
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…. und im Jahr 2014 sogar wieder 700.000 Babys wieder in Reichweite erscheinen:
Die Anzahl lebend geborener Kinder dürfte danach bei 675 000 bis 700 000 und die Anzahl der Sterbefälle bei 875 000 bis 900 000 gelegen haben. Das seit 1972 stets beobachtbare Geburtendefizit – die Differenz aus Geburten und Sterbefällen – wird bei 190 000 bis 215 000 erwartet. Im Jahr 2013 hatte das Geburtendefizit 212 000 betragen (Geburten: 682 000; Sterbefälle: 894 000).
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aus: Bevöl­kerung Deutsch­lands im Jahr 2014 er­neut ange­stiegen. Statistisches Bundesamt Pressemitteilung Nr. 024 vom 21.01.2015
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Diese Einschätzung der Ursachen des beobachtbaren Geburtengeschehens teilt auch das Statistische Landesamt Baden-Württemberg:
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Alb-Donau-Kreis mit höchster Geburtenrate
2013 kamen im Alb-Donau-Kreis im Schnitt 1,6 Kinder je Frau auf die Welt – Heidelberg mit niedrigster Geburtenrate im Südwesten
In Baden‑Württemberg sind im Jahr 2013 rund 91 500 Kinder geboren worden und damit etwa 2 000 mehr als 2012.
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Dennoch gab es nach Angaben des Statistischen Landesamtes seit 1952, dem Gründungsjahr des Landes, nur fünf Jahre, in denen die Geburtenzahl niedriger war als in 2013. Zum Vergleich: 1964, dem Jahr mit der höchsten Geborenenzahl im Südwesten, sind noch 161 000 Kinder zur Welt gekommen. (….)
Aufgrund der starken Zuwanderung in den letzten Jahren ist aber auch die Zahl der Frauen im gebärfähigen Alter wieder etwas gestiegen – mit der Konsequenz, dass sich auch die Geburtenzahl etwas erhöht hat. (….)

 

Allerdings zeigt die genaue Analyse der Daten, daß sich am grundsätzlichen Demographieproblem Deutschlands trotzdem nichts ändert: Die bundesdeutsche Geburtenrate pendelt – auch nach der Revision der Zahlen durch den Mikrozensus 2011 – weiter um die Marke von 1,4 Kindern pro Frau (vgl. HBF 08.12.14). Das heißt der Kinderschwund hält trotz der Einwanderungsrekorde weiter an, während die Zahl der Älteren (auch der mit ausländischen Wurzeln) steigt. Deutschland bleibt damit eine schrumpf-alternde Republik.
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PS:

Die mit medialer Erleichterung registrierte Tatsache, daß die Einwanderung zum Großteil aus Europa stammt (HBF-Premium) und deshalb mögliche Ängste vor einer neuen sozio-kulturellen „Herausforderung“ vollkommen – Stichwort „Islamisierung des Abenlands“ – unbegründet seien, trifft nach Auskunft des Bundesinnenministers in dieser Form nicht zu (HBF-Premium).