Einwanderung_und_Arbeitsmarktstudie_060215p

Einwanderung statt Nachwuchspflege:
Bundesarbeitsministerin hofft auf Migranten
einheimische Potentiale bekommen (nur) verbale Unterstützung
Die Einwanderungsrekorde der letzten Jahre (vgl. zuletzt HBF 21.01.15) schüren bei Politik, Experten und Wirtschaft die Hoffnung, die programmierte Schrumpf-Alterung weniger dramatisch ausfallen zu lassen. Eine gestern vorgelegte Regierungsstudie stützt jetzt diesen Optimismus (HPL). Allerdings streiten die Parteien derzeit heftig darüber (HPL), wie die Weichen gestellt werden müssen, um diese Prognose Wirklichkeit werden zu lassen. Eine ähnliche Leidenschaft für den offenkundig vernachlässigten einheimischen Nachwuchs (HPL) ist jedoch weiterhin nicht erkennbar.
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HBF-VOLLTEXT
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Die Einwanderungsrekorde der letzten Jahre (vgl. zuletzt HBF 21.01.15) schüren bei Politik, Experten und Wirtschaft die Hoffnung, die programmierte Schrumpf-Alterung weniger dramatisch ausfallen zu lassen. Eine gestern vorgelegte Regierungsstudie stützt jetzt diesen Optimismus:
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Suche nach Fachkräften
Forscher korrigieren Prognosen zu Arbeitskräftepotenzial
Die demografische Entwicklung in Deutschland führt zu Fachkräftemangel, zu wenige junge, arbeitshungrige Menschen kommen nach – so lautet das übliche Szenario. Nun zeigt eine Studie: Viele Sorgen sind wohl übertrieben.
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Berlin. Das Arbeitskräfteangebot in Deutschland wird trotz des demografischen Wandels nach einer neuen Studie nicht so stark schrumpfen wie bisher angenommen. Die Zahl der Erwerbspersonen werde bis zum Jahr 2030 voraussichtlich um zwei Millionen sinken, heißt es in einer am Donnerstag veröffentlichten Studie im Auftrag des Bundesarbeitsministeriums. Dass der Rückgang nicht größer ausfalle, liege auch an einer inzwischen höher veranschlagten Zuwanderung von ausländischen Arbeitskräften. Die Forscher gehen dabei von einer Nettozuwanderung von jährlich 200.000 Menschen ab dem Jahr 2020 aus. Kämen jedes Jahr unter dem Strich 300.000 Zuwanderer, würde demnach das Angebot an Arbeitskräften nur um rund 900.000 zurückgehen.
Die Arbeitsmarktprognose für 2030 sei besser als noch 2012 angenommen, erklärte Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD). Ein Grund dafür sei auch, dass Deutschland inzwischen das zweitbeliebteste Einwanderungsland der Welt sei. Einwanderung allein reiche aber nicht, den Fachkräftebedarf zu decken. Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) rief die Unternehmen auf, Frauen eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu ermöglichen. (…)
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ARBEITSMARKTPROGNOSE 2030
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Die Bundesministerin für Arbeit und Soziales, Andrea Nahles, die Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Manuela Schwesig, und die Beauftragte für Migration, Flüchtlinge und Integration, Staatsministerin Aydan Özoğuz, haben heute gemeinsam den zweiten Forschungsbericht "Arbeitsmarkt 2030. Die Bedeutung der Zuwanderung für Beschäftigung und Wachstum" vorgestellt. (…)
(…..)
Fachkräftelücken werden bis zum Jahr 2030 insbesondere bei den Gesundheitsberufen, Managern und leitenden Angestellten, Ingenieuren und Naturwissenschaftlern erwartet. Hinsichtlich der Fachkräftesicherung sieht die Prognose große Potentiale bei Frauen sowie Menschen mit Migrationshintergrund.
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Die wichtigsten Zahlen und Fakten auf einen Blick:
In der Basisvariante der Prognose (Wanderungssaldo 200.000 jährlich ab 2020) wird bis zum Jahr 2030 (im Vergleich zum Jahr 2013)
die Bevölkerung zwischen 20 und 64 Jahren um rund 5 Mio. sinken
die Zahl der Erwerbspersonen um 2,0 Mio. sinken
die Zahl der Erwerbstätigen um 1,0 Mio. sinken
die Zahl der Erwerbslosen um 1,0 Mio. auf 1,2 Mio. sinken.
 
Weitere Ergebnisse der Basisvariante sind, dass die Zahl der Erwerbstätigen
mit Hochschulabschluss um 2,2 Mio. steigen wird (2030 ggü. 2013)
mit dualer Berufsausbildung um rund 300.000 sinken wird (2030 ggü. 2013)
ohne Berufsabschluss um 2,4 Mio. sinken wird (2030 ggü. 2013)
 
In der Variante hohe Zuwanderung (Wanderungssaldo 300.000 jährlich ab 2020) wird bis zum Jahr 2030:
die Bevölkerung zwischen 20 und 64 Jahren um 3,9 Mio. sinken
die Zahl der Erwerbspersonen um 0,9 Mio. sinken
die Zahl der Erwerbstätigen um rund 0,1 Mio. steigen
die Zahl der Erwerbslosen um knapp 1,1 Mio. auf 1,1 Mio. sinken.
 
Nach dem Jahr 2030 werden sich die Auswirkungen des demografischen Wandels weiter verstärken, so dass bis zum Jahr 2050 ein weiterer Rückgang der Erwerbspersonen in Millionenhöhe zu erwarten ist. Trotz der gegenwärtigen Erfolge bleibt die Fachkräftesicherung daher eine der wichtigsten Herausforderungen für Deutschland in den kommenden Jahrzehnten. (…)
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S. 6
 
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(…) In fast allen Berufen wird das Angebot an inländischen Arbeitskräften bis 2030 rückläufig sein. Im Durchschnitt aller Erwerbspersonen wird ihre Zahl um 12 % sinken, im Maximum werden in der Berufsgruppe Keramiker, Glasmacher fast 40 % der Erwerbspersonen verloren gehen. Der Beitrag der Zuwanderung wird hingegen in allen Berufsgruppen positiv sein. Die höchsten Beiträge leistet die Zuwanderung zu den Berufsgruppen Finanzfachleute (11 % der Erwerbspersonen 2013 in der Basisvariante und weitere 6 % in der Variante Hohe Zuwanderung), Ingenieure/Naturwissenschaftler (10 % und 6 %), Techniker (8 % und 4 %), Manager/ leitende Beamte und Meister (6 % und 4 %). Es gibt nur wenige Berufsgruppen, in denen die Zahl der Erwerbspersonen auch ohne Zuwanderung steigen würde. Dazu gehören vor allem die Warenprüfer/Versandfertigmacher und in weit geringerem Ausmaß die geistes- und naturwissenschaftlichen Berufe.

 

 

 

 

und HP-PLUS
Noch streiten die Parteien heftig darüber, wie die Weichen gestellt werden müssen, um diese Prognose Wirklichkeit werden zu lassen.
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Punktesystem für Einwanderung
Zuwanderung entzweit die SPD
Thomas Oppermanns Vorschlag, den Zuzug von Nicht-EU-Einwanderern per Punktesystem zu regeln, stößt innerhalb der SPD auf deutliche Kritik. Auch die Union stellt sich beim Thema Einwanderungsgesetzt quer.
Von Karl Doemens und Mira Gajevic
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Einwanderung
Einwanderung entzweit die CDU
Teile der Union fordern ein neues Migrationsgesetz. Der andere CDU-Flügel sieht hingegen hier keinen Handlungsbedarf. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat noch keine Meinung dazu.
Von Daniela Vates
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GRÜNES EINWANDERUNGSKONZEPT
Wahlrecht für alle, Staatsbürgerschaft für die Kinder
Die Grünen legen als erste Partei ein Konzept für ein Einwanderungsgesetz vor.
von Andrea Dernbach
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und HP-PLUS

 

Eine ähnliche, ausdauernde Leidenschaft für den offenkundig vernachlässigten einheimischen Nachwuchs ist jedoch weder bei den Parteien noch bei der Regierung erkennbar:
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DIE ABBRECHER-REPUBLIK
Fachkräfte verzweifelt gesucht: Doch zu viele Jugendliche steigen aus Schule, Ausbildung oder Studium aus, bevor sie den Abschluss geschafft haben.  Wirtschaft und Politik machen sich gegenseitig für die Misere verantwortlich.

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Die Ziele waren hochgesteckt: "Wir wollen den Anteil der Schulabbrecher bis 2015 auf vier Prozent halbieren", kündigten Kanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten beim Bildungsgipfel 2008 in Dresden an. Aber das Ziel wird deutlich verfehlt. (…)
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Wissenschaftsnachwuchs
"Wir brauchen auch mehr Professuren"
Manfred Prenzel im Gespräch mit Benedikt Schulz
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  Viele Studierende entscheiden sich bewusst gegen eine Karriere im Hochschulbetrieb, denn Professuren sind rar oder mit befristeten Verträgen verbunden. Um den wissenschaftlichen Nachwuchs an den Unis zu halten, müsse die Personalentwicklung verbessert werden, erklärte Manfred Prenzel, Vorsitzender des Wissenschaftsrates, im DLF. (….)

 

(….)
Schulz: Es wird aber auch immer wieder über ein, ich nenne es jetzt einmal Abschmelzen des Kegels diskutiert, oder konkret: Man muss oben bei den Professoren Geld abziehen und dafür den akademischen Mittelbau stärken. Wäre das nicht die Lösung? Es muss ja nicht jeder an der Hochschule Professor sein, ist ja auch heute schon nicht so.

 

Prenzel: Ja gut, wenn wir die letzten 10, 15 Jahre anschauen, dann ist die Anzahl der Professorinnen und Professoren gleich geblieben. Wir haben auf der anderen Seite eine deutliche Zunahme von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus Drittmittelstellen. Das heißt, wir haben derzeit im Hochschulsystem eine Verschiebung, dass die Chance für Studierende zum Beispiel, Lehre von einem Professor oder einer Professorin zu kommen, relativ klein geworden ist. (…)

 

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Schulabbrecher in Berlin
Fast jeder zehnte Schüler ohne Abschluss
Der erste Sekundarschuljahrgang hat schwache Ergebnisse geliefert. So schwache Ergebnisse wie früher die Hauptschulen. Jetzt beginnt die Fehlersuche.
von Susanne Vieth-Entus
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DIE ZEIT 05.02.15, Nr. 6, S. 10
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 Die Windelfrage

Ja, wir brauchen mehr Kitaplätze – aber Masse allein reicht nicht 

 

Von Heinrich Wefing
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(….) Es kommt auch auf die Ausstattung der Kitas an, auf das  liebevolle Engagement der Betreuer (….)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Veröffentlicht von admin

Leiter des Heidelberger Büros für Familienfragen und soziale Sicherheit