Statistikfalle-Einkommensvergleich-Zuruecknahme-150509pl

In der Statistikfalle: 
LANDESAMT entfernt nach KRITIK DES „HEIDELBERGER FAMILIENBÜROS“ 
FEHLERHAFTen EINKOMMENSVERGLEICH zu Familien aus dem Internet
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HBF-Aktuell, Tübingen, 15. Mai 2009, Fehlende Links bis ca 19:00 Uhr
 
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Die politische Notwendigkeit des Familienlasten- und -leistungsausgleichs ergibt sich aus dem Ausmaß an Kinderlosigkeit und der Armut an Kindern (z.B. Zahl der Mehrkinderfamilien) in einer Gesellschaft. Würde sich das Aufziehen des Nachwuchses innerhalb einer Generation gleichmäßig auf alle verteilen, dann bestünde dieser Ausgleichsbedarf gar nicht mehr. Da dem nicht so ist, bemißt sich der konkrete Korrekturbedarf vor allem aus dem jeweiligen Einkommensabstand von Haushalten mit und ohne Kindern (vgl. 5. Familienbericht der Bundesregierung).
Die einschlägige Statistik des Statistischesn Landesamtes Baden-Württemberg bestätigte bislang den jahrzehntelangen Trend gegen die Familien (vgl. HBF 27.09.02) – trotz der vermeintlichen „familienpolitische Kraftakte“ der wechselnden Regierungen. Die neuesten Daten der Statistiker signalisierten jedoch einen plötzlichen Wohlstandssprung von Familien – ganz ohne politische Kehrtwende (vgl. z.B. HBF 29.12.04): So verfügte etwa eine Familie mit zwei Kindern in Baden-Württemberg 1982 lediglich über 48% des Pro-Kopf-Einkommens eines Kinderlosen. Im Jahr 2000 waren es 50% und im Jahr 2007 plötzlich 63% (1).
Eine kritische Prüfung dieser Zahlen durch das „Heidelberger Familienbüro“ förderte einen schwerwiegenden methodischen Fehler zu Tage. Die amtliche Statistik hat in den letzten Jahren ihre Berechnungsgrundlagen zum Nachteil von Familien erheblich verändert: Bei der Ermittlung des Pro-Kopf-Einkommens in einem Haushalt wird das Gesamteinkommen auf die Zahl der Köpfe verteilt (= „Äquivalenzeinkommen„). Der Haushaltsvorstand wird dabei mit dem Faktor 1 versehen und die weiteren Familienangehörigen mit einem Teilwert davon. In den letzten Jahren sind die Statistiker dazu übergegangen, diese Teilwerte deutlich abzusenken (vgl. dazu ausführlich HBF 22.01.08). Damit erhöht sich das Pro-Kopf-Einkommen der Familien deutlich, ohne daß ihr Gesamteinkommen zunimmt.
Während das Statistische Landesamt Ba-Wü bei seinem Einkommensvergleich für die Jahre 1982 und 2000 noch die alten Teilwerte einsetzte, verwendete es für 2007 die neuen, niedrigen Teilwerte. Daher sprang das Pro-Kopf-Einkommen der Familien deutlich nach oben.
Die baden-württembergischen Statistiker haben ihren Fehler zutiefst bedauert und die entsprechende Statistik sofort aus ihrem Internetangebot entfernt. Die korrekte Neufassung soll möglichst  bald erstellt werden.


Statistisches Landesamt Baden-Württemberg, Stuttgart, 2009

Familien in Zahlen
Einkommenslage
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Durchschnittliches Pro-Kopf-Einkommen junger Familien in Baden-Württemberg 2007 - Pro-Kopf-Vergleich Familien und Kinderlose 1982 und 2007 - HBF-Daten

Durchschnittliches Pro-Kopf-Einkommen und relative Wohlstandsposition junger Ehepaare in Baden-Württemberg 1982 und 2007

Ehepaare1)

1982

2007

EUR

Position2)

EUR

Position2)

ohne Kinder

911

100

1.840

100

mit einem Kind

565

62

1.353

74

mit 2 Kinder

437

48

1.167

63

mit 3 Kinder

364

40

1.034

56

1) Alter des Ehemannes 25 bis unter 35 Jahre.
2) Relative Wohlstandsposition: relative Abweichung der durchschnittlichen gewichteten Pro-Kopf-Einkommen (Median) vom durchschnittlichen gewichteten Pro-Kopf-Einkommen (Median) von Ehepaaren ohne Kinder.
Nicht berücksichtigt sind selbständige Landwirte und mithelfende Familienangehörige.
Quelle: Ergebnisse des Mikrozensus, eigene Berechnungen

 

Veröffentlicht von admin

Leiter des Heidelberger Büros für Familienfragen und soziale Sicherheit

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