Mehr Frauen können für sich selbst sorgen”:

Einsamer Fortschritt!

HBF-AKTUELL Tübingen 05. März 2014, erstellt 15:40 Uhr, Stand 19:43 Uhr

Immer mehr Frauen leben von ihrer eigenen Erwerbsarbeit, meldet das Statistische Bundesamt (HPL). Insgesamt deutlich verbessert habe sich seit der Jahrtausendwende auch ihre Teilhabe am Arbeitsmarkt, wie Wirtschaftsforscher registrieren. Im europäischen Vergleich übertreffe Deutschland damit sogar inzwischen das familienpolitische “Vorbild” Frankreich (HPL).

In unserer arbeitsmarktzentrierten Gesellschaft wird diese Entwicklung als Ausdruck des gesellschaftlichen Fortschritts verstanden, wie etwa die Kirchen gerade erst in ihrem gemeinsamen Sozialwort bekräftigt haben (vgl. HBF 2014). Daß diese Gleichsetzung sehr verkürzt ist, dokumentieren nicht nur die neuen Daten frauenpolitisch bewegter Experten (HPL). Auch ein aktueller Europa-Vergleich verblüfft mit erschreckenden Zahlen in den gleichstellungspolitisch hoch gehandelten Vorzeigeländern (HPL).

Die populäre Erfolgsformel für gesellschaftlichen Fortschritt “Mehr Erwerbsarbeit für alle (Männer und Frauen)!” hält offenkundig nicht, was ihre Protagonisten/innen versprechen. Kein Wunder, wenn etwa in Frankreich die Zahl der Frauen wächst, die ihre eigenen, politisch höchst inkorrekten Schlußfolgerungen daraus ziehen (HPL).

°

Volltext-Version

°

Immer mehr Frauen leben von ihrer eigenen Erwerbsarbeit meldet das Statistische Bundesamt:

°

Statistisches Bundesamt  Zahl der Woche vom 04.03.2014

45 % der Frauen leben von ihrer eigenen Erwerbstätigkeit

 

WIESBADEN – Im Jahr 2012 deckten in Deutschland 45 % der Frauen ihren Lebensunterhalt überwiegend durch die eigene Erwerbs- und Berufstätigkeit. Das teilt das Statistische Bundesamt (Destatis) auf Basis von Daten des Mikrozensus anlässlich des Internationalen Frauentages am 8. März mit. Im Vergleich zu 1996 – seitdem sind vergleichbare Auswertungen möglich – ist dieser Anteil deutlich gestiegen. Damals lebten 39 % der Frauen überwiegend von ihrer eigenen Erwerbs- und Berufstätigkeit.

Weitere 29 % der Frauen bestritten im Jahr 2012 (1996: ebenfalls 29 %) ihren Lebensunterhalt hauptsächlich durch eine Rente oder Pension. Für 18 % der Frauen (1996: 24 %) waren Einkünfte von Angehörigen (insbesondere des Ehe- beziehungsweise Lebenspartners) die Haupteinkommensquelle. (….)

°

Insgesamt deutlich verbessert habe sich seit der Jahrtausendwende auch ihre Teilhabe am Arbeitsmarkt, wie Wirtschaftsforscher registrieren. Im europäischen Vergleich übertreffe Deutschland damit sogar inzwischen das familienpolitische “Vorbild” Frankreich:

°

Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC Frankfurt am Main, 3. März 2014

FRAUEN IN DEUTSCHLAND HOLEN AUF

Deutschland auf Rang 8 des PwC-„Women in Work“-Index / Arbeitnehmerinnen von Wirtschaftskrise besonders hart getroffen / Anteil von Mitarbeiterinnen steigt auch ohne politischen Druck

Die Frauen in Deutschland erobern sich zunehmend eine gleichberechtigte Teilhabe am Berufsleben. Zu diesem Ergebnis kommt der „Women in Work“-Index der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC. Im Vergleich zur Vorjahresauswertung kann sich Deutschland im Index um eine Position auf den 8. Rang verbessern und liegt mit einem Wert von 63 Punkten über dem OECD-Durchschnitt von 58,6 Punkten. Auf dem ersten Platz kann sich seit Beginn der Erhebung im Jahr 2000 Norwegen behaupten, gefolgt von Dänemark und Schweden. Deutschland lag 2000 noch auf dem 18. Platz (47,4) und damit unter dem Durchschnitt der OECD-Länder (50,0). (…)

Der „Women in Work“-Index misst die Beteiligung von Frauen am Wirtschaftsgeschehen einer Volkswirtschaft anhand von fünf standardisierten und gewichteten Kriterien, die zu einem Index-Wert aggregiert werden:

•        Gehaltsunterschiede (25%)

•        Anteil der Frauen in Erwerbstätigkeit (25%)

•        Unterschied zwischen den Anteilen von Frauen/Männern an Erwerbstätigkeit (20%)

•        Arbeitslosigkeitsrate von Frauen (20%)

•        Anteil von Frauen in Vollzeitbeschäftigung (10%).

°

PwC „Women in Work“-Index


Mehr_F1

°

In unserer arbeitsmarktzentrierten Gesellschaft wird diese Entwicklung als Ausdruck des gesellschaftlichen Fortschritts verstanden, wie etwa die Kirchen gerade erst in ihrem gemeinsamen Sozialwort bekräftigt haben (vgl. HBF 28.02.14). Daß diese Gleichsetzung sehr verkürzt ist, dokumentieren nicht nur die neuen Daten frauenpolitisch bewegter Experten:

°

Hans-Böckler-Stiftung  04.03.2014 11:06

Aktuelle Auswertung des WSI –

Job und Hausarbeit: Doppelbelastung erschöpft viele Frauen

 Die Doppelbelastung durch Erwerbsarbeit und häusliche Pflichten führt bei vielen Frauen zu Müdigkeit und Erschöpfung. Dies zeigt eine neue Auswertung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung. In Kooperation mit dem Berliner Institut für sozialwissenschaftlichen Transfer haben WSI-Forscherinnen eine Vorabversion der Erwerbstätigenbefragung des Bundesinstituts für Berufsbildung und der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin aus dem Jahr 2012 ausgewertet.

 Die Ergebnisse: Wenn Frauen in Vollzeit arbeiten, sind sie häufiger erschöpft als Männer. Das gilt auch dann, wenn sie keine Kinder haben. Mehr als die Hälfte der Arbeitnehmerinnen mit einer Arbeitszeit zwischen 35 und 40 Stunden berichtete, im Laufe von Arbeitstagen häufig erschöpft zu sein. Frauen mit Kindern schilderten dies zu 56, solche ohne zu 53 Prozent. In Vollzeit erwerbstätige Männer mit Kindern kamen lediglich auf 44 Prozent, die ohne Kinder auf 42 Prozent. Bei überlangen Arbeitszeiten von 41 Stunden und mehr erhöhten sich die Werte entsprechend. Hier berichteten sogar zwei Drittel aller Mütter von Müdigkeit, Mattigkeit oder Erschöpfung (siehe auch die Grafik in Böckler Impuls 4/2014; Link unten).

„Zu diesen Ergebnissen trägt auch bei, dass Frauen häufiger in Berufen arbeiten, in denen überdurchschnittlich viele Beschäftigte eine mengenmäßige Überforderung bei der beruflichen Arbeit beklagen”, erläutert WSI-Forscherin Dr. Christina Klenner. Dazu gehörten Sozial- und Erziehungsberufe, Gesundheitsberufe sowie weitere Dienstleistungen.

 In Teilzeit beschäftigte Frauen ohne Kinder kamen auf ähnliche Belastungswerte wie die wenigen Teilzeit-Männer. Mit Kindern drifteten die Werte jedoch wieder auseinander: Mütter in Teilzeit waren an Arbeitstagen häufiger erschöpft als Väter mit reduzierter Arbeitszeit. „Vor diesem Hintergrund erklärt sich auch, dass viele Frauen nicht in Vollzeit arbeiten, obwohl Teilzeitarbeit mit Nachteilen beim Einkommen, bei den Aufstiegschancen oder bei der Rente verbunden sein kann”, so Klenner.

 Im Zeitverlauf hätten immer weniger Frauen eine volle Stelle. Sieben von zehn Müttern arbeiteten in Teilzeit, wie das WSI GenderDatenPortal zeigt. “Einen Ausweg aus dem Dilemma zwischen Zeitnot mit häufiger Erschöpfung bei den Vollzeitbeschäftigten und Karriereverzicht bei Teilzeitarbeitenden würden generell kürzere Arbeitszeiten für die Familienphase bieten”, empfiehlt die WSI-Forscherin. Diese sollten künftig auch für die Väter normal sein.

°


Mehr_F2

°

SÜDDEUTSCHE ZEITUNG vom 05.03.2014

Was heißt schon gleich?

Nirgendwo in Europa liegt der Verdienst von Männern und Frauen so weit auseinander wie in Deutschland. Daran können auch Initiativen wie der Weltfrauentag und der „Equal Pay Day“ bislang nichts ändern

Von Sibylle Haas

München – Junge Frauen können es oft nicht glauben: Sie sollen benachteiligt sein – heute noch? Dabei sind sie doch längst emanzipiert. In der Schule haben sie von ungleichen Chancen nichts gespürt, oft hatten sie besser Noten als Jungs. Seit Jahren machen mehr Mädchen als Jungen Abitur, und ein Uniabschluss mit guten Noten ist für viele Studentinnen selbstverständlich. Und doch bekommen schon junge Frauen weniger Gehalt als ihre männlichen Kollegen. Das wird später nicht besser, wenn es darum geht, Karriere zu machen – zwischen Mitte 30 und Anfang 40.

Dann holt viele Frauen die Realität ein: Sie sind seltener in Führungsjobs und verdienen deutlich schlechter als Männer. Die jüngste Statistik der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zeigt, dass in keinem anderen europäischen Land der OECD die Gehaltslücke zwischen Frauen und Männern so groß ist wie in Deutschland. Hier verdienen Frauen durchschnittlich 21 Prozent weniger als Männer. Der OECD-Durchschnitt liegt bei 15 Prozent. (…)

°

Auch ein aktueller Europa-Vergleich verblüfft mit erschreckenden Zahlen in den gleichstellungspolitisch hoch gehandelten Vorzeigeländern, die etwa im Women-in-Work-Index die Spitzenplätze besetzen. Laut der gestern veröffentlichen Studie werden genau in diesen Ländern Frauen besonders oft Opfer von Gewalt ihrer Partner oder ihres Umfeldes:

°

Mehr_F4

 

Mehr_F3

aus: Gewalt gegen Frauen: eine EU-weite Erhebung. Agentur der Europäischen Union für Grundrechte (FRA) 05/03/2014

°

Die populäre Erfolgsformel für gesellschaftlichen Fortschritt “Mehr Erwerbsarbeit für alle (Männer und Frauen)!” hält offenkundig nicht, was ihre Protagonisten/innen versprechen. Kein Wunder, wenn etwa in Frankreich die Zahl der Frauen wächst, die ihre eigenen, politisch höchst inkorrekten Schlußfolgerungen daraus ziehen:

°

WirtschaftsWoche.de  03.03.2014

Familienpolitik

FRANKREICHS MÜTTER BEGEHREN AUF

Das Bild Frankreichs als Musterland für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf bekommt Risse. Die Mütter wollen endlich mehr Zeit für ihre Kinder. Doch die will man ihnen nicht geben.

von Karin Finkenzeller

(…) “Wenn man nach der Geburt von Kindern nicht genauso viel arbeiten will wie zuvor, bekommt man hier schnell das Gefühl vermittelt, dass man die Tür hinter sich schließen kann.”

/// GEPRÄGTES LAND // .

Dieser Druck ist neben dem Netz an Betreuungsmöglichkeiten ein wichtiger Grund für Frankreichs Frauen, bald nach der Geburt wieder arbeiten zu gehen. Wer trotz Krippenangebot, Tagesmüttern und “Nounous”, die ins Haus kommen, bei den Kindern bleibt, gilt schnell als arbeitsscheu. So legen nur 32 Prozent der französischen Mütter mit mindestens einem Kind unter acht Jahren laut einer Eurostat-Studie aus dem Jahr 2010 nach dem viermonatigen Mutterschutz noch eine Erziehungspause ein. In Deutschland sind es demnach 59 Prozent. Theoretisch könnten auch französische Eltern ab dem zweiten Kind bis zu drei Jahre lang zu Hause bleiben und würden sogar vom Staat dafür Geld bekommen. Nicht viel, 388 Euro monatlich, aber immerhin.

Warnungen wie die der medial stets präsenten Philosophin Elisabeth Badinter bleiben bei den Französinnen jedoch auch nicht ohne Wirkung. Diese dürften keinesfalls ihre Freiheit aufgeben – vor allem nicht ihre finanzielle. (….)

/// IN DIE FAMILIE HINEINREGIEREN // .

Vor allem für Familien mit niedrigen bis mittleren Einkommen spricht häufig viel dafür, dass ein Elternteil – meist die Mutter – zu Hause bleibt. Ein Krippenplatz kostet monatlich rund 800 Euro. Eine Tagesmutter verlangt je nach Dauer ihres Einsatzes zwischen 400 und 800 Euro. So werden 63 Prozent der aktuell 2,4 Millionen Kinder unter drei Jahren zu Hause von den eigenen Eltern betreut. Eine “Nounou” für etwa 1500 Euro ist das finanzielle Privileg der französischen Besserverdiener.

Die Debatte um Kindererziehung und Gleichberechtigung erzeugt in Frankreich derzeit nicht zufällig viel Resonanz. Nachdem im vergangenen Jahr das Gesetz über die Homo-Ehe Millionen von Gegnern auf die Straßen brachte, treibt viele Franzosen nun die Sorge um, die sozialistische Regierung wolle aus ideologischen Gründen in die Familien hineinregieren und traditionelle Werte auslöschen. (…)

Die verbreitete Berufstätigkeit von Frauen ändert nichts daran, dass Frankreich ein katholisch-konservatives Land mit konkreten Vorstellungen der Rollenverteilung geblieben ist. Die Bindungstheorie der frühen Mutter-Kind-Beziehung greift verspätet Raum. Es sind junge Familien, die zu den Vorträgen des Kinderarztes und Psychotherapeuten Adrian Serban strömen.

(….)

 

°

Zum Thema siehe auch:

 

 

 

Schreibe einen Kommentar