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„Erfolgsrezept“ gegen weibliche Lohnlücke:

Frauen arbeitet wie die Männer!

– Und wo bleibt das „gute Leben“?

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HBF-AKTUELL Tübingen 19. März 2014, erstellt 15:25 Uhr, Stand 20:15 Uhr

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Der Lohnabstand zwischen Frauen und Männern in Deutschland bleibt unverändert groß (HPL) und im internationalen Vergleich weiterhin „Spitze“ (vgl. HBF 2014) – trotz aller politischen Aktivitäten und Aufklärungstage („Equal pay day“ seit 2008; dieses Jahr am 21. März; „Girls Day“ seit 2001; dieses Jahr am 27.03). Die schwarz-rote Regierungskoalition will deshalb hier mit mehreren Gesetzesvorhaben gegensteuern (HPL). Dafür gibt es viel öffentlichen Beifall (HPL).

Allerdings läßt der Blick ins Vorbild gebende Ausland kaum auf tatsächlich grundlegende Korrekturen hoffen (vgl. HBF 2014 und HPL). Auch die Entwicklung des Arbeitsmarktes (HPL) und die politischen Prioritäten und Konzepte der Bundesregierung (HPL) sprechen nicht dafür. Und schließlich: Auch die Vorstellungen der Betroffenen von einem „guten Leben“ (HPL) decken sich nicht mit den politischen „Erfolgsrezepten“ für die wirtschaftliche Gleichstellung von Männern und Frauen.

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HBF-Volltext-Version

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Der Lohnabstand zwischen Frauen und Männern in Deutschland bleibt unverändert groß:

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Statistisches Bundesamt  Pressemitteilung vom 18.03.2014

Gender Pay Gap 2013 bei Vollzeitbeschäftigten besonders hoch

WIESBADEN – Im Jahr 2013 blieb der Verdienstunterschied zwischen Frauen und Männern im Vergleich zu den Vorjahren konstant. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) anlässlich des Equal Pay Day am 21. März 2014 mitteilt, verdienten Frauen mit einem durchschnittlichen Bruttostundenverdienst von 15,56 Euro weiterhin 22 % weniger als Männer (19,84 Euro). Bei Vollzeitbeschäftigten war der Verdienstunterschied deutlich höher als bei Teilzeitbeschäftigten. (…)

Unbereinigter Gender Pay Gap für die Jahre 2006 bis 2013

Jahr

Deutschland

Früheres
Bundesgebiet

Neue Länder

 

in %

 

2013

22

23

8

 

2012

22

24

8

 

2011

22

24

7

 

2010

22

24

7

 

2009

23

24

6

 

2008

23

24

6

 

2007

23

24

6

 

2006

23

24

6

 

Demnach sind die wichtigsten messbaren Gründe für den unbereinigten Gender Pay Gap unterschiedliche Branchen und Berufe, in denen Frauen und Männer tätig sind, sowie ungleich verteilte Arbeitsplatzanforderungen hinsichtlich Führung und Qualifikation. Hinzu kommen weitere Faktoren wie zum Beispiel ein niedrigeres Dienstalter und ein geringerer Beschäftigungsumfang.

Durch die genannten Ursachen können rund zwei Drittel des Unterschieds in den durchschnittlichen Bruttostundenverdiensten erklärt werden. Das verbleibende Drittel des Verdienstunterschieds entspricht dem bereinigten Gender Pay Gap. Er lag in Deutschland im Jahr 2010 bei etwa 7 %. Dies bedeutet, dass im Durchschnitt Arbeitnehmerinnen auch unter der Voraussetzung vergleichbarer Tätigkeit und äquivalenter Qualifikation im Jahr 2010 pro Stunde 7 % weniger als Männer verdienten. Trotz eines großen Ost-West-Unterschieds im unbereinigten Gender Pay Gap lag der bereinigte Verdienstunterschied in beiden Regionen auf etwa vergleichbarem Niveau (früheres Bundesgebiet: 7 %; neue Länder: 9 %).

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Im internationalen Vergleich ist das weiterhin ein negativer Spitzenwert (vgl. dazu die Daten der EU-Kommission in: HBF 10.03.14) – trotz aller politischen Aktivitäten und Aufklärungstage („Equal pay day“ seit 2008; dieses Jahr am 21. März; „Girls Day“ seit 2001; dieses Jahr am 27.03). Die schwarz-rote Regierungskoalition will deshalb hier mit mehreren Gesetzesvorhaben gegensteuern:

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Die große Koalition plant drei Gesetze gegen den Lohnunterschied: Ein neues Gleichheitsgesetz soll Diskriminierung durch Arbeitgeber bekämpfen. Eine gesetzliche Quote soll Frauen den Weg in Spitzenämter ebnen, und eine Neuregelung des Elterngelds soll Eltern zu einer gleichmäßigeren Arbeitsteilung anhalten.

(aus: Ungleicher Lohn für ungleiche Arbeit. F.A.Z., Mittwoch, den 19.03.2014 Wirtschaft 17)

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siehe dazu auch:

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Wir werden das Prinzip gleicher Lohn für gleiche und gleichwertige Arbeit durch mehr Transparenz herstellen. (…) Die Zahl der Mini- und Midijobs ist massiv angestiegen. Zwei Drittel dieser Jobs werden von Frauen gemacht. Obwohl viele dieser Frauen gerne mehr arbeiten würden und längst nicht nur geringfügigen Beschäftigungen nachgehen, sind sie in diesen Jobs gefangen. Gerade deshalb beharrt die SPD darauf, dass es in diesen Bereichen nicht auch noch Ausnahmen vom Mindestlohn geben darf. Gerechtigkeit auf dem Arbeitsmarkt ist vor allem für Frauen wichtig.

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit ist nicht allein eine Frage der Gerechtigkeit, sondern auch der wirtschaftspolitischen Vernunft. Deshalb kämpft die SPD für einen Rechtsanspruch, aus der Teilzeit in die Vollzeit zurückkehren zu können, um Lohnlücken zu schließen.

(aus: Anlässlich des Equal Pay Days am Freitag, 21. März: Fahimi und Uekermann: Gleicher Lohn statt Gleichgültigkeit. Mitteilung für die Presse, SPD-Parteivorstand 19. März 2014

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Dafür gibt es öffentlichen Beifall:

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SÜDWEST PRESSE 19.03.2014

KOMMENTAR:

Teilzeit als Falle

Gleicher Lohn für Frauen und Männer, das ist in Deutschland eigentlich ein Grundrecht. Tatsächlich erhalten Frauen im Schnitt 22 Prozent weniger pro Stunde als ihre männlichen Kollegen, und diese Missverhältnis will einfach nicht kleiner werden.

Dieter Keller

Unter den 28 EU-Mitgliedern steht Deutschland damit an drittletzter Stelle. Italien dagegen belegt mit 6,7 Prozent den viertbesten Platz. Doch Vorsicht vor verfrühtem Beifall. Vielmehr zeigt dieses Beispiel, wie schief solche Vergleiche sind: In dem südeuropäischen Land sind viele Frauen gar nicht erwerbstätig. Hierzulande ist das Problem, dass sie nach der Babypause zwar oft in den Beruf zurückkehren, aber häufig in Teilzeit, selbst wenn sie lieber gerne eine Vollzeitstelle hätten.

Gegen diese Falle hilft insbesondere ein besseres Angebot an Kinderbetreuung und Ganztagesschulen. Da ist der Staat gefragt, und es geht nicht nur um mehr Plätze, sondern auch um Betreuungszeiten, die den Bedürfnissen von Berufstätigen entsprechen. (…)

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taz 12.03.14

Kommentar

Teilzeit von Frauen

DAS MANTRA WAHLFREIHEIT

Viele Mütter wollen mehr arbeiten. Aber sie finden keine Vollzeitjobs, so das Ergebnis des neuen Fachkräfteberichts der Regierung.

Kommentar von Simone Schmollack

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Frankfurter Rundschau 19.03.2014

Immer noch ein Fünftel weniger

Lohndifferenz zwischen Frauen und Männern unverändert / Hohe Teilzeitbeschäftigung

(..)er Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) und weitere Verbände fordern daher anlässlich des Equal Pay Days am 21. März eine gerechtere Verteilung der Berufs- und Familienarbeit. Teilzeit und Erwerbsunterbrechungen bedeuteten für Frauen weniger Lohn und niedrigere Renten, kritisieren sie. (…)

 Der DGB, der Deutsche Frauenrat und das Bundesforum Männer machen sich angesichts andauernder Ungleichheit für eine gerechtere Verteilung der Berufs- und Familienarbeit zwischen Frauen und Männern stark. Dazu gehöre auch ein Rückkehrrecht von Teilzeit- auf Vollzeitstellen. (…)

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Allerdings läßt der Blick ins Vorbild gebende Ausland kaum auf tatsächlich grundlegende Korrekturen hoffen: Mit einer ebenfalls beharrlichen Lohnlücke von rund 15% in Fankreich (Teilzeitquote der Frauen 2010: 29%) oder 16% in Schweden (Teilzeitquote der Frauen 2010: 36% – in Deutschland: 46,5% – vgl. HBF 10.03.14 und HP-PLUS) halten sich gleichstellungspolitischen Fortschritte auf dem Arbeitsmarkt auch dort in engen Grenzen. Zudem unterscheidet sich die geschlechtsspezifische Polarisierung des Arbeitsmarktes wohl wenig vor der in Deutschland. Beispielweise beim Blick auf den Anteil der Frauen und Männer, die in den Kinderbetreuungseinrichtungen arbeiten. In Deutschland ist der Anteil der Männer – begleitet von eifrigen politischen Bemühungen – im letzten Jahr auf 4,1% gestiegen. Im frauenpolitischen Vorzeigeland Schweden liegt er jedoch auf dem gleichen geringen Niveau:

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Radio Schweden 6 maj 2013 kl 15:05

Ministerin auf Tournee

 Mehr Männer in die Kitas!

Bisher vor allem Frauensache

In Schwedens Kindertagesstätten arbeiten zu wenige Männer. Dies müsse geändert werden, hat Gleichstellungsministerin Maria Arnholm betont. Der Tageszeitung Dagens Nyheter sagte Arnholm, gegenwärtig mache sie sich auf Reisen durch das Land mit nachahmenswerten Erfahrungen bei der Rekrutierung von Männern bekannt. Um den Anteil von Männern in den Kitas zu erhöhen, strebe sie eine nationale Strategie an. Wünschenswert wäre dabei die Zusammenarbeit beispielsweise mit dem Verband schwedischer Kommunen und Provinziallandtage. Nahezu alle schwedischen Kinder besuchen derzeit eine Kita. 96,5 Prozent der Angestellten dort sind Frauen.

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Gegen eine schnelle Verringerung der weiblichen Lohnlücke spricht nicht nur die kaum veränderte, geschlechtsspezifische Berufswahl von jungen Frauen und Männern..

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Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) Bonn, 23.04.2013

Alte Pfade oder neue Wege – verändert sich die Geschlechterverteilung in den Ausbildungsberufen?

BIBB-Auswertung aus Anlass des Girls‘ und Boys‘ Day 2013

Mädchen werden Friseurin, Jungs reparieren Autos – ob diese Klischees über die geschlechtsspezifische Berufswahl junger Leute und Auswahl durch die Betriebe immer noch zutreffen, hat das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) untersucht. Und es zeigt sich, dass wenig „Unkonventionelles“ geschieht. Unter den dualen Ausbildungsberufen mit mindestens 500 Ausbildungsanfängern sind fast 60, bei denen die jungen Männer einseitig dominieren, ihr Anteil also bei über 80 % liegt. Bei 14 weiteren Berufen ist es umgekehrt, diese sind weiblich dominiert. Bei der nur sehr schleppenden Eroberung dieser Domänen durch das jeweils andere Geschlecht liegen jedoch die jungen Frauen vorn: Sie haben es immerhin in sieben männerdominierten Berufen geschafft, ihren Anteil im Vergleich der Jahre 2005 und 2012 – allerdings von einem niedrigen Niveau ausgehend – um mindestens vier Prozentpunkte zu steigern, die Männer hingegen nur in einem. (…)

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…auch trifft die deutlich gestiegene Erwerbsbeteiligung von Frauen, vor allem der Mütter, auf einen Arbeitsmarkt, auf den zwar immer mehr Menschen strömen, aber dessen Arbeitsvolumen nicht im gleichen Maß steigt:

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Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) 12.03.2014

58 Milliarden Arbeitsstunden – höchster Stand seit 20 Jahren

 Im Jahr 2013 arbeiteten die Erwerbstätigen in Deutschland insgesamt 58,1 Milliarden Stunden. Das war ein Plus von 0,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Mehr gearbeitet wurde zuletzt im Jahr 1994 mit 58,2 Milliarden Stunden, berichtete das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) am Mittwoch.

 Das Wachstum des Arbeitsvolumens ist auf die gestiegene Zahl der Erwerbstätigen zurückzuführen. „In Erwartung einer wiederanziehenden Konjunktur haben Betriebe im letzten Jahr trotz nur mäßig gefüllter Auftragsbücher die Beschäftigung weiter erhöht“, erklärte Enzo Weber, Leiter des IAB-Forschungsbereichs „Prognosen und Strukturanalysen“. Die Erwerbstätigkeit habe im Jahr 2013 um 0,6 Prozent zugenommen und mit 41,8 Millionen einen neuen Höchststand erreicht. Allerdings fiel der Anstieg geringer aus als in den beiden Vorjahren: 2011 lag der Zuwachs noch bei 1,4 Prozent, 2012 bei 1,1 Prozent. Anders als das Arbeitsvolumen insgesamt ist die durchschnittliche Jahresarbeitszeit der Erwerbstätigen 2013 um 0,4 Prozent zurückgegangen.(…)

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Dieser Trend führt tendenziell sogar zur Absenkung des Lohnniveaus in den Branchen mit einem Arbeitskräfteüberangebot.

Gegen eine Lohnangleichung der Geschlechter sprechen zudem die politischen Prioritäten und Konzepte der Bundesregierung. Um die politisch beschlossene Schuldenbremse einzuhalten, setzen Bund und Länder auf die strukturelle Kürzung ihrer Haushalte. Größter Einzelposten ist i.d.R. das Personal. Dort sind Frauen nicht nur stärker vertreten als Männer, sondern tendenziell eher in den mittleren und unteren Einkommensgruppen zu finden:

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 FRAUENANTEIL

Die Frauenquote im öffentlichen Dienst ist seit 1991 von 47 Prozent auf 53,8 Prozent in 2010 angestiegen. Der Frauenanteil ist von Aufgabenbereich zu Aufgabenbereich allerdings sehr unterschiedlich. Während beispielsweise im Schuldienst 68 Prozent und im Bereich Kindertagesstätten sogar 97 Prozent der Beschäftigten Frauen sind, beträgt der Frauenanteil bei der Polizei nur 23 Prozent.

Unter den weiblichen Beschäftigten im öffentlichen Dienst liegt der Anteil der Teilzeitbeschäftigten im Vergleich zu ihren Kollegen bedeutend höher. Parallel zum Anteil der Frauen ist auch der Anteil der Teilzeitbeschäftigten an den Beschäftigten im öffentlichen Dienst gestiegen.

Frauen sind in den höheren Einstufungsgruppen des öffentlichen Dienstes tendenziell weniger vertreten. Aufgrund der höheren Repräsentanz der Frauen im mittleren und einfachen Dienst wirkt der Personalabbau in diesen Laufbahngruppen dem allgemeinen Trend entgegen und schwächt den Anstieg der Frauenquote im öffentlichen Dienst ab. Den gleichen Effekt haben auch Ausgliederungsprozesse in Aufgabenbereichen mit einem hohen Anteil von Frauen an den Beschäftigten, wie es beispielweise im Krankenhausbereich der Fall ist.

(aus: dbb beamtenbund und tarifunion. Themen. Stand ca. 2011)

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Vor diesem Hintergrund ist die Position der öffentlichen Arbeitgeberger bei den aktuellen Tarifverhandlungen sehr aufschlußreich. Die Gewerkschaft Verdi fordert einen einheitlichen Sockelbetrag für alle, der die mittleren und unteren Einkommensgruppen – und damit viele Frauen – begünstigen würde. Die Arbeitgeber und mit ihnen der Bundesinnenminister lehnen genau dies ab. Stattdessen möchten sie lieber bei den höheren, männerdominierten Einkommensgruppen aufstocken:

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Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA), Pressemitteilung vom 11.03.2014

Tarifrunde 2014 TVöD

 

Kurzbewertung der Forderungen

 Die Gewerkschaften haben am 11. Februar 2014 ihre Forderungen veröffentlicht. Das Paket umfasst neben den Entgeltforderungen auch Forderungen zu den Auszubildenden, zum Urlaubsanspruch sowie Sonderforderungen für den Nahverkehr und die Krankenhäuser.

 Allein die Entgeltforderung hat für die kommunalen Arbeitgeber ein Kostenvolumen von rund sechs Milliarden Euro pro Jahr (ohne Auszubildende, ohne Sonderforderung Nahverkehr).

Entgelt: „100 Euro Sockelbetrag plus 3,5 Prozent“

 Durch die Forderung nach einem „Sockelbetrag von 100 Euro“ ergeben sich unterschiedlich hohe prozentuale Forderungen – je nach Entgeltgruppe und Stufe. Im Durchschnitt bedeutet die Forderung eine Steigerung von 7,1 Prozent. (….)

Die Folgen eines Sockelbetrages

 Die Gewerkschaften fordern einen „Grundbetrag von 100 Euro“. Damit soll eine überproportionale Entgeltsteigerung in den unteren Entgeltgruppen erreicht werden.

 Die Tarifsteigerungen sind bei einem Sockelbetrag unterschiedlich hoch: „100 Euro und 3,5 Prozent“ sind in der EG 1 bis zu 10,2 Prozent mehr, in der EG 15 sind es 5,27 Prozent.

 Die unteren Entgeltgruppen verteuern sich überproportional stark. Das sind jene Bereiche, die im direkten Wettbewerb mit privaten Mitbewerbern stehen. Hier entsteht weiterer Kosten- und Privatisierungsdruck auf die öffentlichen Arbeitsplätze. Werden die unteren Lohngruppen weiter verteuert, fördert das die Abwanderung der Arbeitsplätze aus dem öffentlichen Tarif.

 In den oberen Entgeltgruppen (Akademiker, Ingenieure, Juristen, IT-Fachkräfte) ist die geforderte Erhöhung unterdurchschnittlich. Hier sinkt gleichzeitig die Konkurrenzfähigkeit des öffentlichen Dienstes gegenüber der Privatwirtschaft.

Wenn die Entgelte in den unteren und mittleren Gehaltsgruppen überproportional angehoben werden, steigt der Druck auf die Kommunen zu Privatisierungen, Outsourcing und Fremdvergabe.

Ein Sockelbetrag führt letztlich zum Abbau von öffentlichen Arbeitsplätzen.

Jeder Euro kann nur einmal ausgegeben werden. Überproportionale Steigerungen in den unteren Entgeltgruppen verknappen das Volumen für die restlichen Entgeltgruppen.

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siehe dazu:

Darüberhinaus dürfte die forcierte Einwanderungspolitik der Bundesregierung ebenfalls dafür sorgen, daß sich die geschlechtstypischen Entgeltstrukturen hierzulande nicht (so schnell) verändern. Beispielsweise im Pflegebereich. Der bestehende Fachkräftemangel ist laut Experten auf die hohe Arbeitsbelastung bei vergleichsweise geringer Entlohnung zurückzuführen. Statt hier zu korrigieren, sollen offenkundig mehr genügsame Einwanderinnen dem Mangel abhelfen:

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Neues Deutschland Hannover 19.03.2014

Fachkräfte aus Fernost sollen Personalnotstand in Heimen lösen

Der Pflegesektor in Deutschland hat europaweit ein schlechtes Image – Beschäftigte müssen von weit her geholt geworden

Von Christina Sticht

Deutsche Seniorenheime benötigen dringend qualifiziertes Personal. Fündig werden sie in Vietnam oder China.

Altenpflege-Azubi Ling Nguyen Thi im Pflegeheim Eilenriedestift

Foto: dpa/Peter Steffen

(…) Rund 30 000 Fachkräfte fehlen in deutschen Pflegeheimen. Laut dem Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung werden bis zum Jahr 2030 mehr als 94 000 Fachkräfte und fast 200 000 Hilfskräfte zusätzlich benötigt. (….)

Die Pflegebranche setzt ihre Hoffnungen zunehmend auf Zuwanderer aus Nicht-EU-Ländern. Zum einen konkurrieren England oder Skandinavien mit Deutschland bei der Anwerbung von Pflegern. Zum anderen haben manche Einrichtungen schlechte Erfahrungen mit Krankenpflegerinnen aus Süd- oder Osteuropa gemacht. »Die Abwanderung zurück ist groß«, berichtet Greiner. Zum Beispiel seien Spanierinnen mit einer falschen Vorstellung des Berufsalltags gekommen.

 Die Gesundheitswissenschaftlerin Monika Habermann sieht den Grund für die Abwanderung eher im schlechten Ansehen der Pflege in Deutschland. »In anderen EU-Ländern ist das Image weit besser, die Pflegekräfte haben alle studiert und tragen mehr Verantwortung«, sagt die Professorin von der Hochschule Bremen. In der Summe sei der Job in Deutschland für sehr viele Europäer nicht attraktiv genug. (…)

Und schließlich: Auch die Vorstellungen der Betroffenen von einem „guten Leben“ decken sich nicht mit den politischen „Erfolgsrezepten“ – mehr vollzeit(nahe) Erwerbsarbeit für Frauen – für die wirtschaftliche Gleichstellung von Männern und Frauen:

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Famili4

aus: Familienreport 2011. – siehe dazu: HBF 09.01.12

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siehe dazu auch:

Rezept1

 

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Zum Thema siehe auch:

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Veröffentlicht von admin

Leiter des Heidelberger Büros für Familienfragen und soziale Sicherheit

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