Konsumrausch_im_Abendland_221214p

WEIHNACHTEN:
Fest des KONSUMRAUSCHs in einer gefährdeten Welt
– Den „Untergang des Abendlandes“ besorgen wir schon selber!
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HBF-Aktuell, Tübingen 22.12.2014, erstellt 15:00 Uhr, Stand 23.12.14, 09:05 Uhr
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Mit christlichen Weihnachtsliedern will die PEGIDA-Bewegung heute Abend in Dresden wieder gegen die „Islamisierung des Abendlandes“ protestieren. Obwohl die Faktenbasis der Islamkritiker schnell zu entkräften (HPL) und deren Parolen sogar offen rassistisch seien (HPL), ringen die Parteien immer noch damit, wie sie auf diese Bewegung antworten sollen: Mit scharfer Ausgrenzung oder Dialogangeboten (HPL). Diese Unsicherheit der politischen Elite verdankt sich der Angst, „plötzlich“ ähnlich bedroht zu sein, wie in anderen großen europäischen Staaten (HPL). Darüber kann selbst die jüngste Meldung über die Hochstimmung der Konsumenten rechtzeitig vor dem Weihnacht(einkaufs)fest (HPL) nicht hinwegtäuschen.
Stattdessen mehren sich die Anzeichen für eine fortgesetzte Entfremdung zwischen Regierenden und Regierten. So erklärte unlängst Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig die Geburtenrate zum Indikator einer familienfreundlichen Politik (HPL). Und obwohl dieser Indikator trotz aller politischen „Modernisierungsanstrengungen“ (vgl. HBF-Kategorie) weiter auf niedrigem Niveau stagniert (vgl. HBF 2014), die damit absehbaren und schon heute spürbaren (HPL) vielfältigen Verwerfungen in unserem Land weiter an Dynamik gewinnen (vgl. HBF-Kategorie), macht (nicht nur – vgl. z.B. HBF 2014) die Politik keine (vermeidungswürdigen) Verluste, sondern im Gegenteil nur neue „Chancen“ aus (vgl. HBF 2013).
Tatsächlich signalisiert der insgesamt kräftig gesunkene Stellenwert von Kindern im Land jedoch eine grundlegende Fehlentwicklung, die von respektierten Kritikern/innen jenseits der Pegida-Bewegung als selbstverschuldeter Niedergang einer Lebens- und Sozial(un)kultur verstanden wird (HPL). Von diesem Kurs wird sich aber die Regierung – christliche Weihnachtstimmung hin oder her – nicht abbringen lassen, wie die Bundeskanzlerin bereits deutlich gemacht hat (HPL).
 
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HBF-VOLLTEXT
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Mit christlichen Weihnachtsliedern will die PEGIDA-Bewegung heute Abend in Dresden wieder gegen die „Islamisierung des Abendlandes“ protestieren. Eigentlich sei die Faktenbasis der Islamkritiker schnell zu entkräften und deren Parolen sogar offen rassistisch:
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PEGIDA-FAKTENCHECK
Die Angstbürger
Sie sind wütend, haben Angst vor dem Islam und fürchten eine "Überfremdung" Deutschlands: die Demonstranten der Pegida-Bewegung. Ihre wichtigsten Behauptungen im Faktencheck.
Von Christina Hebel, Benjamin Knaack und Christoph Sydow
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 MACHT
Das, was sie wirklich meinen
Manche wollen nicht verstehen, was an pegida wirklich schlimm ist. dabei ist es ganz einfach: PEGIDA IST AUSLÄNDERFEINDLICH UND RASSISTISCH
Bettina Gaus
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und HP-PLUS

Dennoch ringen die Parteien immer noch damit, wie sie auf diese Bewegung antworten sollen: Mit scharfer Ausgrenzung oder Dialogangeboten:
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Opposition
Streit um Umgang mit "Pegida-Protesten"
Was tun mit der Anti-Islam-Bewegung „Pegida“, der sich jede Woche mehr Menschen anschließen? Auf die Sorgen eingehen und mit den Leuten reden, sei das richtige Rezept, meinen Unions-Politiker. Die Opposition hält das für gefährlich.
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„Anliegen ernst nehmen“
Politik wirbt für Dialog mit Pegida
 Bundestagspräsident Lammert und Vizekanzler Sigmar Gabriel rufen mit Blick auf die „Pegida“-Proteste dazu, die Anliegen besorgter Bürger ernst zu nehmen, warnen aber vor „Schmutzkampagnen“ und „Stimmungsmache gegen Minderheiten“.
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SÜDDEUTSCHE ZEITUNG vom 22.12.2014
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„Mauer in den Köpfen“
Die Politik versucht sich weiter an möglichen Strategien gegen die Pegida-Bewegung. Sie beklagt Dialogunfähigkeit und warnt vor „geistigen Brandstiftern“ – doch es gibt auch positive Nachrichten

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Ethnologe über Pegida
Warum die Anti-Islam-Bewegung Zulauf findet
THOMAS HAUSSCHILD im Gespräch mit Dieter Kassel
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Die Anti-Islam-Bewegung Pegida demonstriert am Montag erneut in Dresden und will dabei christliche Weihnachtslieder singen. Der Ethnologe Thomas Hausschild meint: Pegida sollte ernst genommen, aber nicht überbewertet werden. (…)

Als eine Ursache für die Entstehung von Bewegungen wie Pegida, deren Mitglieder ein Sammelsurium aus extrem Rechten und Otto-Normalbürgern darstellen, nennt Hausschild:
 
"Ich glaube, dass es ein bisschen so ist, dass die Oberschicht, die gebildete Klasse in Deutschland, viele Dinge, die an der Basis stattfinden, nicht mehr richtig bemerkt."
Ein Beispiel: Auffällig sei, dass die gleichen evangelischen Kirchenvertreter, die Pegida für ihr Verhalten heftig kritisierten, kein Wort darüber verlören, wenn etwa in Kindertagesstätten Martinsbräuche und Adventsdekorationen abgeschafft würden. Darüber entstehe Unmut bei vielen Bürgern, den Pegida wiederum geschickt aufgreife. Ein Problem seien auch die gut gemeinten und in vorauseilendem Gehorsam durchgeführten Aktionen von Bildungsbürgern – "wenn versucht wird, Asylcontainer irgendwo aufzustellen, wo die Leute sowieso schon deprimiert sind aufgrund ihrer wirtschaftlichen Lage und auch massiert leben in Hochhäusern, dann ist das nicht sehr geschickt". Dies könne keine ernsthaften Diskussionen an und mit "der Basis" ersetzen – da werde dann nur mit erhobenem Zeigefinder von oben belehrt.
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Diese Unsicherheit der politischen Elite verdankt sich der Angst, „plötzlich“ ähnlich bedroht zu sein, wie etwa in Frankreich oder Großbritannien, wo rechtskonservative Strömungen in der Bevölkerung zu einem politisch bestimmenden Faktor geworden sind, der die bisherige Machtbalance der etablierten Parteien gefährdet:

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Kommentar Sieg von Ukip
LONDONS ELITE STECKT FEST IM KOKON DER SELBSTHERRLICHKEIT
 Die europakritische Partei Ukip zieht mit einem zweiten Abgeordneten ins britische Parlament ein. Der Sieg zeigt, wie stark sich die Wähler in Großbritannien von den klassischen Parteien abwenden.
 Von  Thomas Kielinger, UK-Korrespondent
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Das britische Parteiensystem durchläuft eine tiefgreifende Metamorphose, es herrscht kein Einverständnis mehr zwischen dem Wahlvolk und seiner parlamentarischen Vertretung in Westminster. Nur vor dem Hintergrund dieser Vertrauenskrise lässt sich der Anstieg einer populistischen Gruppe wie die United Kingdom Independence Party (Ukip) verstehen. (…)
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Politik in FRANKREICH
Marine, das Schreckgespenst
Immer mehr Franzosen wenden sich angeekelt von der Politik ab. Weil den etablierten Parteien die unverbrauchten Kräfte fehlen, bleibt weit und breit nur das Schreckgespenst des rechtsextremen Front National übrig.
Kommentar von Stefan Ulrich
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Bis jetzt diente Madame den Mahnern in Frankreich als Schreckgespenst: Wenn die Politiker nicht endlich ehrlich, transparent und effizient im Sinne der Bürger regierten, komme Marine Le Pen mit dem großen Besen. Dann werde die gewiefte Chefin der Rechtsaußen-Partei Front National bei der Präsidentschaftswahl 2017 die moderaten Kräfte hinwegfegen und als Rächerin der Enttäuschten den Élysée-Palast erobern. Eine beängstigende Vorstellung ist das, bislang aber auch eine unwahrscheinliche.

 

Doch was tut die politische Elite in Paris? Sie zerlegt sich genussvoll selbst. (….)
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und HP-PLUS

 
Über diese schwelende Angst bei den etablierten Parteien vor Pegida (und ihrer möglichen politischen Vereinnahmung durch die Alternative für Deutschland, AfD) kann selbst die jüngste Meldung über die Hochstimmung der Konsumenten rechtzeitig vor dem Weihnacht(einkaufs)fest nicht hinwegtäuschen:
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DEUTSCHE IN KAUFLAUNE
Niedriger Ölpreis beflügelt Konsum
Die Verbraucher sind weiterhin bereit, viel Geld auszugeben. Das liegt an den niedrigen Zinsen, aber auch am gesunkenen Ölpreis. Der steigende Konsum macht Hoffnung auf ein stabiles Wachstum 2015.
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Kriminalität
"Wir sind alle traumatisiert"
Nach dem Überfall auf das KaDeWe fehlt von den Tätern jede Spur. DIE MITARBEITER STEHEN UNTER SCHOCK, GEARBEITET WIRD TROTZDEM
 Von Lorenz Vossen, Peter Oldenburger
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Nur noch drei Tage bis Weihnachten, aber zum Glück ist ja verkaufsoffener Sonntag. Den lässt sich das KaDeWe nicht nehmen, und die Kundschaft erst recht nicht. Schon vor der offiziellen Öffnung um 13 Uhr haben sich auf der Straße lange Schlangen gebildet – an sämtlichen Eingängen. Dann, endlich, gehen die Türen auf, die Massen drücken sich hinein. Das Geschenkeshopping in der bunten Glitzerwelt kann beginnen.
Fast nichts erinnert an das Chaos, das hier am Sonnabend ausgebrochen war. Vier oder fünf maskierte Täter hatten das Traditionskaufhaus am Wittenbergplatz um 10.20 Uhr überfallen, Uhren und Schmuck erbeutet, Reizgas versprüht. Laut Feuerwehr breitete sich das Gas über die Klimaanlage im Erdgeschoss bis in die Stockwerke darüber aus. Elf Menschen, darunter ein Kind, mussten wegen Augenreizungen in einem Rettungswagen der Berliner Feuerwehr ambulant behandelt werden. Auch ein Sicherheitsmann, der sich den Tätern in den Weg stellen wollte, wurde besprüht. (…)
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und HP-PLUS

Stattdessen mehren sich die Anzeichen für eine fortgesetzte Entfremdung zwischen Regierenden und Regierten. So erklärte unlängst Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig die Geburtenrate zum Indikator einer familienfreundlichen Politik:
Die Welt: Darf Familienpolitik noch Bevölkerungspolitik sein?
Schwesig: Gute Familienpolitik hat zur Folge, dass mehr Kinder geboren werden, aber sie sollte nicht in erster Linie die Geburtenzahlen im Blick haben. Sie sollte sowohl Familien, die bereits Kinder haben, helfen als auch solche mit Kinderwunsch unterstützen, diesen zu realisieren. Die Entscheidung für ein Kind ist eine individuelle und auch von Faktoren abhängig, die Politik – zum Glück – nicht beeinflussen kann. Das fängt bei der Partnerwahl an. Aber es gibt auch andere Faktoren, die eine Rolle spielen, eine familienunfreundliche Arbeitswelt zum Beispiel. Ich will mit meiner Politik Familien das Leben erleichtern. Wenn das gelingt, werden sich auch mehr Familien für Kinder entscheiden.
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(aus: Familienministerin: Schwesig will Entlastung für Alleinerziehende. Interview. Welt Online 14.12.14)

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siehe dazu:
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Weihnachten mit Geldsorgen
MEHR ALS 1,6 MILLIONEN KINDER LEBEN VON HARTZ IV
 
Teure Geschenke zu Weihnachten oder gar ein Skiurlaub sind für Hunderttausende Kinder in Deutschland nicht machbar. Denn laut Statistik lebt fast jedes sechste Kind in einer Familie, die auf Hartz IV angewiesen ist.
Berlin – Viele Eltern haben vor Weihnachten ein Luxusproblem: Was schenke ich meinem Kind, obwohl es schon genügend Spielsachen hat? In vielen Familien gibt es aber eine ganz andere Sorge: Welches Geschenk können wir uns überhaupt leisten? Denn jedes sechste Kind in Deutschland ist von Hartz-IV-Leistungen abhängig, wie eine Statistik der Bundesagentur für Arbeit zeigt.
"Besonders zu Weihnachten spüren viele Kinder, dass sie in ärmlichen Verhältnissen aufwachsen müssen", sagte die Arbeitsmarkt-Expertin der Linke-Fraktion, Sabine Zimmermann. "Für Hartz-IV-Beziehende ist es ungleich schwerer, ihren Kindern ein schönes Weihnachtsfest zu bescheren."
Nach den jüngsten offiziellen Zahlen waren im Juli mehr als 1,64 Millionen Unter-15-Jährige auf Hartz IV angewiesen oder lebten in einer Hartz-IV-Bedarfsgemeinschaft. Das waren 15,5 Prozent. Binnen eines Jahres war die Zahl um gut 7000 gestiegen. Bis zum Jahr 2012 ging die Zahl der von Hartz IV betroffenen Kinder unter 15 Jahren von zuvor teils deutlich höheren Werten bis auf 1,62 Millionen zurück. Seitdem gab es wieder einen leichten Anstieg. (…)

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Verbraucherschützer prangern Energiearmut in Deutschland an
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Geldknappheit macht sich kurz vor Weihnachten bei Hunderttausenden Menschen in Deutschland auch bei der Stromversorgung bemerkbar. Weil Rechnungen nicht bezahlt wurden, müssen viele Haushalte in diesen Tagen ohne Strom auskommen.
Allein im vergangenen Jahr wurde laut Bundesnetzagentur knapp 345.000 Kunden der Strom vorübergehend abgestellt. Die Verbraucherzentrale (VZ) geht von einer deutlich höheren Zahl aus und spricht von Energiearmut. Betroffen seien meist Geringverdiener, Senioren mit schmaler Rente, Bezieher von Hartz IV und Sozialhilfe oder Studenten, sagte Sylvia Groh von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.(…)
 

Und obwohl dieser Indikator trotz aller politischen „Modernisierungsanstrengungen“ (vgl. HBF-Kategorie: "Arbeitsmarkt- statt Familienpolitik") weiter auf niedrigem Niveau stagniert (vgl. HBF 08.12.14), die damit absehbaren und schon heute spürbaren vielfältigen Verwerfungen der Schrumpf-Alterung in unserem Land weiter an Dynamik gewinnen (vgl. HBF-Kategorie "Alterung / Folgen / Reaktionen"), macht (nicht nur – vgl. z.B. Die ZEIT in:  HBF 05.12.14 und Anmerkung 1) die Politik keine (vermeidungswürdigen) Verluste, sondern im Gegenteil nur neue „Chancen“ aus (vgl. dazu z.B.  HBF 17.04.13 und Bundesregierung 07.03.13).
Tatsächlich signalisiert der insgesamt kräftig gesunkene Stellenwert von Kindern im Land jedoch eine grundlegende Fehlentwicklung, die von respektierten Kritikern/innen jenseits der Pegida-Bewegung als selbstverschuldeter Niedergang einer Lebens- und Sozial(un)kultur verstanden wird:
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Kapitalismuskritik
Die Soziale Marktwirtschaft ist in Gefahr
Von FRIEDHELM HENGSBACH
 Beitrag hören
Friedhelm Hengsbach ist einer der renommiertesten Sozialethiker Deutschlands. (picture alliance / dpa / Horst Galuschka)
Der Jesuit Friedhelm Hengsbach fordert in seinem Sachbuch "Teilen, nicht töten" eine Ethik des Teilens in Deutschland und Europa. Für ihn ist die Soziale Marktwirtschaft in Deutschland fundamental gefährdet. Deshalb müssten die Reichen den Armen von ihrem Reichtum abgeben.
(…)
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Friedhelm Hengsbach: Teilen, nicht töten. Westend Verlag, Frankfurt am Main, 2014, 128 Seiten, 12,00 Euro
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Den O-Ton-Auszug  "Wachstumszwang beinträchtigt gelingende Partnerschaften von Männern und Frauen, die mit Kindern leben wollen" können Sie
HIER direkt hören
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siehe dazu auch:
Hengsbach: (….) Die Mehrheit der Menschen in Deutschland lebt unter ihren Verhältnissen. Es geht dabei nicht nur um materielle Güter, sondern um
vitale Bedürfnisse, die nicht befriedigt sind: Gelingende Partnerschaften, den Kinderwunsch sich frühzeitig zu erfüllen und nicht erst, wenn die Karriere so weit fortgeschritten ist, dass er sich erübrigt. In einer natürlichen Umwelt zu leben, die nicht krank macht. Vor allem: Autonomie über die eigene Zeit wieder zu gewinnen für sich, für Kinder, füreinander…”
 
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aus: “Mehrheit der Menschen in Deutschland lebt unter ihren Verhältnissen". Friedhelm Hengsbach im Interview. heute.de 24. Mai 2013
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Pegida
"Was heißt denn Islamisierung?"
Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Alois Glück. (picture alliance / dpa – Oliver Berg)
Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, ALOIS GLÜCK, hat sich dagegen ausgesprochen, die Pegida-Demonstrationen pauschal zu verurteilen. Im DLF sagte der CSU-Politiker, man müsse zwar mit den Demonstranten ins Gespräch kommen, sich aber auch dagegen wenden, dass andere Menschen abgewertet werden. (…)
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Alois Glück: Gleichzeitig werden ganz gezielt offensichtlich eben Stimmungen gegen die Muslime beispielsweise gezüchtet. Die Schwierigkeit ist ja bei der gesamten Bewegung, dass niemand so recht weiß, wie sie denn greifbar ist, wer steckt dahinter? Was sind die verschiedenen Positionen? Was heißt – und da würde ich einmal die Auseinandersetzung gerne beginnen – denn Islamisierung? Was ist damit gemeint? Ist damit gemeint, die Angst vor gewalttätigem Islam? Dann ist die Angst berechtigt, aber es ist gleichzeitig auch die Bedrohung für die Muslime schlechthin, wie wir in der Welt sehen. Und wir haben nicht die Gefahr einer Islamisierung allgemeiner Art. Die Radikalen kann man nur rechtsstaatlich entsprechend bekämpfen, und insofern müssen wir uns schon mal entschieden dagegen wehren, dass eben dann alles gleichgesetzt wird, Islam, Muslime sind gleich gefährlich. Genauso diffus ist das ganze Thema Abendland, christliches Abendland. Für welche Werte stehen denn die Menschen, was verbinden sie damit? Ich meine, die größte Bedrohung unserer Kultur ist gegenwärtig eher grenzenloser Materialismus. (…)
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SÜDDEUTSCHE ZEITUNG vom 22.12.2014, Wirtschaft
DIE ZEIT DER WÖLFE
Ob im Beruf oder Privatleben, der Wettbewerb bestimmt unser Leben. Doch der Konkurrenzkampf macht die Menschen unglücklich.
Von Thomas Rusche
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Unserer Gesellschaft geht das Wir-Gefühl verloren. Wozu auch „Wir-Gefühl“? Warum solidarisch sein und „mitfühlen“? Schließlich bin ich mir doch selbst genug. Niemand liebt mich so wie ich selbst. Ich tue alles für mich und arbeite hart an meiner Selbstoptimierung. Gesunde Ernährung, frische Luft und viel Bewegung helfen mir dabei, den Erfolgsdruck am Arbeitsplatz zu ertragen und dem Erwartungsdruck meiner Familie und Freunde standzuhalten. (….)
 
Ohne Solidarität kann der Mensch nicht sein. Die Wettbewerbsideologie isoliert den Menschen und züchtet Einzelkämpfer. So verarmt nicht nur die Gesellschaft, sondern auch das Individuum. Wenn wir hingegen die Nöte und Sehnsüchte unserer Mitmenschen so ernst nehmen wie die eigenen, verändert sich die Blickrichtung des Lebens. Aus dem Tellerrand unserer individuellen Nahinteressen wird der weite Horizont der Menschheit. Gelebte Solidarität endet dann nicht mehr am Zaun unserer Privatsphäre. Wie Nachbarn und Freunde gehören auch Asylsuchende und Obdachlose zu unserem Gemeinwesen, dessen menschenwürdige Ausgestaltung uns allen aufgetragen ist. Seien wir hilfsbereit und ansprechbar, wagen wir mehr Miteinander und Beziehungstiefe, denn das Glück finden wir im Leben nicht alleine.
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Thomas Rusche, ist geschäftsführender Gesellschafter der SØR Rusche GmbH, ein Textilunternehmen in Familienbesitz. Außerdem ist der 52-Jährige Wirtschaftsethiker und Kunstsammler.
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Arbeit und Leben
 DAS GANZE JAHR HERRSCHT VORWEIHNACHTSSTRESS
 
·Die Soziologin Jutta Allmendinger fordert eine Abkehr vom Vollzeit-Gebot.
·Sie schlägt eine Normalarbeitszeit von 32 Stunden in der Woche vor.
·Damit wären in bestimmten Lebensphasen längere Arbeitszeiten möglich, etwa direkt nach der Ausbildung oder dem Studium, oder wenn die Kinder aus dem Haus sind.
·Wenn die Familie mehr Zeit erfordert, können Arbeitnehmer Teilzeit arbeiten oder für eine gewisse Zeit pausieren.
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Gastbeitrag von Jutta Allmendinger, Präsidentin des Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB)

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Mit dem geplanten Freihandelsabkommen zwischen den USA und Europa soll jedoch das Primat des wettbewerbsgesteuerten Wirtschaftswachstums erklärtermaßen einen neuen Schub erhalten (vgl. dazu z.B. HBF 29.09.14). Von diesem Kurs wird sich aber die Regierung – christliche Weihnachtstimmung hin oder her – nicht abbringen lassen, wie die Bundeskanzlerin bereits deutlich gemacht hat:
 
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Umstrittenes Freihandelsabkommen
MERKEL MAHNT BEI TTIP ZUR EILE
Nach dem G20-Gipfel ist vor dem Freihandelsabkommen: In Australien warnt die Kanzlerin Deutschland und Europa davor, im globalen Wettbewerb abgehängt zu werden. Um dies zu verhindern, brauche man dringend das Bündnis mit den USA.

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GIPFEL
Merkel bremst Juncker aus
Kanzlerin blockiert Investitionsplan des EU-Kommissionschefs. Dafür TTIP schneller
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BRÜSSEL taz | Die Bauern kamen zu spät. Tausend Landwirte waren am Freitag nach Brüssel gereist, um gegen TTIP, das geplante EU-Freihandelsabkommen mit den USA, zu protestieren – doch der Gipfel der europäischen Staats- und Regierungschefs war längst vorbei. Zum ersten Mal seit Jahren hatten diese ihr Treffen vorzeitig beendet, schon am Donnerstagabend. Ungeachtet der Proteste soll TTIP nun schon im kommenden Jahr zu Ende verhandelt werden.
Eines der wenigen Ergebnisse des EU-Gipfels. (…)
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und HP-PLUS

Zum Thema siehe auch:

HBF-Infodienst 30. April 2006

Zum 1. Mai: 
Die unheimliche Botschaft des neuen Familienberichtes: 
Der Exportweltmeister produziert systematisch Kinderschwund! 
 

 


1)  vgl. dazu auch:

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 Selbstbestimmung im Gefrierschrank
Social Freezing – wie viel Autonomie birgt die Technisierung der Reproduktion?
Von Ulrike Baureithel
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(….) Ich bin eine Frau zwischen 50 und 60, und ich erinnere mich – trotz Pillenzeitalter – nur zu gut an die mich jeden Monat überfallenden Ängste. In meiner Generation gab es nicht diese wie irre umgetriebenen Frauen, die Ausschau hielten nach einem verantwortungsbereiten "Befruchter", denn am politischen Firmament standen andere Aufgaben als der "Kinderwunsch".
Wir hatten das Glück, in eine Zeit hineingeboren gewesen zu sein, die uns ein bisschen Zeit ließ für politische Irrungen und Wirrungen, für berufliche und private Umwege. Undich habe nicht den Eindruck, dass die heute kinderlosen Frauen allesamt todunglücklich sind, wie uns eine wunschkindsüchtige und gleichzeitig kinderfeindliche Gesellschaft suggeriert.
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Ulrike Baureithel ist Journalistin und Lehrbeauftragte an der Berliner Humboldt-Universität. Sie hat die Wochenzeitung Freitag mit begründet. Unter anderem engagierte sie sich in den 70er Jahren in der Anti-AKW-Bewegung in Freiburg, später in der Frauenbewegung. Heute befasst sie sich mit Entwicklungen in der Gen- und Repro-Technologie und mit sozialer Ungleichheit.
 Zu ihren Buchveröffentlichungen zählt "Herzloser Tod" (Klett-Cotta, 2001).

Veröffentlicht von admin

Leiter des Heidelberger Büros für Familienfragen und soziale Sicherheit