MEHR STAAT, WENIGER FAMILIE:
Kinderstudie dokumentiert zunehmenden Verlust an FREIHEIT und Demokratiefähigkeit
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Die verstärkte Erwerbsbeteiligung von Müttern in den letzten Jahren (vgl. HBF 30.01.15) führt zu einer immer stärkeren Institutionalisierung der Kindheit und Jugend. Bei vielen Familien ist das keineswegs das gewünschte Lebensmodell (vgl. zuletzt HBF 16.01.15). Auch bei den Kids findet dieser Wandel offenkundig wenig Beifall, wie eine aktuelle Repräsentativstudie zeigt (HPL). Selbst unter demokratiepolitischer Perspektive ist diese Entwicklung kaum als Fortschritt einzustufen.

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HBF-VOLLTEXT
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Die verstärkte Erwerbsbeteiligung von Müttern in den letzten Jahren (vgl. HBF 30.01.15) führt zu einer immer stärkeren Institutionalisierung der Kindheit und Jugend. Bei vielen Familien ist das keineswegs das gewünschte Lebensmodell (vgl. zuletzt HBF 16.01.15). Auch bei den Kids findet dieser Wandel offenkundig wenig Beifall, wie der gestern veröffentlichte Kinderreport 2015 des Deutschen Kinderhilfswerkes zeigt. Gerade in dem politisch erwünschten neuen Lebensumfeld für den Nachwuchs, den Kitas und Schulen, sind die Möglichkeiten zur Mitbestimmung für die Kinder und Jugendliche mit Abstand deutlich schlechter als bei ihren Eltern zu Hause:
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KINDERREPORT 2015 des Deutschen Kinderhilfswerkes:
Kinderrechte sind kein Gedöns
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(…) Bei den Mitbestimmungsmöglichkeiten von Kindern und Jugendlichen gehen die Umfragewerte sehr weit auseinander. Während die befragten Kinder und Jugendlichen die Mitbestimmung in der FAMILIE positiv sehen (Note 2,4), fallen die Mitbestimmungsmöglichkeiten in der Schule (3,3), im Wohnumfeld (3,7) und in der Kita (3,7) schon deutlich ab. Die Mitbestimmungsmöglichkeiten in der Kommune allgemein (4,3) und vor allem in der Bundespolitik (5,1) werden als sehr schlecht angesehen. Ein ähnliches Bild ergibt auch die Erwachsenenbefragung. Hier erreicht ebenfalls die Familie (2,2) den besten Wert, gefolgt von der Schule (3,2), dem Wohnumfeld (3,6) und der Kita (4,1). Die letzten Plätze belegen auch hier die Kommune allgemein (4,3) und die Bundespolitik (5,0). (…)
 
 
aus: Kinderreport 2015 des Deutschen Kinderhilfswerkes. Ausgewählte Ergebnisse. Januar 2015
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Noch bedenklicher dabei: Obwohl bereits 2010 ähnliche Befunde veröffentlicht worden sind, hat sich seither nichts gebessert:
 
Der Kinder- und Jugendreport zur UN-Berichterstattung über die Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention in Deutschland von 2010 kommt zu einem ganz ähnlichen Ergebnis: Die Mitbestimmungsmöglichkeiten werden dort in der Familie am besten bewertet, es folgen Schule und Wohnort auf den weiteren Plätzen. Auch die „Umfrage zum politischen Engagement", die das Deutsche Kinderhilfswerk im Jahr 2012 durchgeführt hat, bestätigt das recht hohe Maß an Mitbestimmung in der Familie, während die Beteiligung in der Schule dort als sehr schlecht bewertet wird. Der Vergleich dieser Umfrageergebnisse hat verdeutlicht, dass im Verlauf der letzten Jahre bei der Beteiligung von Kinder und Jugendlichen keine Fortschritte erzielt worden sind.
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aus: Kinderreport 2015 des Deutschen Kinderhilfswerkes. Bericht. S. 15
Selbst unter demokratiepolitischer Perspektive ist diese Entwicklung kaum als Fortschritt einzustufen, denn: Demokratie kann – wie jede andere Fähigkeit – nur durch Einübung in allen Lebens-, Bildungs- und Arbeitsbereichen entwickelt werden.