Kapitale_Illusionen_v_Offenbarungseid_090215p

Die KAPITALE ILLUSION:
Wenig Nachwuchs, aber wenigstens viel Geld – Doch wohin damit?
/ Kinderschwund-Republik vor der Ent-Täuschung
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Mit einer beispiellosen Geldflut versucht die Europäische Zentralbank (EZB) die gigantischen Staatsschulden in Westeuropa nicht außer Kontrolle geraten zu lassen und dabei zugleich der lahmenden Wirtschaft Schwung zu verleihen (HPL). Den Preis dafür zahlen (zunächst) die gesamte Finanzbranche (HPL) und ihre potenten Kunden/innen (HPL) wie der aktuelle SPIEGEL titelt (HPL). Damit steht die expertengestützte Hoffnung, den schwindenden Nachwuchs durch Geldanhäufung ersetzen zu könnnen ("Kapital statt Kinder") vor dem Offenbarungseid. Daran ändert selbst der neue deutsche Exportrekord nicht das Geringste (HPL). Das schwant heute auch dem deutschen „Renten-Papst“ a.D. (HPL), der dennoch seinen kardinalen Denkfehler weiterhin wortreich, aber faktenschwach verteidigt (HPL). Wo die Korrektur ansetzen müßte, war am Wochenende (HPL) und ist heute ebenfalls aus berufenem Munde zu hören (HPL). Trotzdem kann die laufende Elternklagen.de-Kampange der größten Familienverbände kaum auf die Unterstützung der neuen „Familienpartei“ SPD (HPL) rechnen.
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HBF-VOLLTEXT
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Mit einer beispiellosen Geldflut versucht die Europäische Zentralbank (EZB) die gigantischen Staatsschulden in Westeuropa nicht außer Kontrolle geraten zu lassen und dabei zugleich der lahmenden Wirtschaft Schwung zu verleihen:
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EZB-Anleihenkauf
DIE GROSSE GELDFLUT
Die Erwartungen waren gewaltig, und Mario Draghi hat sie noch übertroffen. Mit 1,1 Billionen Euro will der Chef der Europäischen Zentralbank die Wirtschaft der Eurozone beleben. Ein riskantes Manöver.

 

Den Preis dafür zahlen (zunächst) die gesamte Finanzbranche und ihre potenten Kunden/innen:
F.A.Z., Samstag den 07.02.2015 Die Lounge 22
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TSCHÜS, GUTE ALTE SPARKASSE
Die Sparer sind in der Niedrigzinsphase die Dummen, klagen die Sparkassen. Nicht zu Unrecht. Doch besonders dumm könnte es für sie selbst laufen. Auch die Banken sitzen in der Zinsfalle – und die schnappt bald richtig zu.
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Lebensversicherung
GARANTIEN IN GEFAHR?
91,8 Millionen Verträge auf knapp 81 Millionen Bundesbürger – im Schnitt besitzt jeder deutsche mehr als eine Lebensversicherung. Für viele ist der Kontrakt die finanzielle Absicherung im Alter, auf die man sich verlassen hat. Doch erst jetzt wird deutlich, dass der Liebling der Deutschen tiefer im Schlamassel steckt als gedacht.
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Bekannt ist bereits, dass Versicherer im Niedrigzinsumfeld zuletzt die laufende Verzinsung weiter abgesenkt haben – auf noch durchschnittlich 3,19 Prozent, wie das Analysehaus Morgen & Morgen bereits im Januar für das Handelsblatt ausgewertet hat. In der vergangenen Woche hatte die Ratingagentur Assekurata neben sinkenden Überschussbeteiligungen auch stark sinkende Beitragsrenditen festgestellt. Ein Mustervertrag mit einer Laufzeit von 25 Jahren bringt im Branchenschnitt nur noch eine garantierte Rendite von 0,42 Prozent.
Neu ist allerdings jetzt die Befürchtung einiger Branchenkenner, dass es den Versicherern wegen der aktuellen Niedrigzinsphase schon bald nicht mehr gelingen könnte, wichtige Reserven aufzubauen. Erste Experten sorgen sich gar, dass es Kunden an das Herzstück ihrer Altersvorsorge gehen könnte – an die Garantien.
Solche Gedankenspiele und Beispielrechnungen bieten ein beträchtliches Eskalationspotenzial. (…)
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WIRTSCHAFT ÄCHZT WEGEN EZB-POLITIK UNTER PENSIONSLAST
Signal-Iduna-Chef Leitermann: Ignoranz der politisch Verantwortlichen ist befremdlich
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mas. BERLIN, 2. Februar. Die Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank trifft den deutschen Mittelstand ins Mark. (…)
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F.A.Z., Donnerstag den 29.01.2015 Wirtschaft 18
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BUNDESBANK WARNT VOR WACHSENDER BLASEN-GEFAHR
Geldschwemme erhöht Risiko von Preisübertreibungen

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F.A.Z., Donnerstag den 22.01.2015 Unternehmen 19
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BANKEN PLAGT DER KOSTENDRUCK
Verband: Jedes Haus muss Geschäftsmodell überprüfen
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kann. Frankfurt, 21. Januar. Aufgrund der steigenden Kosten durch die Regulierung muss derzeit nach Ansicht des Bankenverbands jedes Kreditinstitut sein Geschäftsmodell überprüfen. (…) Der hohe Kostendruck auf der einen Seite und die schwindenden Ertragschancen durch das niedrige Zinsniveau auf der anderen dürften Kemmer zufolge auch zu weiteren Filialschließungen führen. (…)

In praktisch allen Bereichen der nationalen wie internationalen Finanzwelt herrscht Anlagenotstand, der den aktuellen SPIEGEL zum Sprachrohr und Ratgeber für die frustrierten deutschen Sparer macht:
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DER SPIEGEL 7.Februar, Nr.7 / 2015, S. 62 ff
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Finanzen
NULL NEGATIV
Die Deutschen sorgen sich um ihr Geld: Niedrigzinsen entwerten die Ersparnisse, klassische Anlageformen bringen wenig ein, der Lebensstandard im Alter ist in Gefahr. Eine Erkundungsreise zu Investment-Profis und Verbraucherschützern.

 

Damit steht die expertengestützte Hoffnung, den schwindenden Nachwuchs durch Geldanhäufung ersetzen zu könnnen ("Kapital statt Kinder") vor dem Offenbarungseid. Daran ändert selbst der neue deutsche Exportrekord nicht das Geringste:
 
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Trotz internationaler Krisen
Deutsche Wirtschaft exportiert so viel wie nie zuvor
Rekordjahr für den deutschen Außenhandel: Trotz der Ukraine-Krise und der Ebola-Epidemie erreichen die Exporte 2014 eine neue Bestmarke. Auch die Importe legen zu.
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zum Thema siehe auch:

Daß die Verschärfung und Potenzierung internationaler Krisen den Exportweltmeister Deutschland ins Mark treffen werden, zeigt die eskalierende Ukraine-Krise geradezu exemplarisch:
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Handel mit Russland
DEUTSCHE FIRMEN LEIDEN UNTER UKRAINE-KRISE
Die deutsche Wirtschaft schlägt wegen der Spannungen zwischen dem Westen und Russland Alarm. Zehntausende Arbeitsplätze stünden in Deutschland auf dem Spiel, wenn es nicht bald eine Lösung in der Ukraine-Krise gebe.
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und HP-PLUS
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Daran dürfte selbst das angestrebte Freihandelslabkommen zwischen Europa und den USA (TTIP) wenig ändern (vgl. z.B. HBF 29.09.14). Ohne ausreichend Wirtschaftswachstum (in einer ökologisch-sozial begrenzten Welt) wird das Geld der Anleger weder "arbeiten" noch Erträge "erwirtschaften" können.   
Das schwant auch Bert Rürup, dem deutschen „Renten-Papst“ a.D,  Architekten von Riester- und Rürup-Rente und Kapitalrentenberater. Im Handelsblatt plädiert er heute für eine elternfreundliche Politik. Allerdings verteidigt er seinen kardinalen Denkfehler weiterhin wortreich, aber faktenschwach – seine Behauptung, die erziehungsblinde Rentenversicherung sei keinesfalls (mit)schuld am deutschen Kinderschwund, der seit Mitte der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts in Deutschland grassiert.
Handelsblatt 09.02.2015 Seite 012 / Leitartikel
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Meinung
LEITARTIKEL
Der Irrglaube mit der Rentenpolitik
Die gesetzliche Rentenversicherung hat keinen Einfluss auf die Geburtenrate, erklärt Bert Rürup.
 
(…) Spiritus Rector der Ökonomen, die in unserer Rentenversicherung die wichtigste Ursache für niedrige Geburtenzahlen sehen, ist Hans-Werner Sinn. Der Präsident des Ifo-Instituts (…..) In unserer umlagefinanzierten Rentenversicherung finanzieren in erster Linie die dort versicherten Arbeitnehmer mit ihren Beiträgen die laufenden Renten. Die Höhe einer Rente richtet sich dabei – vereinfacht – nach den zuvor gezahlten Beiträgen. Die für den Fortbestand dieses Rentensystems erbrachten Leistungen, nämlich Kinder zu erzeugen und zu erziehen, die 'generativen Beiträge', werden nicht honoriert. Daher sieht Sinn in dieser Versicherung (…) eine 'Versicherung gegen die Kinderlosigkeit und die daraus entstehende Altersarmut' und die entscheidende Ursache für die niedrige Geburtenrate. Dadurch sei bei uns 'eines der wichtigsten Motive für den Kinderwunsch erloschen'. (….)

Bert Rürups Darstellung nach gäbe es keine einzige empirische Studie, die einen Zusammenhang zwischen der umlagefinanzierten Rentenversicherung und dem Rückgang der Kinderzahlen nachgewiesen hätte. Das mag richtig sein. Aber genauso richtig ist die banale Tatsache, daß über Jahrtausende und über die unterschiedlichsten Kulturen hinweg oder heute noch in den bevölkerungsreichsten Ländern dieser Welt Kinder stets als selbstverständliche Garanten der Alterversorgung galten und gelten. Zudem hat es bislang – aus Mangel an politischem Interesse – keine einzige Studie gegeben, die systematisch erfragt hätte, wie die Entscheidung für Kinder ausfallen würde, wenn das Renten(kürzungs)konzept für Kinderlose von Hans-Werner Sinn oder dem Sozialexperten Jürgen Borchert konsequent umgesetzt würde. Angesichts der breiten Ernüchterung über die "Kapital-Rente" in der Bevölkerung und der neuen Wertschätzung für die gesetzliche Rente dürften wohl sehr viele junge Menschen die Entscheidung für eigenen Nachwuchs in einem anderen Licht als heute sehen.
Zudem hatte Bert Rürup noch vor der Jahrtausendwende ein Analyse für die Ursache der wachsenden Rentennöte geliefert, die sich im Kern mit der von Hans-Werner Sinn oder Jürgen Borchert deckt:

"Die durch demografische Entwicklung vorprogrammierten Belastungen unseres Rentensystems bis zum Jahr 2040 rühren zu einem Drittel aus der Zunahme der Lebenserwartung und zu zwei Dritteln aus der Geburtenentwicklung her."

Prof. Bert Rürup (Berater der Rentenminister Norbert Blüm, Walter Riester und Ulla Schmidt, "Wirtschaftsweiser" und Vorsitzender des Sachverständigenrates) – in: Wohlfahrtsstaatliche Politik in der globalisierten Informationsgesellschaft / Bert Rürup. Bonn, 1998. – 26 S., Friedrich-Ebert-Stfiftung (FES-Analyse)  Electronic ed.: Bonn: FES Library, 1999

Damit liegt eigentlich auf der Hand, wo die grundlegenden demographiepolitischen Korrekturen als erstes ansetzen müßten. Genau das und noch weitere Schritte waren auch am Wochenende in einem langen Interview des DeutschlandradiosKultur mit dem Sozialrichter a.D. Jürgen Borchert zu erfahren:

DeutschlandRadio Kultur, Tacheles  | Beitrag vom 07.02.2015, 17:30-18:00 Uhr

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Sozialexperte JÜRGEN BORCHERT
"Familien werden systematisch benachteiligt"
Jürgen Borchert zählt zu den profiliertesten Sozialexperten Deutschlands und streitet seit über 35 Jahren für Reformen. Der Ex-Richter erläutert in "Tacheles" seine Überzeugung, dass die deutsche Sozialpolitik zutiefst unsozial und ungerecht sei: im Steuersystem, bei den Sozialabgaben, in der Familienpolitik, bei der Rente und Hartz IV.
Moderation: Martin Steinhage

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Zu Gast in der Sendung Tacheles: Jürgen Borchert (imago)
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Deutschlandradio Kultur: Mein Gast heute wird gelegentlich als der "Robin Hood für die Familie" bezeichnet und er gilt als einer der profiliertesten Sozialexperten Deutschlands. Seine Erfolge vor allem im Interesse von Familien hat er nicht etwa als Politiker oder als Verbandsfunktionär erzielt, sondern als Jurist – als Richter und als Sachverständiger. – Guten Tag, Jürgen Borchert. (…)
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Beitrag hören

Ins selbe Horn stößt heute Tilman Mayer, Politikprofessor an der Universität Bonn und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Demographie e.V., in einem Gastbeitrag für die FAZ. Die "Demographie-Strategie" der Bundesregierung, so seine Kritik, habe eine entscheidende Lücke, wenn sie sich nur darauf beschränke, die Folgen der demographischen Wandels (= Schrumpf-Alterung) zu mildern, anstatt ihre zentrale Ursache anzugehen – den Geburtenmangel. Hier könne die Politik durchaus erfolgreich gestalten, wie etwa das Beispiel Frankreichs bestätige:
F.A.Z., Montag den 09.02.2015 Wirtschaft 16
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ES IST NIE ZU SPÄT FÜR EINEN NEUANFANG
Plädoyer für eine Demographiewende durch eine aktivierende Familienpolitik
 Von Tilman Mayer
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Die Wirtschaft ist unser Schicksal – dieser Ansicht war Walther Rathenau vor hundert Jahren. Zwischenzeitlich wird man sagen müssen: Die Demographie ist unser Schicksal – und zwar dann, wenn wir die demographische Stagnationsphase fortsetzen und nicht intervenieren. Die demographische Lage stellt sich eindeutig dar. (…)
Demographiepolitik muss das ganze Spektrum des demografischen Wandels ernst nehmen und sich insofern, wie die Demographiestrategie dies auch andeutet: um die Folgen kümmern. Was allerdings strategisch nicht diskutiert wird, ist die Geburtenrate, also die pulsierende Quelle allen Wandels. Demographie wird gerne als Schicksal dargestellt. (…) Man übersieht dabei, dass Frankreich sich im neunzehnten Jahrhundert in einer ganz ähnlichen, demografisch ungünstigen Situation wie Deutschland heute befand. Die Franzosen und ihrer Regierungen haben aber den Willen, durch aktive Politik die Geburtenzahl zu stärken. Sie haben erfolgreich eine Demografie-Wende geschafft.
Der generative Beitrag von Familien zur Garantierung der sozialen Sicherungssysteme, also dass Kinder geboren werden, bedarf einer Aufwertung, er müsste im Rentensystem besser berücksichtig werden, wie es das Bundesverfassungsgericht schon vor Jahren anmahnte. Doch statt eine aktivierende Familienpolitik stärker in den Blick zu nehmen, steht für die Politik auf der Agenda ganz oben die Zuwanderung. (…)

 

Genau diesen generativen Beitrag der Familien in allen (altersabhängigen) sozialen Sicherungssystemen leistungsgerecht zu berücksichtigen, ist das Ziel der laufenden Elternklagen.de-Kampange, die von den beiden größten Familienverbänden im Land letzte Woche gestartet worden ist. Doch selbst wenn die SPD plant, sich für die nächste Bundestagswahl als neue „Familienpartei“ zu präsentieren, wird sie diesen Vorstoß parlamentarisch nicht unterstützen. Nach Ansicht der Genossen/innen müsse die staatliche Famienhilfe den Eltern mehr Zeit verschaffen – durch eine weitere Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf:
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SPD entdeckt die "gehetzte Generation"
 Wie einbetoniert liegt die SPD bei Meinungsumfragen um die 25 Prozent. Nun will die Partei sich zur Besserung der Lage um eine neue Zielgruppe kümmern – die "gehetzte Generation" der 30- bis 50-Jährigen. SPD-Chef Gabriel sieht hier eine große Baustelle.
 
 Als Antwort auf ihr Umfragetief möchte die SPD Teilzeitmodelle für die "gehetzte Generation" der 30- bis 50-Jährigen erarbeiten. "Wir wollen stärker die arbeitende Mitte in den Blick nehmen", sagte Generalsekretärin Yasmin Fahimi vor der zweitägigen Klausur der SPD-Spitze im brandenburgischen Nauen. Parteichef Sigmar Gabriel sprach zum Auftakt der Klausur von einer "großen Baustelle". Laut SPD wird dabei über neue steuerfinanzierte Modelle nachgedacht, mit denen Eltern ihre Arbeitszeit reduzieren können und damit mehr Zeit für ihre Kinder haben.
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Druck in der "Rush Hour des Lebens"
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 Familienministerin Manuela Schwesig betonte, die Anforderungen im Beruf würden bei vielen immer heftiger – es gehe um mehr Angebote für die Generation der 30- bis 50-Jährigen. "Sie spüren, dass sie in der Rush Hour des Lebens immer stärker unter Druck geraten." Fahimi sagte, es gehe um die "Menschen, die hart arbeiten, die eine Familie gründen, ihr Heim einrichten, womöglich noch Angehörige pflegen – in deren Leben viel gleichzeitig passiert."
Bei der Gruppe der 30- bis 50-Jährigen, der sogenannten gehetzten Generation, hat die SPD viel Zustimmung verloren. Schwesig sprach von dem Wunsch nach mehr Entlastung, etwa durch eine "Familien-Arbeitszeit", also Teilzeitmodelle für Väter und Mütter sowie bessere Kinderbetreuungsangebote. Für all diese Fragen richtet die SPD laut Fahimi ein "Themenlabor" ein, das Schwesig leitet.
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und HP-PLUS
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siehe dazu auch:
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Zum Thema siehe auch:

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Veröffentlicht von admin

Leiter des Heidelberger Büros für Familienfragen und soziale Sicherheit