Jako-o Bildungsstudie:

Eltern die neuen Leistungsverweigerer?

– Umfragedaten (k)ein (offensichtlicher) Grund zur politischen Sorge

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HBF-Aktuell, Tübingen 12. September 2014, erstellt 14:32 Uhr, Stand 16:08 Uhr

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Eltern lehnen den Vorrang des Leistungsprinzips in der Schule mehrheitlich ab! – so ein zentrales Ergebnis der 3. Jako-o-Bildungsstudie (HPL). Für einzelne Redaktionen ist das Anlaß, sich ernsthafte Sorgen um die Zukunftsfähigkeit des Landes zu machen (HPL). Allerdings scheint die per Umfrage ermittelte neue „Gelassenheit“ der Eltern (HPL), wohl eher auf dem Papier als in der Wirklichkeit zu existieren. Das zeigt nicht nur der genauere Blick auf die Studiendaten (HPL), sondern auch auf die bundesdeutsche Wirklichkeit (HBF 2014 und OECD 2014). Politisch gibt es aus dieser Perspektive heraus demnach keinen (offensichtlichen) Grund zur Sorge. Bei den Konsequenzen aus dieser Grundeinstellung sieht das jedoch anders aus (HPL) – selbst beim beifälllig quittierten Ruf nach „mehr Ganztagsschulen“ (HPL).

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HBF-VOLLTEXT

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Eltern lehnen den Vorrang des Leistungsprinzips in der Schule mehrheitlich ab! – so ein zentrales Ergebnis der 3. Jako-o-Bildungsstudie:

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Wichtigkeit politischer Bildungsziele aus Elternsicht 2014 - HBF-Daten

aus: 3. Jako-o-Bildungsstudie. Grafiken zu den Ergebnissen.pdf – weitere Ergbenisse: siehe HBF-Premium

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Für einzelne Redaktionen ist das Anlaß, sich ernsthafte Sorgen um die Zukunftsfähigkeit des Landes zu machen:

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Die Welt 11.09.14

ELTERN VON SCHULKINDERN HALTEN NICHTS VOM LEISTUNGSPRINZIP

Große Mehrheit ist für Einführung eines bundesweiten Zentralabiturs. Nachwuchs soll möglichst wenig Stress haben

Von Thomas Sebastian Vitzthum

Kein Wunder, dass die FDP kein Bein mehr auf den Boden bekommt. „Leistung muss sich wieder lohnen“, das war lange Zeit einer ihrer zentralen Slogans. Doch Leistung ist in Deutschland ein wenig in Verruf geraten. „Leistungsgesellschaft“, das ist zu einem Begriff avanciert, mit dem der missliebige Zustand ständiger Überforderung beschrieben wird. Dies trifft auch und gerade für die Sphäre der Schulen zu. Eltern wollen zwar, dass ihre Kinder gute, ja sehr gute Leistungen bringen, aber dies soll bitte nicht Ergebnis des Leistungsprinzips sein. (…)

Warum es 16 Bildungssysteme geben muss, ist den Menschen völlig schleierhaft. Also votieren überwältigende 92 Prozent der Eltern für ein bundesweites Zentralabitur. Man kann von den Eltern nicht erwarten, dass sie sich die Folgen eines solchen Schritts vergewärtigen. Diese wären allerdings gravierend: Das Abitur müsste an einem Tag stattfinden, unterschiedliche Ferientermine wären damit passé. Was das für die individuelle Urlaubsplanung und den Platz an der Sonne hieße, kann man sich vorstellen.

Doch das ist es nicht allein. Erfahrungen aus den Bundesländern zeigen, dass überall dort, wo das Zentralabitur eingeführt wurde, das Anforderungsniveau sinkt. (…)

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Allerdings scheint die per Umfrage ermittelte neue „Gelassenheit“ der Eltern…

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DIE ZEIT No 37, 4. SEPTEMBER 2014, CHANCEN

»SIE SIND GELASSENER GEWORDEN«

Was wünschen sich Eltern von der Schule? Eine Studie kommt zu überraschenden Ergebnissen.

Ein Gespräch mit der Schulreformerin Barbara Riekmann

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weitere Einzelheiten bei HBF-Premium

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…wohl eher auf dem Papier als in der Wirklichkeit zu existieren. Das zeigt nicht nur der genauere Blick auf die Studiendaten. Befragt wurden Eltern von schulpflichtigen Kindern im Alter bis zu 16 Jahren. Obwohl lediglich 25% dieser Eltern ihren Nachwuchs im Gymnasium hatten (vgl. HBF-Premium ), gaben jedoch 56% aller Mütter und Väter das Abitur als angestrebten Bildungsabschluß an.

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Gewünschter Bildungsabschluß / Elternwünsche 2014 - HBF-Daten

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Angesichts der Ausgangslage dürfte das von den Eltern erwünschte Bildungsziel also kaum ohne erheblichen Leistungsdruck auf die Kinder erreichbar sein. Dafür spricht ebenfalls, die weiterhin hohe Aufmerksamkeit, die Eltern den Schulleistungen ihrer Kinder widmen:

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Elternunterstützung für ihre Kinder in der Schule, 2010-2014 - HBF-Daten

siehe dazu auch die Familien-Beilage der aktuellen DIE ZEIT (HBF-Premium)

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Auch die bundesdeutsche Wirklichkeit mit dem tatsächlich beobachtbaren Verhalten der Eltern zeugen kaum von der befürchteten Leistungsverweigerung. So ist nach dem Wegfall der verbindlichen Grundschulempfehlung in vielen Bundesländern die Bereitschaft von Eltern sprunghaft gestiegen, ihre Kinder gegen den Rat der Lehrer/innen aufs Gymnasium zu schicken, obwohl sie dort offenkundig überfordert sind (vgl. HBF 15.08.14).

Das elterliche Streben nach einem möglichst hohen Bildungsabschluß für den Nachwuchs wird zudem von den Anfang der Woche veröffentlichten Daten der OECD über die Bildungsrendite der unterschiedlichen Qualifikationsstufen bestärkt:

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OECD (Berlin/Brüssel, 9. September 2014)

Soziale und ökonomische Teilhabe durch Bildung:

Deutschland muss seine Chancen nutzen

In Deutschland erwerben so viele junge Leute wie noch nie einen tertiären Abschluss, etwa an einer Hoch-, einer Fachschule oder als Meister. (…)

Dies ist vor allem deshalb bedenklich, weil sich die soziale Kluft zwischen gut und weniger gut ausgebildeten Menschen in den vergangenen Jahren erheblich vertieft hat: (..)

Mindestens ebenso stark ins Gewicht fällt der Unterschied zwischen den Einkommen der verschiedenen Bildungsstufen. Im OECD-Durchschnitt hat sich der Einkommensvorteil, den tertiär gebildete Berufstätige gegenüber Menschen ohne entsprechenden Abschluss haben, von 51 Prozent im Jahr 2000 auf 59 Prozent erhöht. In Deutschland ist die Lücke noch ausgeprägter: 2012 verdienten Hochqualifizierte 74 Prozent mehr als Erwerbstätige, die nach der Realschule oder dem Gymnasium weder zur Uni noch zur Fach(hoch)schule oder in einen Meisterkurs gegangen waren. Im Jahr 2000 hatte dieser Vorsprung erst bei 45 Prozent gelegen. (…)

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Politisch gibt es aus dieser Perspektive heraus demnach keinen (offensichtlichen) Grund zur Sorge. Bei den Konsequenzen aus dieser Grundeinstellung sieht das jedoch anders aus. So stößt die derzeit politisch forcierte Inklusion von „behinderten“ Kindern in die Regelschulen auf massive Vorbehalte der Eltern – vor allem, wenn sie das Leistungsniveau der „nicht behinderten“ Kinder beeinträchtigen könnte:

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Inklusion an Gymnasien aus Elternsicht 2014 - HBF-Daten

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Die hohe Leistungsorientierung der Eltern dürfte darüber hinaus ein maßgeblicher Faktor dafür sein, daß die Zufriedenheit mit den Lehrern weiter sinkt (HBF-Premium)

Und trotz großer Kritik an den Privatschulen blicken die meisten Eltern neidvoll auf deren Leistungsvermögen (HBF-Premium).

Schließlich dürften die weiterhin hohen Leistungserwartungen der Mütter und Väter auch ein Grund dafür sein, daß der polit-medial beifälllig quittierte Ruf nach „mehr Ganztagsschulen“ in der Jako-o-Studie nicht nur stagniert. Gegenüber der Befragung 2012 ist zwar der Wunsch nach mehr Ganztagsschulen in der freiwilligen („offenen“) Form leicht gewachsen(+2%); bei der politisch besondes unterstützten verpflichtenden („gebundenen“) Variante ist jedoch im Gegenzug leicht gesunken (-2% – siehe HBF-Premium)

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Zum Thema siehe auch:

 

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