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Nachwuchspolitik (1):

Nur noch ein Thema für autoritäre Regime?

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HBF-AKTUELL Tübingen 07. Juli 2014, erstellt 19:00 Uhr, Stand 21:52 Uhr

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Immer mehr Regionen und Teile der Volkswirtschaft kämpfen verbissen gegen die Folgen des Kinderschwunds (HPL). Trotzdem beschränkt sich die Bundesregierung weiterhin auf die „Gestaltung“ des „demographischen Wandels“ (= Schrumpf-Alterung – vgl. dazu die offizielle Demographie-Strategie – in: HBF-Infodienst 2012). Lediglich einige autoritär regierte Staaten setzen darauf, bei der Ursache dieser Entwicklung anzusetzen (HPL) und berichten jetzt von ersten Erfolgen (HPL). Die Faktoren, die zu dieser (vorläufigen) Trendumkehr geführt haben, sind auch für das hiesige Publikum wissenswert (HPL).

Nicht nur das wäre Anlaß für die Bundesregierung, ihren Kurs des demographischen Minimalismus zu überdenken. Auch eine international einflußreiche Wirtschaftsorganisation lieferte gerade erst handfeste Daten, die die „Chancen des Alterns“ weniger rosig ausmalen (HPL).

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HBF-VOLLTEXT

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Immer mehr Regionen und Teile der Volkswirtschaft bekommen die Folgen des Kinderschwunds zu spüren und kämpfen verbissen dagegen an:

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Welt Online 04.07.14

Ärztemangel

TAUSENDE HAUSÄRZTE BANGEN UM IHRE ALTERSVORSORGE

 Jeder vierte Haus- und Facharzt will in den nächsten fünf Jahren seine Praxis abgeben. Doch die meisten von ihnen haben noch keinen Käufer gefunden. Damit wackelt die Altersvorsorge für Tausende Ärzte.14

 Von  Claudia Kade

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SÜDDEUTSCHE ZEITUNG vom 07.07.2014

Letzte Chance für die Kleinen

In Sachsen-Anhalt droht vielen Grundschulen das Aus, doch die Bürger kämpfen für deren Erhalt. Sogar die Wirtschaft will helfen

Dass Sachsen-Anhalt das „Land der Frühaufsteher“ sei, dürften dort viele Eltern nicht länger als Werbeslogan verstehen, sondern als Kampfansage. Denn die Pläne der Landesregierung, in großem Umfang Grundschulen zu schließen, bedeuten für viele Eltern längere Schulwege – und noch früher aufzustehen. (…)

Überraschende Unterstützung bekommt Romoser von der Wirtschaft. „Wenn Schulen geschlossen werden, verschwinden die jungen Familien – und mit ihnen bald auch die lokale Wirtschaft“, sagt Matthias Menger, Geschäftsführer beim Verband der Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbände Sachsen-Anhalts. Für die Unternehmen ist Schulpolitik Standortpolitik. (…)

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Weitere Informationen zum Widerstand der Eltern, ihren Aktivitäten und dem Medien/Politik-Echo auf der Internetseite: Grundschulen vor Ort!! Aktionsbündnis Sachsen-Anhalt

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Trotzdem beschränkt sich die Bundesregierung weiterhin auf die „Gestaltung“ des „demographischen Wandels“ (= Schrumpf-Alterung – vgl. dazu die offizielle Demographie-Strategie – in: HBF-Infodienst 30.04.12). Lediglich einige autoritär regierte Staaten setzen darauf, bei der Ursache dieser Entwicklung anzusetzen:

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RIA Novosti MOSKAU, 23. Januar 2013

Putin kündigt Drei-Kinder-Politik an

Familien mit drei Kindern müssen in Russland, dessen Bevölkerung seit den 90er Jahren rückläufig war, laut Präsident Wladimir Putin zur Norm werden und die Regierung muss die notwendigen Voraussetzungen dafür schaffen.

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mehr zum Thema

  • Russland stirbt aus – Immer weniger Erwerbsfähige

  • Bevölkerungsschwund in Russland: 25 Millionen weniger Menschen bis 2050 – „RBC daily“

  • Russlands Bevölkerung nimmt weiter ab – Statistikbehörde

  • Medwedew: Kampf gegen demographische Krise ist vorrangig

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SPIEGEL Online 29. Mai 2014, 13:30 Uhr

Lockerung der Ein-Kind-Politik

China plant mit zwei Millionen mehr Babys pro Jahr

Weil in China mehr Familien zwei Kinder bekommen dürfen, rechnet die Regierung mit einer regelrechten Babyschwemme: Zwei Millionen zusätzliche Geburten soll es pro Jahr geben.

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Russland kann jetzt sogar von ersten Erfolgen berichten. Die Faktoren, die zu dieser (vorläufigen) Trendumkehr geführt haben, sind auch für das hiesige Publikum wissenswert:

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DeutschlandRadio Kultur, Europa heute / Beitrag vom 07.07.2014

Russlands Präsident Wladimir Putin besucht eine frisch gebackene Mutter. (AFP / Ria Novosti / Alexey Nikolsky)

 

Demografie

BABYBOOM IN RUSSLAND

Es sind die Probleme vieler Wohlstandsgesellschaften: rückläufige Geburtenzahlen und die Überalterung der Gesellschaft. Viel wird darüber diskutiert, weshalb weniger Kinder geboren werden und über die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Russland hat es geschafft, eine Trendwende herbeizuführen.

Von Gesine Dornblüth

 

Eine städtische Geburtsklinik in Rostow am Don, einer Großstadt im Süden Russlands. (…)

In einem Einzelzimmer wartet Galina auf ihre Entlassung. Neben ihr liegt Töchterchen Rosalia, sechs Tage alt. Es ist ihr drittes Kind.

„Wir haben uns ganz bewusst dafür entschieden. Unsere Familienverhältnisse sind stabil. Ich vertraue meinem Mann. Ich fühle mich beschützt. Warum also keine Kinder kriegen?“

Galina beschreibt einen Trend, der ganz Russland erfasst hat. 2013 überschritt die Geburtenrate in Russland die Sterberate – erstmals seit 1991. Präsident Putin hat schon vor Jahren erklärt, eine Hauptaufgabe der russischen Politik sei es, den Bevölkerungsrückgang zu stoppen. Er betont den Wert der Familie, besonders der Großfamilie, und der Mutterschaft. Vor dem Hintergrund wurden finanzielle Anreize geschaffen. Seit einigen Jahren zahlt der Staat ab dem zweiten Kind Geburtenprämien: Umgerechnet rund 10.000 EUR.

Gerade in den russischen Provinzen ist das viel Geld. Die Einmalzahlung ist zweckgebunden: Wer sie in Anspruch nimmt, kann damit entweder die eigenen Wohnverhältnisse verbessern, die Ausbildung der Kinder finanzieren oder die Altersvorsorge der Mutter aufstocken. (…)

Zusätzlich zu den Geburtenprämien hat Russland auch den gesetzlichen Mutterschutz verbessert. Arbeitgeber sind verpflichtet, Müttern ihren Arbeitsplatz bis zu drei Jahre nach der Geburt freizuhalten. (…)

Die dreifache Mutter Galina schreckt das nicht. Sie ist bereit, gern noch länger zuhause zu bleiben. „Wenn ich unseren Präsidenten anschaue, gewinne ich mehr und mehr die Überzeugung, dass die Situation in unserem Land stabil ist. Das heißt, dass mein Mann auch weiterhin gut verdient. Wenn meine Gesundheit es erlaubt, möchte ich noch ein viertes Kind bekommen.“

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HBF-Anmerkung:

Die russische Geburtenrate steigt zwar seit der Jahrtausendwende kontinuierlich wieder an, liegt aber mit 1,54 Kindern/Frau immer noch unter dem bestandserhaltenden Niveau. Wenn die Geburtenrate dennoch erstmals die Sterberate übertrifft, dann muß es auch Veränderungen bei der lange Zeit geringen Lebenserwartung gegeben haben. Tatsächlich steigt auch sie seit Mitte der 2000er Jahre – vgl. dazu ausführlich: RUSSLAND NEU GEZÄHLT. Was die jüngsten Zensusergebnisse über Russlands Bevölkerungsentwicklung verraten. Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung 03.06.2014

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Nicht nur das russische Beispiel wäre Anlaß für die Bundesregierung, ihren Kurs des demographischen Minimalismus zu überdenken. Auch eine international einflußreiche Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) lieferte gerade erst handfeste Daten, die die „Chancen des Alterns“ weniger rosig ausmalen:

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OECD-Begleitinformation an die Medien 02.07.14

Das globale Wachstum wird in den kommenden Jahrzehnten sinken, während sich die Einkommensungleichheit vergrößert.

Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, die sich damit beschäftigt, wie die Welt im Jahr 2060 aussehen könnte. Policy Challenges for the Next 50 Years geht davon aus, dass das jährliche Wachstum des globalen Bruttoinlandsprodukts (BIP) von durchschnittlich 3,6 Prozent in den Jahren 2010-20 auf 2,4 Prozent zwischen 2050-60 sinken wird. Die Hauptgründe für das gebremste Wachstum sehen die Autoren der Studie in der Bevölkerungsalterung in vielen OECD-Ländern und in den rückläufigen Wachstumsraten großer Schwellenländer. Aber auch der Klimawandel könnte das globale BIP bis 2060 um 1,5 Prozent verringern. Die stärksten Einbußen daraus hätte laut Analyse der Autoren Südost-Asien, wo das BIP um ganze 5 Prozent zurückgehen könnte. Eine weitere große Herausforderung für die Länder der OECD macht die Studie in der wachsenden sozialen Ungleichheit aus. Sollte sich die Politik im OECD-Raum nicht ändern, könnten 2060 in vielen OECD-Ländern in etwa jene Einkommensunterschiede herrschen, wie sie heute schon in den USA zu sehen sind.

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Die Höhe der voraussichtlichen demographisch bedingten Wachstumsverluste dürften nach den Berechnungen der OECD wie folgt aussehen:

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Nachwu1

 

Zum Thema siehe auch:

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Veröffentlicht von admin

Leiter des Heidelberger Büros für Familienfragen und soziale Sicherheit

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