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Eltern: „Mehr Zeit für Kinder!“

Bundesregierung: „Mehr Zeitflexibilität ist die Lösung“

/ Neue Broschüre des Familienministeriums dokumentiert grundlegendes „Kommunikationsproblem“

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HBF-AKTUELL Tübingen 25. Juni 2014, erstellt 21:15 Uhr

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Familien leiden unter massivem Zeitmangel. Spätestens seit dem 8. Familienbericht (vgl. HBF 28.10.11) ist das auch der Bundesregierung bekannt. Jetzt hat das Bundesfamilienministerium eine Broschüre veröffentlicht, die Abhilfe zu organisieren verspricht:

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Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Mo. 23.06.2014

Monitor Familienforschung, Ausgabe 33

Mehr Zeit für Familien – kommunale Familienzeitpolitik in Deutschland

Der Monitor gibt einen Überblick über die zeitpolitischen Maßnahmen des Bundesfamilienministeriums seit dem Achten Familienbericht. Der Monitor zeigt u. a. Ergebnisse aus Modellprojekten zu kommunaler Familienzeit und diskutiert Kosten und Nutzen für Kommunen, wenn sie eine Zeitpolitik für Familien vor Ort umsetzen.

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Tatsächlich offenbart diese Broschüre ein grundlegendes „Kommunikationsproblem“ zwischen Politik und Familien, wie die gegen den Strich gelesen Regierungsdaten dokumentieren:

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Für viele Familien ist Zeit inzwischen sogar wichtiger als Geld: Mehr als sechs von zehn Befragten (63 Prozent) würden „mehr Zeit“ gegenüber „mehr Geld“ vorziehen.[1]

Eine wesentliche Ursache für Zeitprobleme im Familienalltag ist der Wunsch von Eltern, Familie und Beruf zu vereinbaren. (…)

Viele Eltern wünschen sich vor allem unter der Woche mehr Zeit für die Familie. Für Mütter gilt dies umso mehr, je umfangreicher sie erwerbstätig sind. Aber auch 72 Prozent aller Väter und immerhin die Hälfte der nicht erwerbstätigen Mütter wünschen sich im Alltag mehr Zeit für die Familie.[1] Erwerbstätige Eltern sehen insbesondere die beruflichen Anforderungen als Grund dafür, dass ihnen die Zeit für anderes fehlt. So geben 65 Prozent der Väter und 70 Prozent der vollzeiterwerbstätigen Mütter an, dass sie viel arbeiten müssen und beruflich stark gefordert sind. Ungünstige Arbeitszeiten, die zu Zeitproblemen führen, beklagen insgesamt 28 Prozent der Väter und 37 Prozent der vollzeiterwerbstätigen Mütter.[2]

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Trotz dieser klaren Daten empfiehlt das Bundesfamilienministerium den Kommunen, Eltern nicht bei der Arbeitszeitverkürzung zu helfen, sondern ihre „Synchronisationsprobleme“ zu lösen:

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Zeitliche Konflikte entstehen vor allem dadurch, dass Familien in verschiedene Zeitregime eingebunden sind, die nicht aufeinander abgestimmt sind. Durch die zunehmende Erwerbstätigkeit beider Eltern betrifft dies zum einen die berufliche Sphäre, die mit ihren festen Zeitstrukturen bestimmte Grundanforderungen an den zeitlichen Alltag der Familie stellt. Auf der anderen Seite bestehen in Familien kindliche Zeitbedürfnisse, die einer ganz eigenen Logik folgen. (…)

Der Zeitstress, den Familien in ihrem Alltag erleben, ist jedoch nicht nur durch die Aufwendung von Zeit in Familie und Beruf bedingt. Zeitkonflikte entstehen für Familien vor allem häufig durch eine ungenügende Synchronisation von Zeiten in den verschiedenen familialen Lebensbereichen vor Ort, etwa von Arbeitszeiten, Betreuungszeiten in Kita und Schule, Sprechzeiten in Ämtern und bei Ärztinnen und Ärzten, Ladenöffnungszeiten sowie zeitlichen Taktungen im öffentlichen Nahverkehr[1]

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Zum Thema siehe auch:

 

 

 

Veröffentlicht von admin

Leiter des Heidelberger Büros für Familienfragen und soziale Sicherheit

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