Diktat_der_Demografie_160414p

 

Diktat der Demographie:

Rente mit 63 in Zeiten des Fachkräftemangels? 

 Politische Steuerungsprobleme häufen sich

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HBF-AKTUELL Tübingen 16. April 2014, erstellt 15:03 Uhr, Stand 21:25 Uhr

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Die Rente mit 63 ist für die SPD und die Gewerkschaften ein Gebot der Leistungsgerechtigkeit. Dagegen hat für die Wirtschaft und Teile der Union im Zeichen des „demographischen Wandels“ ( = Schrumpf-Alterung der Bevölkerung) die Fachkräftesicherung oberste Priorität (HPL). Dieser Zielkonflikt ist nur das prominenteste Beispiel dafür, daß die regierungsamtliche Devise von der Gestaltbarkeit der demographischen Talfahrt (vgl. dazu auch HBF 2012) neuartige politische Steuerungsprobleme mit sich bringt. Tatsächlich zeigen sich diese Schwierigkeiten nicht nur in anderen zentralen Bereichen (HPL). Teilweise haben sich die expertengestützten Lösungsmodelle inzwischen sogar als untauglich erwiesen und sollen jetzt „nachgebessert“ werden (HPL). Allerdings ist zweifelhaft, ob damit das Vertrauen in die Lösungskompetenz der etablierten Akteure/innen gestärkt werden kann (HPL).

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HBF-VOLLTEXT

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Die Rente mit 63 ist für die SPD und die Gewerkschaften ein Gebot der Leistungsgerechtigkeit. Dagegen hat für die Wirtschaft und Teile der Union im Zeichen des „demographischen Wandels“ ( = Schrumpf-Alterung der Bevölkerung) die Fachkräftesicherung oberste Priorität:

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Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (F.A.S.) 13.04.14

Rentenreform

 DIE RENTE MIT 63 IST FATAL

Mit dem Rentenpaket betreibt die Bundesregierung Klientelpolitik. Gut verdienende Männer gehen bald mit 63 in Rente: Das ist das falsche Signal in der alternden Gesellschaft. Und irrsinnig teuer.

Von Lars Feld, Anabell Kohlmeier, Christoph M. Schmidt*

Der Frühling des Jahres 2014 droht als derjenige Moment in Erinnerung zu bleiben, an dem Deutschland begann, die Erfolge des vorangegangenen Reformjahrzehnts zu verspielen. Dies gilt vor allem für das Rentenpaket der Bundesregierung.

Es handelt sich dabei um nichts weniger als die größte Leistungsausweitung der Gesetzlichen Rentenversicherung (GRV) seit der Einführung der dynamischen Rente durch Konrad Adenauer – zu Lasten zukünftiger Generationen und zu Lasten der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft. Die Koalitionsparteien betreiben damit eine Klientelpolitik, gegen die die Hotelsteuer als Bagatelle erscheint….

 

*Christoph M. Schmidt ist Vorsitzender des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung und Präsident des RWI Essen. Anabell Kohlmeier ist stellvertretende Generalsekretärin des Sachverständigenrats. Lars P. Feld ist Mitglied des Sachverständigenrats und Direktor des Walter Eucken Instituts an der Universität Freiburg.

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Weitere Artikel

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Lesermeinungen (83)

(….)

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F.A.Z., Mittwoch, den 16.04.2014 Wirtschaft 33

„Die Rente mit 63 ist die falsche Botschaft“

Seit 2008 bereitet die Chemiebranche ihre Mitarbeiter auf die Rente mit 67 vor. Sie unternimmt viel, um die Kräfte gesund zu halten. Nun drohen ihr durch die geplante Rente mit 63 Leistungsträger abhandenzukommen.

Von Thorsten Winter

Der Zielkonflikt zwischen „Leistungsgrechtigkeit“ für langjährige Rentenbeitragszahler und dem Fachkräftebedarf unser alternden Gesellschaft ist nur das prominenteste Beispiel dafür, daß die regierungsamtliche Devise von der Gestaltbarkeit der demographischen Talfahrt (vgl. dazu auch HBF 30.04.12) neuartige politische Steuerungsprobleme mit sich bringt. Tatsächlich zeigen sich diese Schwierigkeiten auch in anderen zentralen Bereichen – etwa bei der Pflegeversicherung.

Angesichts der prognostizierten kräftigen Zunahme von Pflegebedürftigen in den nächsten Jahren/Jahrzehnten gehen alle Experten von rapide steigenden Kosten aus. Besonders teuer ist dabei die stationäre Pflege in Heimen. Um eine Kostenexplosion zu verhindern, will die Regierung die kostengünstige Pflege durch Familienangehörige fördern. Tatsächlich ist dieses Modell offenkundig weder beim Bundesgesundheitsminister noch bei Experten das Modell ihrer persönlichen Wahl:

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ARD 14.04.14

Hart aber fair

DIE TEURE REFORM – MACHT MEHR GELD DIE PFLEGE BESSER?

Die Regierung will die Pflege besser finanzieren – bezahlen sollen wir alle mit höheren Beiträgen. Doch hilft mehr Geld den pflegenden Angehörigen, macht es die Heime menschlicher? Oder versickern die Milliarden wirkungslos im System? Darüber spricht Frank Plasberg mit:

  •  Hermann Gröhe, Bundesgesundheitsminister (CDU)
  •  Bernd Meurer, Präsident des bpa – Bundesverbands privater Anbieter sozialer Dienste
  •  Heike Nordmann, Geschäftsführerin Kuratorium Deutsche Altershilfe
  •  Martina Rosenberg, Journalistin und Buchautorin
  •  Geert Müller-Gerbes, Moderator und Journalist
  •  Im Einzelgespräch: Josephine Gansera, Altenpflegerin in Lüneburg

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Ärzte Zeitung, 15.04.2014

Pflege

GUTE LAUNE IN DER TV-ARENA

Eine Talkrunde mit dem Gesundheitsminister – das verspricht Zündstoff. Doch statt Kritik gab es einen lockeren Erfahrungsaustausch bei „hart aber fair“ in der ARD.

(…) Minister Hermann Gröhe (CDU) lobt den „Mut, eine Debatte über Überforderung anzustoßen“ und wirbt für die Familienfreundlichkeit seiner Reform, in der analog zum Kinderkrankengeld zehn Tage pro Jahr eine Lohnersatzleistung in Anspruch genommen werden könne.

Und er appelliert: Nach der Familienfreundlichkeit müsse die „Pflegefreundlichkeit der Arbeitswelt“ kommen. (…)

Aufschlussreich ist die Schlussrunde: Im Pflegefall wollen sich die fünf Gäste definitiv nicht von der eigenen Familie versorgen lassen.

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Das Bedürfnis, im Pflegefall nicht den eigenen Angehörigen zur Last zu fallen, dürften vermutlich große Teile der Bevölkerung mit den Gästen der Plasberg-TV-Runde teilen.

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Die politische Quadratur des demographischen Teufelskreises ist ebenfalls beim Ausweg aus der Misere der Krankenhäuser erforderlich. Mit dem Übergang zum System der Fallpauschalen hat die Politik eine Rationalisierungswelle ausgelöst, die einen massiven Personalabbau in den Kliniken mit sich brachte und zu tausenden unbesetzter Ärztestellen führte. Trotzdem machen derzeit rund 50% aller Kliniken Verluste. Ein maßgeblicher Grund dafür: Die altersbedingten Kosten, die immer deutlicher zu Buche schlagen, wie der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Georg Baum, heute im ZDF-Morgenmagazin erklärte:

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ZDF morgenmagazin, 16.04.2014 08:32

„Wir brauchen mehr Pflegekräfte“

„Wir haben die Situation, dass wir mehr Plätze suchen, als wir auf dem Arbeitsmarkt finden können. Das ist das Problem der Krankenhäuser“, so Georg Baum von der deutschen Krankenhausgesellschaft.

Video: 00:00/05:32

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siehe dazu auch ausführlich:

         AOK-Krankenhausreport: Mehr Effizienz! – Kein nebenwirkungsfreies Rezept gegen die steigenden Kosten der (Schrumpf-)Alterung (HBF 22.01.14)

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Zur „Lösung“ der Kliniknöte will Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) die Zahl der Krankenhausbetten deutlich verringern und dafür auch unrentable Häuser schließen (vgl. dazu HBF 09.04.14). Gleichzeitig sollen die Kliniken bei der Bewältigung der altersbedingten Folgekosten eine größere Rolle als bisher spielen:

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Ärzte Zeitung, 11.04.2014

Gesundheitsforum

BMG hofft auf „Selbstheilung des Systems“

BMG-Staatssekretärin Widmann-Mauz: Nach der Effizienzsteigerung kommt jetzt die Qualitätsorientierung.

MÜNCHEN. Das deutsche Gesundheitswesen ist nach Auffassung von Annette Widmann-Mauz, Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesgesundheitsminister, nicht nur „weitaus besser“ als sein Ruf, sondern auch höchst anpassungsfähig. Das sei im Wesentlichen der Selbstverwaltung zu verdanken, erklärte die CDU-Politikerin beim Bayerischen Gesundheitsforum in München.

Um den Herausforderungen, denen das Gesundheitssystem ausgesetzt ist, gerecht werden zu können, müssten die „Selbstheilungskräfte des Systems“ stärker als bisher genutzt werden, betonte Widmann-Mauz. Deshalb wolle die Koalition die Qualitätsorientierung im Gesundheitswesen verbessern. Nach Jahren der Effizienzsteigerung meist aus ökonomischen Gründen müsse jetzt der Blick verstärkt auf die Qualität gerichtet werden, forderte Widmann-Mauz. (….)

Angesichts der demografischen Entwicklung werde der Bedarf an medizinischen Leistungen weiter steigen, während das zur Verfügung stehende Personal nicht in gleichem Maße wachsen werde, so Widmann-Mauz. (….)

Eine wichtige Rolle werde dabei das Krankenhaus spielen, „weil es ein Anker im Gesundheitssystem ist“, so Widmann-Mauz. Voraussichtlich im zweiten Quartal werde die Krankenhaus-Reformkommission ihre Arbeit aufnehmen.

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Einige der expertengestützten Lösungsmodelle zur „Gestaltung“ der Schrumpf-Alterung haben sich inzwischen als untauglich erwiesen und sollen jetzt „nachgebessert“ werden.

So waren sich seit der Jahrtausendwende Wirtschaft, Experten und Politik darin einig, die Zahl der Akademiker/innen deutlich zu erhöhen, um die Folgen des „demographischen Wandels“ für den Arbeitsmarkt einzudämmen. Das führte nicht nur zu Einführung des Turbo/G8-Gymnasiums in Westdeutschland, sondern auch zur Umstellung des Studiums auf das stark berufsorientierte angelsächsische Bachelor/Master-System an den Hochschulen. Den damit ausgelösten Ansturm können die Hochschulen (immer noch) nicht bewältigen, Hochschullehrer beklagen einen massiven Qualitätsverfall, während die Wirtschaft die massenhafte Akademisierung des Nachwuchses attackiert, der zu einen eklatanten Lehrlingsmangel geführt habe:

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SPIEGEL Online 09. April 2014, 08:34 Uhr

NC an Hochschulen

FAST JEDER ZWEITE STUDIENGANG IST ZULASSUNGSBESCHRÄNKT

Die Hörsäle voll, die Studenten genervt, die Unis überfordert: Viele Hochschulen belegen ihre Studiengänge mit Numerus clausus, NC genannt. Eine neue Studie zeigt, dass Unis besonders häufig in den Stadtstaaten Zugangshürden aufbauen.

Von Jan Friedmann und Oliver Trenkamp

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Welt Online Meinung 13.04.14

Universitäten

BOLOGNA ZERSTÖRT UNSERE AKADEMISCHE BILDUNG

Die Erkenntnissuche war gestern. Heute geht es an deutschen Universitäten eher um den Kompetenzerwerb. Die Hochschulen drohen zu Berufsschulen zu werden und bringen das duale System zum Kollaps.

Von Dieter Lenzen, Präsident der Universität Hamburg

 

(…)

Von der Bildung zur Berufsbildung

Durch die Abschaffung des klassischen einphasigen Studiums, das in Deutschland und anderen kontinentaleuropäischen Ländern mit einem Diplom, Lizenziat, Magister oder einem Staatsexamen endete, sowie durch ein zweiphasiges Bachelor-Master-System nach angloamerikanischem Vorbild wurde der Bildungsauftrag der Universität und damit das kontinentaleuropäische Konzept zerstört.

(….) Während in Deutschland Ausbildung und Bildung der nachwachsenden Generation auf der einen Seite in einem dualen Berufsausbildungssystem und auf der anderen Seite in Hochschulen stattfand, war und ist Berufsausbildung im atlantischen System eine Aufgabe von Hochschulen, von „Colleges“ und „Universities“.

(…) Das deutsche Erfolgsmodell der dualen Ausbildung, die Jugendarbeitslosigkeit verhindert, existiert in Großbritannien nicht. Die deutschen Hochschulen sind aber weder von ihrem Umfang noch von ihrem wissenschaftlichen Auftrag geeignet, eine Berufsausbildung für Kindergärtnerinnen, Physiotherapeuten und Apothekenhelferinnen anzubieten, und es ist auch nicht ihre Aufgabe. (…)

Kurzum: Die deutschen Hochschulen drohen zu Berufsschulen zu werden, das duale System zum Kollaps zu bringen und der bedauernswerten nachwachsenden Generation zu suggerieren, dass ihre Einkommensaussichten nach dem Besuch einer Hochschule besser seien als nach einer Ausbildung im dualen System beziehungsweise im System der Vollzeitberufsschulen. (…)

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WirtschaftsWoche online 2014-02-03 10:26:46

Bildungspolitik

DIHK-Präsident warnt vor „Akademisierung“

Die Hörsäle platzen aus allen Nähten, Azubis werden händeringend gesucht. Eric Schweitzer, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, warnt vor einer Akademisierung des Ausbildungsmarktes.

 Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Eric Schweitzer, hat vor einer „Akademisierung“ des Ausbildungsmarktes gewarnt. Jahrelange und undifferenzierte Forderungen nach einer Erhöhung der Studierendenquote hätten dazu geführt, „dass Hörsäle aus allen Nähten platzen, während Unternehmen händeringend Azubis suchen“, sagte er den „Ruhr Nachrichten“ (Montag). In allen Regionen Deutschlands könnten Ausbildungsplätze nicht besetzt werden. „Dem Wirtschaftsstandort Deutschland droht nachhaltiger Schaden, wenn der Trend zur Akademisierung um jeden Preis nicht gestoppt wird.“ (…)

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Angesichts dieser Entwicklungen blasen nun auch die Regierungsberater zum Rückzug von der Akademisierungs-Offensive:

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Wissenschaftsrat NUMMER 12 vom 14. April 2014

BERUFLICHE UND AKADEMISCHE BILDUNG IN EINE FUNKTIONALE BALANCE BRINGEN

Der Wissenschaftsrat empfiehlt eine stärkere Verzahnung der post-schulischen Bildungsbereiche

Um die Herausforderungen des demographischen Wandels meistern zu können, muss Deutschland seine Bildungspotenziale bestmöglich ausschöpfen und weiterentwickeln. In den jüngst verabschiedeten Empfehlungen zum Verhältnis von beruflicher und akademischer Bildung fordert der Wissenschaftsrat dafür eine funktionale Balance und stärkere Verzahnung der post-schulischen Bildungsbereiche. „Die Berufsbildung und die Hochschulbildung sind die beiden Beine, auf denen die Leistungs- und Innovationsfähigkeit unseres Landes steht“, (…)  „Vermieden werden muss, dass sich die Berufs- bzw. Studienwahl auf Vorurteile oder vordergründige Image- und Prestigegesichtspunkte stützt“, erläutert Marquardt. „Vor allem bei der grundlegenden Entscheidung zwischen einer Berufsausbildung und einem Hochschulstudium benötigen die Schülerinnen und Schüler gezielte Unterstützung.“ Der Wissenschaftsrat fordert daher eine systematische Berufs- und Studienorientierung in der Sekundarstufe II. Diese muss berufliche und akademische Ausbildungswege gleichberechtigt vorstellen und jeweils eingehend über die entsprechenden Anforderungen, Beschäftigungsperspektiven und Weiterentwicklungsmöglichkeiten informieren. (….)

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Taz 15.04.2014

AKADEMISIERUNG

GESELLENBRIEF STATT DOKTORTITEL

Die Politikberater des Wissenschaftsrats empfehlen eine Aufwertung der beruflichen Bildung. Zahl der Ausbildungsverträge in Deutschland sinkt weiter

Aus Berlin Anna Lehmann

Deutschland braucht weniger Master, dafür mehr Meister. In die Debatte um die Aufwertung der beruflichen Bildung hat sich jetzt auch der Wissenschaftsrat eingeschaltet. Die professoralen Politikberater empfehlen, stärker für die berufliche Bildung zu werben und angehenden Abiturienten in der Oberstufe akademische und berufliche Ausbildungswege gleichberechtigt vorzustellen. Angesichts hoher Studienabbrecherquoten müsse man versuchen, die Zahl der Fehlentscheidungen der Studierenden zu senken, sagte der scheidende Vorsitzende des Gremiums, Wolfgang Marquardt. (…)

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und HP-PLUS

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Allerdings ist ingesamt zweifelhaft, ob damit das Vertrauen in die Lösungskompetenz der etablierten Akteure/innen gestärkt werden kann:

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Welt Online 16.04.14 05:35

Rürup-Studie

DEUTSCHLAND UNMITTELBAR VOR DEM WOHLSTANDSKNICK

Noch profitiert Deutschland von einer demografischen Atempause. Doch nach der wird es ungemütlich. Der kommenden Knick bedroht Altersvorsorge und Geldanlage. Experten haben nun einen Ansatz. 

Von Daniel Eckert

Deutschland fühlt sich im Moment an wie die Insel der Seligen. Alle größeren Probleme, so scheint es, sind abgeschafftoder zumindest in eine ferne Zukunft verschoben. Doch der Eindruck täuscht.

Die deutsche Wirtschaft steht unmittelbar vor dem großen demografischen Knick, der die Grundlagen unseres Wohlstand untergraben könnte. Dieser Knick wird sich schon in wenigen Jahren mit aller Härte bemerkbar machen.

Das hat weitreichende Auswirkungen auf die Altersvorsorge und die private Geldanlage. Denn egal, ob man auf die gesetzliche Rente setzt oder eine Vorsorge am Kapitalmarkt, im Inland werden die zu erzielenden Renditen als Folge der alternden Bevölkerung rapide zurückgehen. Wenn Staat und Bürger nichts tun, ist für Millionen Bundesbürger der Lebensstandard im Ruhestand in Gefahr.

„Die Bundesrepublik erlebt derzeit noch eine demografische Pause, die daher rührt, dass lediglich die relativ schwachen Nachkriegsjahrgänge in Rente gehen“, sagt der Altersvorsorgeexperte Bert Rürup. Doch diese Zeit der relativen Ruhe, die durch eine günstige Arbeitsmarktentwicklung unterstützt wird, wird schon bald vorbei sein. Noch vor 2020 werden wir den Knick seiner Einschätzung nach deutlich zu spüren bekommen. (….)

Den Projektionen zufolge wird es im Jahr 2050 in Deutschland nur noch 36 Millionen Erwerbstätige geben, aktuell sind es rund 41 Millionen.

„Das gesamtwirtschaftliche Arbeitsvolumen in Deutschland geht bis Mitte des Jahrhunderts unabänderlich zurück“, sagt Rürup. Die meisten Studien blickten jedoch nur bis 2030, wodurch das ganze Ausmaß des Problems bisher unerkannt bleibe: „Die Auswirkungen der Alterung werden von vielen Bürgern immer noch unterschätzt.“ (….)

(….) Nach dem Willen des Gesetzgebers werden die Rentenbeiträge ein bestimmtes prozentuales Niveau nicht übersteigen. (….)

In der Kombination von weniger Beitragszahlern und mehr Rentnern bedeutet das: Die Höhe der Rente (im Verhältnis zum Einkommen aus der Erwerbszeit) muss sinken. Dieses sogenannte Sicherungsniveau wird den Prognosen zufolge im Jahr 2030 nur mehr bei 43,7 Prozent liegen. Noch Ende des vergangenen Jahrzehnts waren es mehr als 50 Prozent.

Ähnliche Probleme hat jedoch eine kapitalgedeckte Rente, also eine Vorsorge, die sich allein auf die deutsche Binnenwirtschaft stützt. Das Umlageverfahren steht für Transfereinkommen, die Kapitaldeckung für Markteinkommen, aber sie hängen beide an der gleichen Produktivitätsentwicklung, und die ist in Deutschland wegen der Alterung mau. „Letztlich kann die Demografie nur durch die Kapitalanlage jenseits der deutschen Grenzen wegdiversifiziert werden“, sagt Michael Böhmer, der Koautor der Studie. (…)

Tatsächlich werden in Schwellenländern wie Indien und Brasilien, aber auch im Vereinigen Königreich mit seiner breiteren Alterspyramide bis 2050 Projektionen zufolge höhere Kapitalrenditen zu erreichen sein als im vergreisenden Deutschland.

Doch auch bei der privaten Vorsorge über Kapitalerträge gibt es einen Wermutstropfen. Voraussetzung für stabile Kapitalerträge aus dem Ausland ist nämlich ein günstiger Verlauf der Globalisierung. Geopolitische Schocks und internationale Finanzkrisen sind Gift für diese Quelle des Wohlstands.

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handelsblatt.com 15.04.2014, 10:58 Uhr

ZEW-Index

Ukraine-Krise dämpft Konjunktur-Optimismus

Das ZEW-Barometer über die Konjunkturerwartungen der Finanzexperten ist im April zurückgegangen. Grund ist die Krise in der Ukraine. Der Rückgang ist stärker als von Experten erwartet.

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und HP-PLUS

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Zum Thema siehe auch:

 

 

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Veröffentlicht von admin

Leiter des Heidelberger Büros für Familienfragen und soziale Sicherheit

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