Demographische_Rendite_Arbeitsmarkt_300414b

Zum Tag der Arbeit:

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Arbeitslosenzahl wieder unter 3-Millionen-Grenze

„Demographische Rendite“ sorgt nur im Traum für goldne Zeiten auf dem Arbeitsmarkt

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HBF-AKTUELL Tübingen 30. April 2014, erstellt 18:15 Uhr, Stand 01.05.14, 8:00 Uhr

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Die Zahl der registrierten Arbeitslosen ist im April wieder unter die 3-Millionen-Marke gerutscht. Gegenüber dem März sind das 111.000 und im Vergleich zum Vorjahresmonat 77.000 weniger (HPL). Angesichts einer Rekord-Netto-Zuwanderung von 400.000 Menschen (HPL) bei einem gleichzeitigen Mini-Wachstum von ganzen 0,4% im Jahr 2013 ist das eine auf den ersten Blick erstaunliche Entwicklung. Tatsächlich ist dieser Arbeitsmarkteffekt – neben der abgesenkten Beschäftigungsschwelle durch die Hartz-Gesetze – auf die Alterung der Bevölkerung zurückzuführen. Nach Schätzungen verringert sich das sogenannte Erwerbspersonenpotential jährlich um etwas mehr als 400.000 Menschen (HPL). Damit verschärft sich der potentielle Fachkräftemangel und die (jungen) Arbeitnehmer/innen hoffen – gemäß der Marktlogik – auf mehr Sicherheit, Geld und Familienfreundlichkeit (HPL). Tatsächlich läßt diese sogenannte „demographische Rendite“ (=“Schrumpfungsprämie“) (nicht nur) in weiten Teilen des Arbeitsmarktes bislang weiter auf sich warten (HPL). Ob sich künftig daran grundlegend etwas ändert, bleibt zweifelhaft (HPL).

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HBF-VOLLTEXT

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Die Zahl der registrierten Arbeitslosen ist im April wieder unter die 3-Millionen-Marke gerutscht. Gegenüber dem März sind das 111.000 und im Vergleich zum Vorjahresmonat 77.000 weniger (vgl. Bundesarbeitsagentur 30.04.14). Angesichts einer Rekord-Netto-Zuwanderung von 400.000 Menschen….

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Die ohnehin schon hohen Wanderungsgewinne in den beiden Vorjahren (2011: + 279 000, 2012: + 369 000) werden der Schätzung zufolge 2013 nochmals übertroffen: Das Statistische Bundesamt rechnet damit, dass sogar erstmals seit 1993 etwas mehr als 400.000 Personen mehr aus dem Ausland zugezogen als ins Ausland fortgezogen sind. Damals hatte der Wanderungssaldo bei 462 000 gelegen.

(aus: Erneuter Anstieg der Bevölkerung für 2013 erwartet. Statistisches Bundesamt 08.01.2014)

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….bei einem gleichzeitigen Mini-Wachstum von ganzen 0,4% im Jahr 2013 ist das eine auf den ersten Blick erstaunliche Entwicklung. Tatsächlich ist dieser Arbeitsmarkteffekt  – neben der abgesenkten Beschäftigungsschwelle durch die Hartz-Gesetze –  auf die Alterung der Bevölkerung zurückzuführen. Nach Schätzungen verringert sich das sogenannte Erwerbspersonenpotential jährlich um etwas mehr als 400.000 Menschen (HBF-Premium). Damit verschärft sich der potentielle Fachkräftemangel und die (jungen) Arbeitnehmer/innen hoffen – gemäß der Marktlogik – auf mehr Sicherheit, Geld und Familienfreundlichkeit:

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Handelsblatt.com 29.04.14, 16:28:10

Lieber Rosenheim als Rio

STUDENTEN HABEN WENIG LUST AUF DIE GROSSE WEITE WELT

Studenten wollen nicht mehr unbedingt in die große weite Welt, wenn es zulasten des Privatlebens geht. Die meisten erwarten eine glänzende Zukunft – das zeigt die Continental-Studentenumfrage, die WiWo online exklusiv vorliegt.

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weitere Auszüge bei HBF-Premium

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Tatsächlich läßt diese sogenannte „demographische Rendite“ (=“Schrumpfungsprämie“) (nicht nur) in weiten Teilen des Arbeitsmarktes bislang weiter auf sich warten. So klagt die Wirtschaft schon seit Jahren über eine gewaltige Fachkräftelücke bei Ingenieuren – Experten können diese jedoch bislang nicht erkennen:

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(aus: Anforderungen an die Fachkräfteentwicklung und Aus- und Weiterbildung aus Sicht der IG Metall. Thomas Müller. Branchendialog Fachkräftebedarf IHK Braunschweig, 12. Februar 2014)

 

In unser alternden Gesellschaft gilt etwa die Pflegebranche als Jobmotor, die tatsächlich unter erheblichen Personalmangel leidet, dennoch bleibt der Knappheitzuschlag des Arbeitsmarkes, nämlich eine höhere Entlohnung, weiterhin aus, wie heute Wolfgang Stadler, der Chef der Arbeiterwohlfahrt (AWO) heute in der Frankfurter Rundschau beklagt:

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Frankfurter Rundschau, Mittwoch den 30.04.2014 Meinung

GASTBEITRAG

Tag der (Sozialen) Arbeit

Am 1. Mai ist auch daran zu erinnern, dass soziale Berufe oft zu schlecht bezahlt sind. Nötig ist ein gemeinsamer Tarifvertrag.

Von Wolfgang Stadler

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Es ist geradezu selbstverständlich: Vor der Arbeit bringt man die Kinder zur Kita, am Wochenende besucht man die Mutter im Seniorenheim, und läuft es einmal in der Beziehung nicht, hilft die Familienberatung. (…..)

Im Ergebnis ist es um Löhne und Arbeitsbedingungen vielfach schlecht bestellt. So wird der soziale Beruf zunehmend unattraktiv, während der Staat sich teilweise aus der Verantwortung zieht. Dieser Zustand steht im radikalen Gegensatz zur tatsächlichen Bedeutung der Sozialen Arbeit für eine funktionierende, vorwärtsgewandte Gesellschaft.(…)

Da in der Sozialen Arbeit 80 Prozent der Kosten Personalkosten sind, entwickelte sich – nachdem man sich zuvor immer an die Tarife des öffentlichen Dienstes anlehnte – eine Lohnspirale nach unten (….)

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Ob sich künftig daran grundlegend etwas ändert, bleibt zweifelhaft. So steht der altesbedingt wachsende soziale Sektor vor einem strukturellen Problem, das AWO-Chef Stadler auf den Punkt bringt:

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Klar ist: Um den Triebkräften des demografischen Wandels und veränderter Familienstrukturen gerecht zu werden, müssen in den nächsten zwanzig Jahren über 500 000 neue Arbeitsplätze im sozialen Bereich entstehen. Die Kosten werden groß sein, das muss allen Beteiligten klar sein. (…)

Zu Beginn der neunziger Jahre hatte sich die Politik in Erwartung dieser Herausforderungen neoliberaler Steuerungsinstrumente bedient. So wurde durch eine wettbewerbliche Ausschreibungspraxis in der sozialen Daseinsfürsorge ein massiver Kostensenkungskurs gefahren. Insbesondere finanziell schlecht gestellte Kommunen oder auch Arbeitsagenturen haben Dienstleistungen kostengünstig ausgeschrieben. Den Auftrag erhielt, wer bereit war, die eigenen Kosten zu drücken. Vielfach haben sich die Einrichtungen leichtfertig den ruinösen Marktbedingungen unterworfen. (….)

Damit es zu einem einheitlichen Branchentarifvertrag kommt, braucht es enorme Kraftanstrengung aller Anbieter und der Politik auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene. Und machen wir uns nichts vor, die Widerstände von allen Seiten – und allen voran der Kostenträger – werden enorm sein. Denn unbestritten würden sich höhere Löhne in der Sozialen Arbeit auf die öffentlichen Haushalte und die Pflegekassen auswirken. Das kann im Zweifel auch mehr Belastungen für alle bedeuten. (…)

(aus: ebda)

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siehe dazu auch:

  • Zu den strukturell gleichen Problemen der Krankenhäuser, die zu großen Teilen ebenfalls massiv unter wirtschaftlichem Druck stehen: HBF 16.04.14

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Eine Lösung für dieses Dilemma ist nicht erkennbar (HBF-Premium)…

 

Zumindest für die bislang erfolgreiche Exportindustrie samt ihren Dienstleistern sollten doch die Arbeitnehmer auf die „demographische Rendite“ hoffen können. Aber auch hier ist die Ernüchterung absehbar:

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PricewaterhouseCoopers (PwC) Frankfurt am Main, 16. April 2014

DAX-Konzerne wachsen im Ausland

PwC-Analyse: Gesamtumsatz der DAX-Industrieunternehmen ist seit 2008 um ein Viertel gestiegen / Fast 80 Prozent der Erlöse werden im Ausland erwirtschaftet / Volkswagen hält Auslands-Umsatzrekord

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siehe dazu auch:

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Diese Entwicklung ist ebenfalls nicht überraschend. Nennenswertes Exportwachstum ist künftig nicht im alternden Europa, sondern nur noch in den aufstrebenden Schwellenländern Asiens und Südamerikas möglich. Die dortigen Regierungen achten dabei jedoch verstärkt darauf, daß neue Produktionsstätten in ihren Ländern entstehen. Auch die Exportunternehmen bevorzugen eine Vor-Ort-Produktion, um möglichst nah bei ihren Kunden zu sein.

 

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Zum Thema siehe auch:

Demografie

Warum der Geburtenrückgang nicht zu Vollbeschäftigung führt

Weniger Kinder heißt irgendwann weniger Beschäftigte. Steuern wir auf eine Gesellschaft mit Vollbeschäftigung zu? Vorsicht beim Träumen, sagt Kostas Petropulos.

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Veröffentlicht von admin

Leiter des Heidelberger Büros für Familienfragen und soziale Sicherheit

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