Betreuungsgeld_SPIEGEL_130614p

Betreuungsgeld als Rückschlag für Chancengerechtigkeit?

– Wenn (nicht nur) DER SPIEGEL sein eigenes Vorurteil bestätigt

/ „Zwischenbilanz“ zum neuen Betreuungszuschuß auf dünner Datenbasis

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HBF-AKTUELL Tübingen 13. Juni 2014, erstellt 13:38 Uhr, Stand 18:56 Uhr

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Das Betreuungsgeld schadet der Chancengerechtigkeit!! – das meldet der SPIEGEL in seiner aktuellen Ausgabe und beruft sich dabei auf eine unveröffentlichte „umfangreiche Untersuchung“ der TU Dortmund und des Deutschen Jugendinstituts (HPL). Durch den neuen Geldzuschuß für die privat organisierte Betreuung von Unter-Dreijährigen würden gerade „sozial eher benachteiligte Familien“ davon abgehalten, das staatliche „Bildungs- und Betreuungsangebot“ zu Nutzen. Damit verzichteten sie auf eine Förderung, von der ihr Nachwuchs besonders profitieren würde (HPL).

Das polit-mediale Echo auf diese Exklusiv-Meldung ist bis dato (fast) ausgefallen (HPL). Tatsächlich ist die Substanz dieser vermeintlichen „Schreckensmeldung“ sehr dünn. Auch ohne Betreuungsgeld erfolgt die Nutzung des „Krippen“-Angebots sozial selektiv, wie bereits im 8. Familienbericht nachzulesen ist (vgl. HBF 2012). Bei der angeblich „umfangreichen Untersuchung“ handelt sich lediglich um 5 von 150 Seiten in einem Bericht, mit einer ganz anderen Leitfrage (HPL). Das Betreuungsgeld sei dabei nur eine „Marginalie“ gewesen, wie der zuständige Projektleiter gegenüber dem HEIdelberger FAmilienbüro heute erklärte (HPL). Tatsächlich ist die erhobene Datenbasis überhaupt nicht geeignet, um den Verlust an „Chancengerechtigkeit“ durch das Betreuungsgeld nachzuweisen (HPL). Daß der SPIEGEL das dennoch behauptet, dokumentiert lediglich seinen missionarischen Eifer im Kampf gegen die neue Familienzuwendung, die die Redaktion von Anfang an beharrlich als „Herdprämie“ ( = Unwort des Jahres 2008 – siehe: HBF 15.01.08) diffamiert hat (HPL). Auch die dabei transportierten, pauschalisierenden Vorurteile gegenüber Teilen der Elternschaft (HPL) und der staatlich organisierten Kinderbertreuung (HPL) passen kaum zum einstigen „Sturmgeschütz der Demokratie“.

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HBF-VOLLTEXT

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Das Betreuungsgeld schadet der Chancengerechtigkeit!! – das meldet der SPIEGEL in seiner aktuellen Ausgabe und beruft sich dabei auf eine unveröffentlichte „umfangreiche Untersuchung“ der TU Dortmund und des Deutschen Jugendinstituts. Durch den neuen Geldzuschuß für die privat organisierte Betreuung von Unter-Dreijährigen würden gerade „sozial eher benachteiligte Familien“ davon abgehalten, das staatliche „Bildungs- und Betreuungsangebot“ zu Nutzen. Damit verzichteten sie auf eine Förderung, von der ihr Nachwuchs besonders profitieren würde

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Der Spiegel 07.06.2014, Nr.24, Seite 16

Betreuungsgeld

PRÄMIE SETZT FALSCHEN ANREIZ

Das von der schwarz-gelben Koalition eingeführte Betreuungsgeld erfüllt seinen Zweck nicht – so das vorläufige Fazit einer umfangreichen Untersuchung der TU Dortmund und des Deutschen Jugendinstituts, gefördert durch das Bundesfamilienministerium. Danach erweist sich das Betreuungsgeld als besonders attraktiv für Familien, „die eine geringe Erwerbsbeteiligung aufweisen, durch eine gewisse Bildungsferne gekennzeichnet sind und einen Migrationshintergrund haben“. (…) Demnach nutzen vor allem solche Eltern lieber das Betreuungsgeld, deren Kinder eigentlich in den Kitas gefördert werden sollen. (…) Deshalb, so der Schluss der Untersuchung, sei „das Betreuungsgeld bezogen auf Fragen der Chancengerechtigkeit kontraindiziert“. red

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Das polit-mediale Echo auf diese Exklusiv-Meldung ist bis dato (fast) ausgefallen. Lediglich der familienpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Sönke Rix, meldete sich gestern per Pressemitteilung zu Wort und sah durch die „Studie“ die Befürchtungen seiner Partei voll auf bestätigt:

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SPD-BT-Fraktion, Pressemitteilung 12.06.2014

Betreuungsgeld – folgenschwerer Anreiz

Sönke Rix, familienpolitischer Sprecher, Fritz Felgentreu, zuständiger Berichterstatter:

Die vorab veröffentlichten Ergebnisse einer Untersuchung der Technischen Universität Dortmund und des Deutschen Jugendinstituts bestätigen: Das Betreuungsgeld hält Kinder insbesondere aus bildungsfernen Schichten und aus Familien mit Migrationshintergrund von der frühkindlichen Bildung fern und verschärft damit die Chancenungleichheit.

„Das Betreuungsgeld ist folgenschwer: Es schafft einen finanziellen Anreiz, staatliche Kinderbetreuungsangebote nicht zu nutzen – vor allem für Familien, deren Kinder von der frühkindlichen Bildung besonders profitieren würden. Vor dem Hintergrund der Untersuchungsergebnisse muss diese Entwicklung gestoppt werden. Wir sehen durch die Studie unsere Befürchtungen bestätigt.(…)

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Tatsächlich ist die Substanz dieser vermeintlichen „Schreckensmeldung“ sehr dünn. Auch ohne Betreuungsgeld erfolgt die Nutzung des „Krippen“-Angebots sozial selektiv, wie bereits im 8. Familienbericht nachzulesen ist:

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Die Betreuungsquote (Tageseinrichtungen und Tagespflege zusammengenommen) lag in Deutschland im Jahr 2010 für Kinder unter drei Jahren bei 23%. (….) Mütter mit Migrationshintergrund und Haushalte mit vielen Kindern nutzen für unter 3-Jährige seltener Tageseinrichtungen und Tagespflege als vergleichbare Haushalte ohne Migrationshintergrund bzw. mit lediglich einem oder keinem älteren Geschwisterkind. Demgegenüber zeigt sich, dass Mütter mit höherem Bildungsabschluss ihre Kinder öfter durch Tageseinrichtungen/Tagespflege betreuen lassen als anderweitig vergleichbare Mütter mit niedrigem oder mittlerem Bildungsabschluss.

(aus: Zeit für Familie. Familienzeitpolitik als Chance einer nachhaltigen Familienpolitik. Achter Familienbericht. März 2012. S. 99f – zitiert in: HBF 16.03.12)

Bei der angeblich „umfangreichen Untersuchung“ handelt sich lediglich um 5 von 150 Seiten in einem Bericht, mit einer ganz anderen Leitfrage:

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Forschungsverbund DJI/TU Dortmund und dem Deutschen Jugendinstitut

Kommunale Bedarfserhebungen. Der regionalspezifische Betreuungsbedarf U3 und seine Bedingungsfaktoren

Projektziele

Das vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend geförderte (s. hierzu Empfehlungsschreiben) und von den kommunalen Spitzenverbänden unterstützte (s. hierzu Empfehlungsschreiben) Forschungsprojekt verfolgt im Wesentlichen drei Ziele:

Erstens sollen Erkenntnisse über die regionalspezifische Varianz des Elternbedarfes nach öffentlicher Betreuung für unter Dreijährige in Städten bzw. Landkreisen kleinräumig gewonnen werden.

Zweitens sollen ursächliche Bedingungsfaktoren für einen solchen regionalspezifischen Betreuungsbedarf ausgelotet werden.

Drittens sollen Erkenntnisse darüber gewonnen werden, ob und in welcher Form derartige Bedarfserhebungen bzw. deren Befunde im Kontext einer empirisch ausgerichteten Jugendhilfeplanung dauerhaft durchgeführt bzw. implementiert werden können.

Grundlage des Forschungsprojektes ist das gemeinsam vom Forschungsverbund DJI/TU Dortmund und dem Deutschen Jugendinstitut entwickelte Konzept der jugendamtsspezifischen Elternbefragung zum Betreuungsbedarf von unter dreijährigen Kindern.

Projektleitung:

Dr. Matthias Schilling (…)

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Der Aspekt des Betreuungsgelds sei bei dieser Bedarfserhebung nur eine „Marginalie“ gewesen, wie der zuständige Projektleiter Matthias Schilling wörtlich gegenüber dem HEIdelberger FAmilienbüro heute auf telefonische Nachfrage erklärte. Tatsächlich ist die erhobene Datenbasis überhaupt nicht geeignet, um den Verlust an „Chancengerechtigkeit“ durch das Betreuungsgeld nachzuweisen. In dem 4-seitigen Fragebogen, der an die Eltern verschickt worden ist, wird nur einmal danach gefragt, ob „Die Möglichkeit, das Betreuungsgeld für Kinder zwischen einem und zwei Jahren/zwischen zwei und drei Jahren zu erhalten, hat mich dazu veranlasst, in Frage 9 anzugeben, dass mein Kind nicht in einer Kindertageseinrichtung oder bei einer Tagesmutter betreut werden sollte.“ (vgl. Fragebogen in der Anlage – HP-PLUS).  Ob die Eltern sich ohne das Betreuungsgeld ebenfalls gegen die öffentliche Kitabetreuung entschieden hätten, wurde nicht ausdrücklich erfragt. Zudem erfolgte die Befragung im Frühjar 2013, also Monate bevor das Betreuungsgeld am 1. August 2013 eingeführt worden ist. Wie die Eltern sich dann tatsächlich verhalten haben, wurde nicht nacherhoben.

Darüberhinaus ist bei der wissenschaftlichen Ermittlung des notwendig Kita-Bedarfs weder die konkrete Betreuungsqualität in den Familien noch die in den Betreuungseinrichtung bzw. den Tagesmüttern/eltern geprüft worden. Eindeutige Aussagen über den vermeintlichen Verlust an „Chancengerechtigkeit“ durch das Betreuungsgeld sind daher nichts anderes als Vorurteile der Experten/innen und der SPIEGEL-Redaktion:

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SPIEGEL Online 11. Juni 2014, 18:10 Uhr

Umstrittene Prämie

SO UNFAIR IST DAS BETREUUNGSGELD

Kritiker schmähen das Betreuungsgeld als „Herdprämie“, die falsche Anreize setzt. Eine aktuelle Studie bestätigt den Vorwurf. Demnach verschärft die Sozialleistung die Bildungsungleichheit.

Von Vera Kämper

Hamburg – Das Betreuungsgeld ist eins der umstrittensten Projekte der Regierung Merkel und gleichzeitig ein Prestigeprojekt der CSU. Gedacht war die Prämie als Anerkennung und Unterstützung für Eltern mit Kleinkindern – um ihnen Gestaltungsspielräume für die Kinderbetreuung in der Familie zu eröffnen. Falsch gedacht, wie eine aktuelle Studie zeigt. (….)

Kritiker bezeichnen den Obulus als „Herdprämie“ und betonen, durch das Betreuungsgeld würden vor allem Migrantenfamilien oder Kinder aus bildungsfernen Milieus von der Kita-Betreuung fernhalten. Die Bildungsungleichheit würde sich verschärfen.

Genau das besagt nun eine Untersuchung der Technischen Universität Dortmund und des Deutschen Jugendinstituts, die SPIEGEL ONLINE vorliegt. Gefördert wurde die umfangreiche Studie ausgerechnet durch das Bundesfamilienministerium. (…)

So kommt die Studie zu dem Schluss, dass Familien mit niedrigem sozioökonomischen Status und Familien mit Migrationshintergrund „ihre Betreuungswünsche weniger gut realisieren können“.

„Alles in allem zeigen die vorliegenden Analysen, dass die Befürchtungen, wonach das Betreuungsgeld zu einer sozial ungleichen Inanspruchnahme von frühkindlicher Bildung, Betreuung und Erziehung beiträgt, gerechtfertigt sind“, lautet ein Zwischenfazit der Studie. (….)

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Daß der SPIEGEL trotz der insgesamt dünnen Faktenbasis dennoch den Verlust an „Chancengerechtigkeit“ durch das Betreuungsgeld beklagt, dokumentiert lediglich (nich nur) seinen missionarischen Eifer im Kampf gegen die neue Familienzuwendung, die die Redaktion von Anfang an beharrlich als „Herdprämie“ ( = Unwort des Jahres 2008 – siehe: HBF 15.01.08) diffamiert hat:

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SPIEGEL Online 15. Mai 2007, 17:57 Uhr

Koalitions-Kompromiss

KAMPFZONE KINDERKRIPPE

Das Scheingefecht ist beendet, die Koalition hat sich auf einen Rechtsanspruch auf Krippenplätze geeinigt – und auf eine „Herdprämie“. Dass sich dieses Geld statt für die Erziehung auch für DVDs oder Schnaps ausgeben lässt: Egal! Hauptsache Kompromiss!

Von Reinhard Mohr

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Auch die vom SPIEGEL dabei transportierten, pauschalisierenden Vorurteile gegenüber Teilen der Elternschaft und der staatlich organisierten Kinderbertreuung passen kaum zum einstigen „Sturmgeschütz der Demokratie“. So werden die Eigenschaften „geringe Erwerbsneigung“, „nichtakademisches Bildungsniveau“ und „Migrationshintergrund“ der Eltern vom SPIEGEL (und auch den Forschern/innen) praktisch automatisch zu Risikofaktoren für die „Bildung“ und die „Chancengerechtigkeit“ erklärt:

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Demnach erweist sich das Betreuungsgeld als besonders attraktiv für Familien, „die eine geringe Erwerbsbeteiligung aufweisen, durch eine gewisse Bildungsferne gekennzeichnet sind und einen Migrationshintergrund haben“. (…)

Das heißt in Zahlen:

Von den Familien mit Migrationshintergrund, die sich keine außerhäusliche Betreuung wünschen, gaben 25 Prozent an, das Betreuungsgeld sei der Grund dafür gewesen. Bei den Familien ohne Migrationshintergrund liegt dieser Anteil bei lediglich 13 Prozent.

Bezogen auf den Bildungsstatus zeigt sich: Je höher das Bildungsniveau in der Familie ist, desto geringer erscheint der finanzielle Anreiz des Betreuungsgeldes. Von den Familien, in denen kein Elternteil einen Bildungsabschluss besitzt oder die als höchsten Bildungsabschluss einen Hauptschulabschluss nennen, sagen 54 Prozent, das Betreuungsgeld sei Grund für die Entscheidung gewesen. (…)

(aus: Umstrittene Prämie: So unfair ist das Betreuungsgeld. SPIEGEL Online 11. Juni 2014, 18:10 Uhr)

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Diese vom SPIEGEL und den Experten angelegten Kriterien sagen noch nichts über die Erziehungsqualitäten der Eltern aus. Wie verfehlt diese pauschalierende „Risiko“-Zuordnung ist, zeigt zudem ein langer Bericht der Süddeutschen Zeitung, die dem Betreuungsgeld auch sehr kritisch gegenübersteht:

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SÜDDEUTSCHE ZEITUNG vom 14.10.2013

EINE EINFACHE RECHNUNG

100 Euro BETREUUNGSGELD sind 100 Euro mehr in der Haushaltskasse, so sehen das viele Mütter. Manche möchten länger bei den Kindern bleiben, andere wollen nicht arbeiten oder sind wegen Schichtdienst auf Privatbetreuung angewiesen. Und manche sind empört, weil sie leer ausgehen

Von Ulrike Heidenreich

(….)

Die sechsfache Mutter ist überzeugt: ‚Die Politik kann nicht steuern, wer zu Hause bleiben soll. So ist das gerade nichts Halbes und nichts Ganzes.‘

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Außerdem ist für die Wahl von familiärer und/oder öffentlichen Kinderbetreuung ein ganz andererer Aspekt entscheidend, den der SPIEGEL jedoch eher beiläufig erwähnt: Die persönlichen Erziehungsvorstellungen und das Rollenverständnis der Eltern(paare):

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Laut aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamts wird das Betreuungsgeld am häufigsten in Bayern nachgefragt. Von den 145.769 Beziehern leben 33.500 in dem Bundesland. Diese Zahl passt zu den Erhebungen in der Studie der TU Dortmund: Die Wissenschaftler vermuten, dass der unterdurchschnittliche Kita-Betreuungsbedarf in niedersächsischen und bayerischen Landkreisen vor allem auf die „hier vorherrschende klassische Rollenverteilung der Geschlechter in den Familien zurückzuführen ist“.

(aus: Umstrittene Prämie: So unfair ist das Betreuungsgeld. SPIEGEL Online 11. Juni 2014, 18:10 Uhr)

Nicht weniger pauschal und unkritisch ist die Gleichsetzung des SPIEGELs von „Krippen“-Betreuung mit mehr „Bildung, Betreuung und Erziehung“ gegenüber den familiären Betreuungsformen. Selbst wenn man den Grundsatzstreit über „die richtige“ Betreuungsform außen vor läßt, kommt niemand an der Tatsache vorbei, daß die Kita-Qualität in vielen Fällen gar nicht das Niveau erreicht, um die ihr theoretisch zugeschriebene „Förderung“ bei Kleinstkindern überhaupt erreichen zu können:

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Die Qualität der öffentlichen Kinderbetreuung (….) hat sich in den letzten 15 Jahren kaum verbessert (….) So bieten die derzeit lebhaft diskutierten Krippen für Kinder unter 3 Jahren zu fast 85% nur mittelmäßige Qualität; mehr als 12% sind jedoch als unzureichend einzustufen und nur 3% erreichen ein gutes bis ausgezeichnetes Niveau..

(aus: HBF 27.04.12 über die bislang größte Studie zur Betreuungsqualität in deutschen Kitas, NUBBEK)

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siehe dazu auch:

sueddeutsche.de 13. November 2013 12:15

Stefan Sell zu früher Förderung

„In vielen Krippen herrschen hanebüchene Zustände“

Zentrale Probleme in der Kinderbetreuung werden durch den schnellen Krippenausbau noch verschärft: Sozialwissenschaftler Stefan Sell über den Erziehermangel und die Gefahr, dass die Politik lieber die nächste Sau durchs Dorf treibt statt endlich die Qualitätsdefizite in den Kitas zu beseitigen.

Von Barbara Galaktionow

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Erzieherin.de / Niedersächsischen Instituts für frühkindliche Bildung und Entwicklung. 11.06.2014

KEINE BILDUNG OHNE BEZIEHUNG?

Karsten Herrmann im Interview mit der Elementar- und Primarpädagogin Prof. Dr. Claudia Solzbacher und dem Psychologen Prof. Dr. Julius Kuhl aus der nifbe-Forschungsstelle Begabungsförderung.

Keine Bildung ohne Beziehung – könnte man ihre interdisziplinären Forschungsergebnisse auf diese kurze Formel runterbrechen?

Kuhl: Das ist ein wenig plakativ ausgedrückt, aber es berührt schon den Kern: Wenn wir mit Bildung vor allem auch die Persönlichkeitsentwicklung meinen, dann hebt diese Formel richtigerweise die enorme Bedeutung der Beziehungsqualität zwischen Pädagogen und den Kindern hervor.

Der Grund dafür ist eigentlich ganz einfach: Bildung und Lernen können nur dauerhaft funktionieren, wenn das Kind sich bzw. sein „Selbst“ in der Beziehung zur pädagogischen Fachkraft öffnet. Dies geschieht, wenn es sich in der Beziehung persönlich angesprochen, verstanden und akzeptiert fühlt. Erst dann können sich fundamentale Selbstkompetenzen wie Selbstberuhigung und Selbstmotivation entwickeln, dauerhaft in das Selbst integriert und später selbständig abgerufen werden – und genau darauf kommt es an! Wenn das nicht der Fall ist, wenn das Kind sich also „verschließt“, dann wirken alle noch so gut gemeinten Maßnahmen nur für den Moment (denn in ein geschlossenes Selbst können noch so gute Erfahrungen nicht integriert werden). (…)

(…) Dies bedeutet letztlich auch, dass Erzieherinnen und Lehrer(innen) sich nicht auf ihre fachliche Rolle und einen eindimensionalen Bildungsbegriff reduzieren (lassen) sollten, sondern die Beziehung zum Kind in den Mittelpunkt ihres Handelns stellen. (…)

Solzbacher: Deshalb legen wir auch viel Wert auf die Förderung von Selbstkompetenzen der Fachkräfte und entwickeln und erproben Weiterbildungen in diesem Bereich. Erzieherinnen und Lehrkräfte stehen unter einem enormen Druck und immer schwieriger werdende Rahmenbedingungen machen es mitunter nicht ganz leicht, die eigenen Selbstkompetenzen aufrecht zu erhalten. (…)

Es gilt, in Kindergärten und Schulen eine (Lern)Kultur zu entfalten und eine Lernumgebung zu schaffen, die es Kindern ermöglicht, Selbstkompetenz zu erwerben und in komplexen Lernarrangements zu erproben. Auf (evaluierte) Förderansätze kann dabei derzeit leider noch nicht zurückgegriffen werden, sodass Kitas und Schulen strukturierte beziehungssensible Förderung selbst konzipieren und erproben müssen. Auch hierin versucht unsere Forschungsstelle die Fachkräfte zu unterstützen. Grundsätzlich brauchen Beziehungen aber Zeit und die muss eingeräumt werden in den Stundenplänen und in den Arbeitszeitmodellen der Fachkräfte.

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und HP-PLUS

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Zum Thema siehe auch:

 

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Veröffentlicht von admin

Leiter des Heidelberger Büros für Familienfragen und soziale Sicherheit

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