Rezept_der_Altenrepublik_060814p

Rezept für die Altenrepublik unter Druck:

„Frühkindliche Bildung“ wirkt kontraproduktiv

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HBF-Aktuell, Tübingen 06. August 2014, erstellt 16:00 Uhr, Stand 22:14 Uhr

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Die Schrumpf-Alterung der Gesellschaft („demographischer Wandel“) ist nach Ansicht der Bundesregierung kein Grund zur Sorge, sondern im Gegenteil sogar eine „Chance“ (- eine Einschätzung, die von Wirtschaftsexperten nicht geteilt wird – vgl. dazu HPL). Es gelte nur, den ungebremsten Nachwuchsschwund im Land zu „gestalten“. Dazu hat bereits die schwarz-gelbe Koalition im Jahr 2012 eine Strategie entwickelt (vgl. HBF 2012), die von Schwarz-Rot fortgeführt wird. Ein zentrales Element darin ist die „frühkindliche Bildung“, die bereits in den Krippen einsetzen müsse (HPL). Fachleute halten diesen Versuch zur Bildungsbeschleunigung – jenseits der viel zu oft tristen Realität in den „Bildungseinrichtungen“ (HPL) – jedoch für kontraproduktiv (HPL). In Großbritannien hat dies bereits zu einer öffentlichen Auseinandersetzung zwischen besorgten Wissenschaftlern und dem Bildungsminister geführt (HPL). Offenkundig wächst auch bei den Eltern die Sorge vor einer Überforderung ihrer Kinder (HPL) auf Grund eines politisch forcierten, instrumentellen Bildungsverständnisses (vgl. dazu auch HBF 2014).

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HBF-VOLLTEXT

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Die Schrumpf-Alterung der Gesellschaft („demographischer Wandel“) ist nach Ansicht der Bundesregierung kein Grund zur Sorge, sondern im Gegenteil sogar eine „Chance“ – eine Einschätzung, die von Wirtschaftsexperten nicht geteilt wird:

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Handelsblatt vom 04.08.2014 Seite 1

Tagesthema

Das Einwanderungsland

500.000 Zuwanderer werden in diesem Jahr dem deutschen Arbeitsmarkt helfen. Das ist die höchste Zahl seit zwei Jahrzehnten. Um den Mangel an Fachkräften künftig zu lindern, braucht die Republik aber auch Reformen.

(…) Auch im Arbeitsministerium und bei Forschungsinstituten geht man davon aus, dass die prognostizierte Zuwanderung um zwei Drittel fallen würde, wenn die Joblosigkeit im Euro-Raum erst einmal wieder sinkt – oder in Deutschland steigt. Dann würde deutlich, was die hohen Zuwanderzahlen kaschieren: Deutschland braucht innenpolitische Reformen. Um die Lücke bei Fachkräften zu verkleinern, müsste die Lebensarbeitszeit verlängert werden – und der Anteil von Migranten, Älteren sowie Frauen im Erwerbsvolk steigen.

Ausreichend wäre das nicht. (….)

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Handelsblatt 04.08.2014 Seite 004 / Tagesthema

Wir brauchen Zuwanderer – und Reformen

Professor BERT RÜRUP, Präsident des Handelsblatt Research Institute, analysiert die Folgen der Überalterung in Deutschland.

(….) Falsch wäre es allerdings zu glauben, dass Zuwanderung ein Königsweg sei, um die demografischen Probleme unserer Sozialversicherung zu lösen. Denn selbst für den völlig unrealistischen Fall einer bis 2060 bei 400 000 Personen liegenden jährlichen Nettozuwanderung würde nach Berechnungen von DB-Research der Altenquotient dennoch von 34 Prozent auf 55 Prozent steigen. (….)

Damit würde die im Rückgang des Erwerbspersonenpotenzials angelegte Wachstumsbremse zwar gelockert und der Erhöhungsdruck auf die Beitragssätze der Sozialversicherung verringert, dies aber um den Preis einer kaum lösbaren integrationspolitischen Herausforderung. Denn der Anteil der Menschen mit ausgeprägtem Migrationshintergrund an der Gesamtbevölkerung würde sich von zehn Prozent auf 40 Prozent erhöht haben – von den Beeinträchtigungen der Entwicklungschancen der Entsendeländer nicht zu reden.

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und HP-PLUS

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Aus Sicht der Regierung gelte es nur, den ungebremsten Nachwuchsschwund im Land zu „gestalten“. Dazu hat bereits die schwarz-gelbe Koalition im Jahr 2012 eine Strategie entwickelt (vgl. HBF 30.04.12), die von Schwarz-Rot fortgeführt wird. Ein zentrales Element darin ist die „frühkindliche Bildung“, die bereits in den Krippen einsetzen müsse:

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April 2012, Seite 50 f

Jedes Alter zählt

Demografiestrategie der Bundesregierung

(…)

1. Bildungspotenziale ausschöpfen und stärken

(…) Die Bundesregierung will die Bildungspotenziale in allen Lebensphasen, insbesondere durch frühkindliche Bildungsangebote, Lese- und Sprachförderung, durch formale und nonformale zusätzliche Bildungschancen für Heranwachsende und durch Verbesserung der beruflichen Ausbildung und die Stärkung der Hochschulbildung fördern. (…)

• In der frühkindlichen Bildung werden die Grundsteine für das spätere Lernen gelegt. Durch Förderung des Spracherwerbs und der Lesekompetenz wird der Übergang in die Schule erleichtert. Die Bundesregierung hat hierzu verschiedene Maßnahmen gestartet. Die Offensive Frühe Chancen setzt daher bereits in der frühen Kindheit an und richtet sich an Kindertageseinrichtungen, die auch Kinder unter drei Jahren betreuen. (…) Zur Förderung der Sprach- und Lesefähigkeiten vor allem von Kindern aus bildungsfernen Elternhäusern unterstützt die Bundesregierung die Initiative „Lesestart – Drei Meilensteine für das Lesen“. Das bis zum Jahr 2018 angelegte Programm richtet sich an ein-, drei- und sechsjährige Kinder und ihre Eltern, die mit dem Umgang mit Büchern vertraut gemacht und so in ihrer Sprachfähigkeit gestärkt werden sollen.

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Abgesehen von der viel zu oft tristen Realität in den frühkindlichen „Bildungseinrichtungen“….

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taz 06.08.2014

Kinderbetreuung

Seit einem Jahr gilt der Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz für Einjährige. Es gibt mehr Plätze, aber zu wenig Erzieherinnen

DAS AUFBEWAHRUNGSSYSTEM

„Die Angst, dass mal etwas passiert, schwingt jeden Tag mit“, sagt Ina Kleuckling. Neun Kinder betreut sie an diesem Tag allein

Aus Hamburg und Berlin Sandra Löhr

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….halten Fachleute diesen Versuch zur Bildungsbeschleunigung jedoch für kontraproduktiv:

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Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft 05.08.2014 16:27

Vortrag an der Alanus Hochschule:

„Die Letzten werden die Ersten sein…“

Zur Be- und Entschleunigung in der kindlichen Bildung

Kinder sollen in Vorschule und Schule immer früher und schneller lernen – so sehen es viele Stimmen in Politik und Bildung. Sebastian Suggate, Professor für Entwicklungspsychologie und Kindheitspädagogik an der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft, geht dieser Entwicklung in seinem Vortrag am Freitag, 5. September, auf den Grund. Anhand aktueller Studien, die das frühe Lesen lernen untersuchen, zeigt der Referent die Auswirkungen der „Lernbeschleunigung“ auf. Dabei erörtert Suggate sowohl Argumente für als auch gegen frühes Lesen und berücksichtigt nicht nur die langfristige Lese- und Sprachentwicklung von Kindern, sondern auch die Ausbildung ihrer sozialen Fähigkeiten. Auf dieser Grundlage skizziert der Professor Vorschläge für Alternativen zu einer auf Beschleunigung ausgerichteten Pädagogik, die sowohl die Komplexität der Kindesentwicklung als auch die der zeitgenössischen Bildungslandschaft berücksichtigen. (…)

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SPIEGEL Online 26. Mai 2012, 12:47 Uhr

Studie aus Neuseeland

Waldorfschüler lesen besser

Sie lernen Buchstaben zwei Jahre später als an staatlichen Schulen, trotzdem schneiden Waldorfschüler laut einer neuseeländischen Studie beim Lesen besser ab. Das könnte am privilegierten Elternhaus liegen. Aber auch an der Waldorf-Methode.

Von Holger Dambeck

Wann sollten Kinder beginnen, lesen zu lernen? Diese Frage treibt Sebastian Suggate von der Universität Regensburg schon länger um. 2009 hatte er erstmals eine Studie dazu publiziert. Das Ergebnis: Neuseeländische Kinder, die bereits mit fünf Jahren mit Buchstaben arbeiten, haben keinen Vorteil gegenüber Schülern, die später damit beginnen. Im Alter von elf Jahren seien die Lesefähigkeiten beider Gruppen gleich gut.

Nun hat Suggate gemeinsam mit zwei Kolleginnen von der University of Otago (Neusseland) eine neue Untersuchung vorgelegt, die aufhorchen lässt. Wieder haben die Bildungsforscher Schüler verglichen, die mit fünf und mit sieben lesen gelernt haben. Und diesmal erreichten die Spätbuchstabenlerner im Alter von elf Jahren sogar etwas bessere Lesefähigkeiten als normale Schüler.

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Aus Kultur- und Sozialwissenschaften / Beitrag vom 24.07.2014

Bewegungsstudie

„STRASSENKINDHEIT“ FÖRDERT KINDLICHE INTELLIGENZ

Toben auf der Straße macht schlau: So lapidar könnte man die Studie „Raum für Kinderspiel“ des Freiburger Instituts für Angewandte Sozialwissenschaft zusammenfassen. Darüber hinaus werden Kreativität und Motorik gefördert. In der Praxis gibt es allerdings zu wenig Raum für Bewegung.

Von Ulrike Burgwinkel

Eine „Straßenkindheit“ ist heute nicht mehr ein für soziale Unterschichten typisches Phänomen, sondern eher für Kinder aus dem Bereich gutsituierter Mittelschichten. Durch Ganztags-Kita und -Schule verschiebt sich allerdings die kindliche „Freizeit“ an andere Orte. Dass Bewegung, Sport und Spielen (außerhalb der Wohnung und im besten Fall ohne elterliche Kontrolle) der kindlichen Entwicklung förderlich sind, wird von Sportwissenschaftlern, Entwicklungspsychologen und Neurowissenschaftlern immer wieder hervorgehoben. (…)

Straßenkindheit vor allem in der Mittelschicht

Das bedeutet: Straßenkindheit ist ein Mittelschichtsphänomen geworden. Die Sackgasse, der Wendehammer, die Reihenhaussiedlung mit Gärtchen bieten Möglichkeiten, die in dicht bebauten Quartieren, mit möglicherweise dichtem Verkehr und ohne Grün fehlen. Die Konsequenzen liegen für Baldo Blinkert auf der Hand:

„Wir gehen ja davon aus, dass es gerade in dem Alter ganz wichtig ist, dass Kinder frei unbeaufsichtigt draußen spielen können, die Welt entdecken, etwas herstellen können. Das ist ganz wichtig, das führt einfach dazu, dass Kinder unter solchen Bedingungen so etwas entwickeln können – um das mal etwas gehoben auszudrücken – so etwas wie einen Habitus der kreativen Weltaneignung.“ (…)

„Da wissen die Eltern: Es kommt ganz darauf an, diese Differenzierung, die letzten Endes ganz entscheidend ist auch für Karriere sogar, dass das etwas Wichtiges ist und dass dazu auch gehört, dass Kinder so etwas wie Kreativität entwickeln können und das lernen sie vielleicht beim freien Spielen draußen eher als in der Schule.“

Draußen spielen fördert die Intelligenz

Nicht nur um Kreativität geht es beim Spielen, der Bewegung draußen auf der Straße oder dem Spielplatz. Renate Zimmer, Professorin für Sport- und Bewegungswissenschaften an der Uni Osnabrück prägte sogar den Slogan: Toben macht schlau. Und wie sich schulische Leistungen durch einfache Balance-Übungen verbessern ließen, zeigte die im Mai herausgegebene sogenannte kleine „Schnecke-Studie“ des hessischen Kultusministeriums. Die „Schnecke“ meint hier das Organ im Innenohr, das für den Gleichgewichtssinn zuständig ist. Am Berliner Max-Planck-Institut für Bildungsforschung untersucht die Diplompsychologin Dr. Sabine Schäfer den Zusammenhang zwischen motorischen und kognitiven Leistungen unter genau definierten Versuchsbedingungen:

„Wir haben uns vermehrt mit Doppelaufgabensituationen befasst, also mit Situationen, in denen Menschen zwei Aufgaben gleichzeitig machen und da dann immer eine motorische Aufgabe, also so etwas wie Balancieren, gehen auf einem schmalen Parcours, gehen auf einem Laufband und eine Denkaufgabe, Gedächtnisaufgaben, die viel Konzentration erfordern.“

Menschen unterschiedlicher Altersstufen kommen unterschiedlich gut mit den beiden Anforderungen klar. Senioren zum Beispiel haben mitunter größere Schwierigkeiten, Kinder dagegen überhaupt nicht. Dr. Sabine Schäfer:

„Hier haben wir herausgefunden, dass Kinder sich verbessern können, wenn sie zwei Sachen gleichzeitig machen. Wir hatten zum Beispiel das Phänomen, dass sie, wenn sie balanciert haben auf einem sogenannten Therapiekreisel, der recht wackelig ist, dass sie stabiler stehen konnten, wenn sie gleichzeitig eine Denkaufgabe hatten, als wenn sie gar nichts gleichzeitig gemacht haben und umgekehrt. Im Bereich des Denkens hatten wir auch den Befund, dass Kinder, wenn sie in ihrer Lieblingsgeschwindigkeit auf einem Laufband gegangen sind, in einer ziemlich schwierigen Zahlenaufgabe bessere Leistungen hatten als im Sitzen.“ (….)

Verbesserung der Motorik

Mehr Bewegung, ob spielerisch, beim Toben oder beim Sport sei auf jeden Fall wünschenswert, nicht nur wegen der eindeutigen gesundheitlichen Effekte. Dr. Sabine Schäfer:

„Es gibt auch erste Anzeichen, dass eine Förderung in der Motorik, also ein gezieltes Sportprogramm – das wurde jetzt in Amerika untersucht über ein Jahr hinweg, die haben die Schüler jeden Tag zusätzlich eine Stunde Sport treiben lassen und haben das verglichen mit einer Kontrollgruppe, die eben dieses Sportprogramm nicht absolviert hat, dass die sporttreibenden Kinder sich in verschiedenen Denkaufgaben verbessert haben. Die konnten also besser störende Informationen inhibieren und auch in bestimmten physiologischen Parametern des Gehirns, also dieses EEG haben die mehrfach abgeleitet, dass sie sich dort auch verbessert hatten im Vergleich. (….)

„Das läuft auf die Frage hinaus, welche Aspekte des Denkens besonders profitieren von der Bewegung und es gibt da meines Wissens mehr Forschung zu doch recht standardisierten Aufgaben, die Konzentration erfordern und nicht so sehr dieses kreative Denken, wo man vielleicht Assoziationen findet, die man vorher nicht hatte, wo man aber die Gedanken auch so ein bisschen abschweifen lassen kann. Das wär schön, wenn es da ein paar mehr Studien zu gäbe. Wir wissen eher, dass man sich vielleicht einen Tick besser konzentrieren kann. Ob wir auch in der Kreativität, in dem Neue-Lösungen-Finden besser werden, das ist plausibel, das erzählen ja auch viele Leute aus ihrer Erfahrung, aber da bräuchten wir einfach mehr belastbare Daten.“ (…)

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Wirtschaftswoche online vom 04.08.2014

Einschulung schon mit fünf Jahren

Der frühe Vogel verfehlt den Wurm

In acht Bundesländern geht diesen Monat die Schule wieder los. Viele Fünfjährige drücken ab Ende August die Schulbank. Viel zu früh, sagen Studien. Je jünger die Kinder bei der Einschulung sind, desto schlechter lernen sie.

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und HP-PLUS

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In Großbritannien hat dies bereits zu einer öffentlichen Auseinandersetzung zwischen besorgten Wissenschaftlern und dem Leiter der staatlichen Bildungsinspektion, Sir Michael Wilshaw, geführt. Er hatte Anfang April die Erzieherinnen in den Kitas aufgefordert, bei benachteiligten Kindern mit der frühkindlichen Bildung ab dem 2. Lebensjahr zu beginnen – also erste Grundlagen des Lesens und Rechnens zu vermitteln:

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The Telegraph 12:01AM BST 03 Apr 2014

Ofsted chief: send children to school from the age of two

(Ofsted-Chef: Schickt die Kinder ab dem zweiten Lebensjahr in die Schule)

Sir Michael Wilshaw, the head of Ofsted, says that more primary schools should open nursery provision to prevent tens of thousands of children being given a poor start to their education

By Graeme Paton, Education Editor

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Dieses Vorhaben stieß sofort auf den entschiedenen Protest von Erziehungswissenschaftlern und Frühpädagogen, die in einem offenen Brief vor den dramatischen Folgen einer derart verschulten Kindheit warnen:

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The Telegraph 5:59AM BST 03 Apr 2014

Ofsted early years overhaul will have ‚catastrophic‘ impact

A group of almost 250 academics, authors and teaching leaders write to The Telegraph, claiming that Ofsted’s approach to early years education risks having a „catastrophic“ impact on children

By Graeme Paton, Education Editor

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Offenkundig wächst auch bei den Eltern die Sorge vor einer Überforderung ihrer Kinder auf Grund eines politisch forcierten, instrumentellen Bildungsverständnisses:

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SÜDDEUTSCHE ZEITUNG vom 04.08.2014

IMMER SPÄTER IN DIE SCHULE

Viele Kinder bleiben auf Wunsch der Eltern ein Jahr länger im Kindergarten, bevor sie in die erste Klasse kommen. Doch der hinausgezögerte Schulbeginn kann negative Folgen haben

Von Tina Baier

München – Immer mehr Eltern in Bayern schicken ihre Kinder ein Jahr später in die Schule, als es eigentlich vorgesehen ist. Aus einer Antwort des Kultusministeriums auf eine Anfrage der Grünen geht hervor, dass die sogenannten Rückstellungen in den vergangenen fünf Jahren stark zugenommen haben. (…) Nach der Statistik des Kultusministeriums gingen im Schuljahr 2009/2010 in Bayern 9666 Kinder ein Jahr länger in den Kindergarten. 2013/2014 waren es schon 12427. Und das, obwohl die Anzahl der Schulanfänger im selben Zeitraum kontinuierlich abgenommen hat. Auffällig ist auch, dass jedes Jahr fast doppelt so viele Jungen wie Mädchen zurückgestellt werden.

Nach Ansicht von Simone Strohmayr, Bildungspolitikerin der SPD, reagierten die Eltern mit einer Art Gegenbewegung auf den Geschwindigkeitswahn im bayerischen Bildungssystem, der schon in der Grundschule anfange und sich bis zum „Turbo-Abitur“ im achtstufigen Gymnasium durchziehe. „Die Eltern sind verunsichert“, sagt sie. Simone Fleischmann vom Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV), die eine Grundschule in Poing bei München leitet, kann das bestätigen. Immer öfter kämen Eltern zu ihr, die ihr Kind zurückstellen wollten, obwohl es sämtliche Einschulungstests mit Bravour bestanden habe. „Ich kann die Eltern verstehen“, sagt sie. Es habe sich eben herumgesprochen, dass die Grundschule in der dritten und vierten Klasse stark leistungsorientiert ist. (…)

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Tagesspiegel 30.06.2014 21:28 Uhr

Bildung

BERLINER ELTERN REBELLIEREN GEGEN DIE FRÜHEINSCHULUNG

Über 4800 Familien stellen Anträge gegen die Früheinschulung ihrer Kinder – so viele wie noch nie. CDU und Grüne wollen spätere Schulpflicht. Auch Neuköllns SPD-Bildungsstadträtin kritisiert das Verfahren.

von Susanne Vieth-Entus

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siehe dazu auch:

  • Prof. Volker Ladenthin über Kinder als „Humankapital“ – in: HBF 09.07.14

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Zum Thema siehe auch:

 

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Veröffentlicht von admin

Leiter des Heidelberger Büros für Familienfragen und soziale Sicherheit

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